Masken für Gehörlose Ein Sichtfenster gibt den Blick auf den Mund frei

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Die Schneiderin Susanne Landis aus Stuttgart-Degerloch fertigt spezielle Gesichtsmasken für Gehörlose. Ein transparenter Mittelteil ermöglicht das Lesen der Mimik.

Die Masken haben ein Sichtfenster, das den Blick auf die Mimik erlaubt. Foto: privat
Die Masken haben ein Sichtfenster, das den Blick auf die Mimik erlaubt. Foto: privat

Degerloch - Sich mit jemandem zu unterhalten, ohne seine Mimik zu sehen, ist gewöhnungsbedürftig. Für Gehörlose oder Schwerhörige kann es gar zum Problem werden. Denn selbst, wenn sie sich in Gebärdensprache unterhalten, spielen die Mundbewegungen doch eine Rolle. Die Mund-Nasen-Masken, die man wegen der Ausbreitung des Coronavirus nun in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens tragen muss, erschweren Hörgeschädigten die Kommunikation. Denn die Masken verdecken die gesamte Mundpartie.

Eine Kundin brachte die Schneiderin auf die Idee

Eine Lösung sind spezielle Modelle mit einem durchsichtigen Einsatz über den Lippen. Solche fertigt die Schneidermeisterin Susanne Landis in ihrer Modewerkstatt an der Löwenstraße im Ortszentrum von Degerloch seit Kurzem an. Eine Kundin habe sich darauf gebracht, sagt die Ladeninhaberin. „Sie ist zwar selbst nicht gehörlos, unterrichtet aber Gehörlose. Und sie wollte eine Möglichkeit haben, damit ihre Schüler ihre Mimik sehen können“, sagt Susanne Landis. Die Kundin habe ihr ein Bild einer solchen Gesichtsmaske geschickt, und die Schneiderin begann mit der Umsetzung. „Ich fand das gleich eine tolle Idee.“

Die Stoffmasken haben ein Sichtfenster aus transparentem Plastik, das den Blick auf den Mund freigibt. Die Arbeit mit dem Plastik hatte allerdings ihre Tücken, berichtet Susanne Landis. Das erste Exemplar beschlug schon nach kurzer Zeit beim Sprechen. Die Schneiderin überarbeitete den Entwurf und löste das Problem, in dem sie Falten in den Stoff einnähte. Die sorgen dafür, dass die Maske nun einen kleinen Abstand zum Gesicht hat, sodass die Atemluft entweichen kann.

Normalerweise wird hier Kleidung genäht

Etwa eine halbe Stunde, schätzt Landis, braucht sie für eine der Gehörlosen-Masken. Bisher hat sie sie nur in kleiner Stückzahl angefertigt, „aber auf Bestellung kann ich jederzeit welche nachmachen“, sagt die Ladeninhaberin. Normalerweise nähen die drei Mitarbeiterinnen in der Schneiderei in Degerloch hauptsächlich Kleidung. Seit dem Ausbruch des Coronavirus allerdings fertigen sie auch bunte Stoffmasken für das Gesicht, auf Wunsch farblich passend zur neuen Bluse.

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