Cannstatter Volksfest Warum der Bierkrug "Maß" heißt
Das Maß ist voll. Bis zu 14,40 Euro für einen Liter Bier beim Cannstatt Volksfest. Ist das noch mit Augenmaß erhöht? Und warum nennt man einen Literkrug mit Bier eigentlich "Maß"?
Das Maß ist voll. Bis zu 14,40 Euro für einen Liter Bier beim Cannstatt Volksfest. Ist das noch mit Augenmaß erhöht? Und warum nennt man einen Literkrug mit Bier eigentlich "Maß"?
Der größte Bierkrug der Welt kommt natürlich aus Bayern. Und er steht in Bayern. In Oberviechtach im Oberpfälzer Wald. Er ist über 3,80 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 2 Metern, 4718 Liter Bier passen rein.
Er erinnert an die Zeiten, als man noch zusammen aus Tonkrügen trank, den Humpen weiterreichte. Mit der Erfindung der Hygiene bekam jeder sein eigenes Gefäß. Geliefert von Steinzeugtöpfern aus dem Westerwald. Die Gefäße hatten im Vielvölkerstaat Deutschland alle möglichen Ausprägungen und Größen. Fast jeder Landstrich hatte sein eigens Maß. Es gab alleine in Bayern über 90 Einheiten für Flüssigkeiten.
Als 1806 das Königreich Bayern entstand, erließ König Max I. Joseph von Bayern eine Verordnung über „Einförmigkeit in Maßen und Gewichten“. Er legte fest: „Für die Flüssigkeiten ist die Maßkanne die Einheit. Eine Maßkanne hält 43 baierische Dezimal-Kubikzolle. Die baierische Maß hatte also 1,069 Liter. Es gab Prüfkrügen aus Kupfer, um zu testen, ob die Wirte korrekt geeichte Gefässe benutzten. Diese Prüfkrüge wurden oft zum Ausschank benutzt, daraus entwickelte sich der Maßkrug, oder kürzer die Maß Bier.“
Dann kamen die Preußen. Und legten fest, dass ein Normmaß künftig ein Liter zu sein habe. Seit 1872 soll in einem Maßkrug ein Liter Bier sein. Warum der Bayer seither beim Bier zum Gewichtheber wird, während andere deutsche Stämme deutlich kleinere Gläser bevorzugen, hat wohl mit der Art des Bieres zu tun. In Versuch und Irrtum haben sich das Kölschglas, das Pilsglas, das Weizenglas und der Maßkrug als jeweils bestes Gefäß für das jeweilige Getränk herausgebildet. Darin schmeckt es halt am besten. Das bayerische Helle ist ein untergäriges Lagerbier, der Schaum hält sich länger, und hat im Maßkrug ordentlich Platz, sich auszubreiten. Es macht was her, nicht zuletzt auf Plakaten. Zudem ist es bei Festen praktisch, man stelle sich Zapfen und Bedienen im Festzelt mit Alt-Gläsern vor.
So ist es den Bayern und ihrer cleveren Tourismus-Industrie gelungen, in aller Welt das Bild zu vermitteln, Neuschwanstein sei typisch für deutsche Architektur, der Deutsche trage Lederhosen und trinke ständig aus überdimensionalen Gefäßen. Doch die Maß ist nicht das Maß aller Dinge. Der Pfälzer trinkt seinen Schoppen, der Norddeutsche und Westfale liebt sein Pils, der Rheinländer trinkt in homöopathischen Dosen. Der Schwabe übrigens trank in früheren Jahren beim Volksfest nicht Bier, sondern Most. Aus Tonkrügen.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im September 2023 und wurde zum Cannstatter Wasen 2024 aktualisiert.