Maskenschnitzer von den Fildern Ein Neuhausener gibt der Fasnet ihr Gesicht

Der Maskenschnitzer Steffen Grundler aus Neuhausen in seiner Werkstatt. Foto: Horst Rudel

Am 6. Januar startet die schwäbisch-alemannische Fasnet. Dann werden vielerorts im Südwesten die Narren wieder im Häs und mit Maske unterwegs sein. Ein Neuhausener pflegt die Tradition des Maskenschnitzens. Hier verrät er, worauf es dabei ankommt.

Holzmasken stapeln sich an den Tagen vor dem 6. Januar im Keller von Steffen Grundler und seiner Familie. Denn bevor die 15 Maskengruppen des Narrenbunds Neuhausen vom 6. Januar an mit dem Häsabstauben beginnen, müssen die sogenannten Holzlarven gut in Schuss sein. Eine Hexe mit abgebrochener Nase oder eine Wildsau ohne Hauer, das wäre bei den Umzügen in ganz Baden-Württemberg nicht denkbar. In solchen Fällen hilft der 41-Jährige beim Ausbessern, wenn es seine Zeit erlaubt. „Die Gruppen freuen sich, einen Schnitzer in den Reihen des Narrenbunds zu haben.“

 

Wie all die anderen Narren in schwäbisch-alemannisch geprägten Städten und Dörfern fiebern die mehr als 1000 Hästräger in der Hochburg auf den Fildern dem Dreikönigstag entgegen. Dann dürfen Rotenhäne, Schellen-Peter, Wildsäu, Sauhag-Eichele und all die anderen ihre Verkleidung aus dem Schrank nehmen. Auf diesen Moment freut sich Grundler. Der Realschullehrer für Mathematik, Technik und Sport ist selbst seit langem bei den Neuhäuser Hexen aktiv. Die zweitälteste Maskengruppe des Narrenbunds gibt es seit 1966.

Schnitzmesser aus Tirol

Das Schnitzen der Masken hat besonders im Schwarzwald eine lange Tradition. Wie kam Grundler zu dieser besonderen Leidenschaft? Die Holzmasken hätten ihn immer fasziniert, sagt der handwerklich begabte Pädagoge. Sein Großvater habe das Talent gefördert und ihm Schnitzmesser aus Tirol mitgebracht. „Man braucht sehr gute Messer zum Schnitzen der Holzmasken für die Fasnet, sonst wird das nichts.“ Raue Furchen, die das Gesicht der Hexe so gruselig aussehen lassen, schnitzt der Holzkünstler ebenso wie die markanten, fein gearbeiteten Borsten der Wildsäu. Die Warzen der Hexenmaske bringt er mit Dübeln auf. Das erfordert Konzentration. Um das Handwerk zu lernen, schaute er dem Neuhausener Otto Fuchs über die Schulter, der die Tradition früher pflegte. „Er ließ nicht jeden in seine Werkstatt“, erinnert sich Grundler. Die Leidenschaft des jungen Mannes hat den Schnitzer aber überzeugt.

Sichtlich gerührt zeigt Grundler, der selbst zwei Kinder hat, ein Fotoalbum, das seine Mutter gestaltet hat. „Da hat sie meine erste Maske fotografiert.“ Damals war er 13 Jahre alt. Der grobe Klotz mit stark stilisierten Augen und Nase hat wenig mit den filigranen Holzkunstwerken zu tun, die er jetzt erschafft. Dass seine Tochter Nele in seine Fußstapfen tritt, freut den Vater. Die Sechstklässlerin ist nicht nur bei den Wappenlöwen, einer reinen Frauengruppe, dabei. Mit ihrem Nachbarn Moritz ist sie in dieser Kampagne das Kinderprinzenpaar. Die Arbeit mit Messer und Stechbeitel macht ihr Spaß. Behutsam begleitet ihr Vater die Versuche.

Dass eines seiner Studienfächer für das Lehramt Technik war, habe ihm manches erleichtert, ist Grundler überzeugt. Für eine komplett handgeschnitzte Maske braucht er bis zu 16 Stunden. Wenn die Holzmaske vorgefräst ist, geht es schneller. Das Bemalen der Masken nimmt nach seinen Worten auch mehrere Stunden in Anspruch. Am liebsten arbeitet der Kunstschnitzer mit Lindenholz. „Das hat kaum Äste“, sagt er und streicht über die glatt geschmirgelte Oberfläche. Mit dem Holz der Zirbe arbeitet Grundler ebenfalls. Inzwischen arbeite er hauptsächlich für die Hexen und die Wildsäu. Früher hat er auch einige der sogenannten Glattmasken der Schellen-Peter hergestellt. Das sind Holzlarven, deren Oberfläche keinen Furchen und Unebenheiten hat. „Jede Maskengruppe hat ihre strengen Regeln“, weiß Grundler. Deshalb spricht er sich stets mit den Gruppenleitungen ab. Die Hexen etwa haben ein offenes und ein geschlossenes Auge. Ein Mundwinkel ist freundlich hochgezogen. Der andere hängt garstig herunter. In diesem Rahmen schöpft Grundler dennoch seine „künstlerische Freiheit“ aus. Besonders schön findet es der Schnitzer, wenn er für Freunde schnitzen darf.

Der Hexentanz ist ein Höhepunkt

Ein Höhepunkt für die Maskengruppen ist der Hexentanz, der in Neuhausen zur Tradition am Schmotzigen Donnerstag gehört. Da springen die Hexen über das brennende Feuer. Das Brauchtum kommt bei allen Generationen gut an. Den Tanz choreografiert und organisiert Steffen Grundler. Auf diese kreative Aufgabe freut er sich.

Mit seinen Masken schweift der Schnitzer aber auch in die Ferne. Wenn die närrische Zeit vorbei ist, beschäftigt er sich auch mit anderen Kulturen. Die Masken von Krampus und Percht, die seit dem 17. Jahrhundert in Südtirol und in Österreich verwurzelt sind, haben es Grundler angetan. Der Krampus trägt nur ein Hörnerpaar und hat eine verzerrte menschliche Fratze, die das Böse verkörpert. Der Percht ist einem Tier nachempfunden, darf deshalb auch mehrere Hörner haben. Er soll die bösen Geister vertreiben. Diese Figuren treiben nach Grundlers Worten schon in der Adventszeit ihr Unwesen. Das ist eine weihnachtliche Tradition, die dem Holzkünstler gut gefällt.

Die schwäbisch-alemannische Fasnet

Tradition
Die schwäbisch-alemannische Fasnet beginnt traditionell am 6. Januar mit dem Häsabstauben. Die Teilnehmer sind mit sogenannten Larven oder auch Schemen vermummt, die meist aus Holz hergestellt werden. Die Hästräger wechseln ihre Verkleidung nicht von Jahr zu Jahr, sondern behalten sie immer bei. In manchen Gegenden ist es üblich, sie an die nächste Generation zu vererben. Die meisten Maskengruppen pflegen närrische Aufnahmerituale.

Kulturerbe
Die schwäbisch-alemannische Fastnacht wurde im Dezember 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Seit 2020 gehört auch die Fasnetshochburg Neuhausen auf den Fildern dazu. Dazu hatten die mehr als 1000 Hästräger, die in 15 Maskengruppen organisiert sind, etliche Anforderungen zu erfüllen. eli

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