Maskottchen aus Kornwestheim im Buch Lurchi ist ein „Held des Südwestens“

Von Susanne Mathes 

Das Salamander-Maskottchen hat es unter die 50 „Helden des Südwestens“ geschafft. In einem neuen Buch taucht Lurchi neben Jogi Löw auf. Auch Boris Becker und Marken wie Pril und Maggi sind in dem 176 Seiten starken Werk erklärte Helden.

Lurchi ziert neben Libella-Limo und Jogi Löw das Buchcover.  Foto: Susanne Mathes
Lurchi ziert neben Libella-Limo und Jogi Löw das Buchcover.  Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Ob man, wenn man sich als Schwabe jahrelang unter kühlen Hanseaten einrichten muss, manches unter dem milden Schleier der Verklärung sieht? Rainer Moritz jedenfalls, gebürtiger Heilbronner und Leiter des Literaturhauses Hamburg, hat im Silberburg-Verlag das Buch „Helden des Südwestens“ herausgebracht – und schwelgt, optisch umwölkt von Pril-Blumen, hemmungslos in Erinnerungen, bei deren Lektüre wohl vielen Lesern warm ums Herz wird. Vor allem, wenn sie selbst zur Spezies der Schwaben oder zu den Bewohnern aus Baden gehören. Was hiesige Rezipienten am meisten freuen dürfte: Der gute alte Lurchi hat’s nicht nur unter Moritz’ Top 50 geschafft – er ziert in trauter Dreisamkeit mit Jogi Löw und einer Libella-Flasche sogar das Cover.

Was nur folgerichtig ist. Denn Lurchi war ja bekanntermaßen nicht nur eine Fußball-Legende, die im guten Salamander-Schuh selbst fieseste Bälle in den Kasten zu zirkeln vermochte und die Gegner-Elf von Maulwurfshausen uralt aussehen ließ. Nein, er hätte als gutes Vorbild auch – wie es Fußballer ja gemeinhin halten – niemals zu Ladenburger, Lenzkircher oder Löwenbräu gegriffen, sondern definitiv zu der Limo, die anno dazumal mit dem Satz „Libella, meine große Liebe“ beworben wurde.

Erinnerung an den frühen Schuhkauf

Die grasgrünen Hefte mit Lurchis Abenteuern, erinnert sich der Germanist, Philosoph und Romanist Moritz an seine Kindheitstage, seien nicht so misstrauisch angeschaut worden wie andere Comics. In „schöner Schreibschrift und noch schöneren Paarreimen“ seien Lurchis Abenteuer erläutert worden, sinniert Moritz, unterschlägt aber nicht, wie die Lurchi-Lyrik gelegentlich ins Holpern geriet.

Das habe ihrem Reiz aber keinen Abbruch getan, denn der Salamander-Werbeleiter und damalige Lurchi-Texter Erich Kühlewein „sprühte vor Einfällen und ließ seinen Salamander auch mit Errungenschaften der modernen Welt in Berührung kommen“. Nicht nur Lurchi selbst, sondern auch das Generationen von Nachkriegskindern bekannte Ritual des Salamanderschuh-Kaufs führt Moritz dem Leser geistig vor Augen: „Sich die Füße ausmessen lassen, warten, bis das Paar Schuhe in der richtigen Größe endlich aus dem Lager kam, ungeschickt mit dem Schuhlöffel hantieren, die Schuhe binden, unsicher hin und her gehen, vor dem Spiegel anhalten und immer den kritischen Blicken von Mutter und Verkäuferin ausgesetzt. Stößt du vorne an? Drückt es irgendwo? Was kosten die? Fragen, die den Schuhkauf unendlich in die Länge zogen, da das erste Paar selten den Zuschlag erhielt. . .“ Wenn da das Lurchi-Heft im Anschluss mal keine angemessene Entschädigung war!

Das Salamander-Maskottchen teilt sich den Platz im Olymp der Südwest-Helden aber nicht nur mit Löw und Libella. Persönlichkeiten wie Äffle und Pferdle, Häberle und Pfleiderer, Anneliese Rothenberger oder Boris Becker tummeln sich dort ebenso wie der SC Freiburg, der VfB Stuttgart, Marken wie Fischer-Dübel, Maggi, und Caro-Kaffee, die Brezel oder Sendungen wie „Sie wünschen, wir spielen“.

Auch Thomas Gottschalk hat viel gelernt

Die sympathisch-anarchische Auswahl mit hohem Wiedererkennungswert ist laut Moritz durch und durch subjektiv getroffen und „strebt in keinem Fall Vollständigkeit an“.

Ein wenig trübsinnig stimmt es den lokalpatriotischen Leser freilich, wenn Rainer Moritz schließlich bekennt: „Was Lurchi heute macht, interessiert mich ehrlich gesagt nur wenig, und sein Einfluss auf die jugendlichen Schuhkäufer hat stark abgenommen.“ Immerhin gibt er zu: „Den guten alten Lurchi, den es noch als Gummifigur gibt, mag ich trotzdem noch.“ Da gehe es ihm wie Thomas Gottschalk, der offenbarte: „Ich verhehle nicht, die Welt hat sich auch mir durch die Lurchi-Heftchen erschlossen.“

Die Ehrenrettung für Salamander – und den Autor – folgt in einem Nachtrag: „Anfang Juni 2016 habe ich mir, einem jähen Impuls folgend, erstmals wieder Salamander-Schuhe gekauft. Ein grundsolides Paar Slipper, die prima sitzen. Keine der Verkäuferinnen bot mir ein Lurchi-Heft an.“




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