50 Prozent Zölle? Das glaubt Kammüller nicht
Einer VDMA-Blitzumfrage zufolge geben drei von vier Unternehmen an, dass sie (sehr) stark von den unberechenbaren Zollankündigungen betroffen sind. Sie alle würden wohl versuchen, die an die Kunden direkt weiterzureichen. Donald Trump hatte zuletzt angekündigt, die vom 1. Juni an vorgesehenen Zölle auf Waren aus der EU in Höhe von 50 Prozent um gut einen Monat auf den 9. Juli zu verschieben. „Wir rechnen nicht damit, dass die 50 Prozent kommen“, sagte Kammüller. „Das würde mit Sicherheit zu einem Handelskrieg führen, weil die EU sicher extrem reagieren würde.“ Dies glaube er nicht. Trump zeige zuerst Extreme auf, um dann einen Deal zu finden.
Zehn- oder 20-prozentige Zölle, die dann vor Ort auf den Herstellungskostenpreis (statt den höheren Kaufpreis) anfallen, könne es allerdings geben. Daher habe die Firma Trumpf ihre Kunden erst einmal informiert, „dass wir das nicht tragen können und dass sie das tragen müssen“. Dann werde darüber verhandelt. „Schwierig ist das, wenn man den Vertrag bereits geschlossen hat und die Maschine in den nächsten drei Monaten geliefert wird.“ Dann könne man dem Käufer den höheren Maschinenpreis, rechtlich betrachtet, nicht in Rechnung stellen. „Dann muss man den Kunden nochmals ansprechen und ihm sagen: das beste Ergebnis wäre es, wenn man sich das teilt.“ Dann käme der Maschinenbauer mit den bis zu 20 Prozent „irgendwie zurecht“. Infolge der großen Unsicherheit versuche Trumpf in neuen Verträgen, eine Klausel zur Verteilung der möglicherweise erhöhten Preise aufzunehmen.
Aber auch die Politik ist gefordert: „Wir haben aber das Gefühl, dass der Bundeskanzler sich da sehr für die Industrie bei der EU einsetzt, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.“ Vielleicht komme es sogar zum vollständigen Verzicht von EU und USA auf Einfuhrgebühren, hofft der VDMA.
Abhängigkeiten auf beiden Seiten
Geschäftsführer Dietrich Birk setzt daher auf die große Abhängigkeit der Amerikaner von Maschinenimporten, „wenn sie ihren Kurs der Industrialisierung so fortsetzen und eigene industrielle Wertschöpfungsketten aufbauen wollen, weil der amerikanische Maschinenbau nicht mehr so stark ist.“ Da seien vor allem Einfuhren aus Deutschland oder Italien, aber auch aus Japan oder Korea gefragt.
Seit der Coronazeit habe sich der Export von Maschinen und Anlagen aus Baden-Württemberg in Richtung USA um 50 Prozent erhöht. Höhere Zölle würden keinen Investitionsboom in den Vereinigten Staaten auslösen, sondern eher sofort auf die Nachfrage durchschlagen. „Das würde die Exportfähigkeit der USA massiv behindern“, sagt Birk.
Baden-Württembergs Maschinen- und Anlagenbau hat 2024 im Export 47,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Wichtigster Handelspartner sind die USA mit einem Volumen von 7,8 Milliarden Euro und einer Quote von 16,5 Prozent am Gesamtexport.
3200 Maschinenbau-Beschäftigte in Kurzarbeit
Unabhängig vom Handel mit den USA regt sich Kammüller zufolge „vorsichtiger Optimismus, dass die Talsohle erreicht ist und die Maschinenbaukonjunktur im Südwesten in der zweiten Jahreshälfte langsam an Fahrt gewinnt“. Das Neugeschäft habe im ersten Quartal mit real zwei Prozent leicht zugelegt. Allerdings sei das Niveau noch immer schwach. Laut einer Umfrage zum ersten Quartal gaben lediglich knapp 40 Prozent der Unternehmen an, mit einem Umsatzwachstum im laufenden Jahr zu rechnen, während 60 Prozent stagnierende oder rückläufige Umsätzen erwarten.
Zu den großen Herausforderungen der Zukunft gehört der Fachkräftemangel: Etwa jeder vierte Beschäftigte in der Branche ist bereits über 55 Jahre alt. „Daher sind die meisten Betriebe weiterhin bemüht, ihre Stammbelegschaften so gut es geht zu halten“, sagt Kammüller. Das Instrument der Kurzarbeit helfe dabei, in konjunkturellen Schwächephasen Beschäftigung zu sichern. Gut 3200 Maschinenbau-Beschäftigte befanden sich im März in Kurzarbeit. Laut der VDMA-Umfrage geht knapp ein Drittel der Unternehmen davon aus, dass der Bedarf in den kommenden sechs Monaten stark bis sehr stark steigen wird.
Seit Januar haben vermehrt Betriebe einen Stellenabbau angekündigt. „Aufgrund des strukturellen Kostendrucks und ohne spürbare Wachstumssignale erwarten wir, dass der Beschäftigtenabbau anhalten oder sogar zunehmen wird“, sagte Kammüller.