Das Fährunternehmen P&O Ferries hat seine gesamte Belegschaft gefeuert. Die Schiffe stehen still.

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)

Eigentlich hätte der Freitag ein geschäftiger Reisetag sein sollen in den Fährhäfen Großbritanniens. An diesem Tag endeten die Einreise-Restriktionen. Hunderte ukrainischer Flüchtlinge, die die ersten Visen fürs Vereinigte Königreich ergattert hatten, hofften in Calais auf Überfahrt nach Dover. Umgekehrt rumpelten auf den englischen Autobahnen Schwerlaster schnell vorm Wochenende in Richtung Kontinent.

 

Wer aber bei P&O gebucht hatte, steckte fest. Keins der großen Schiffe der Fährgesellschaft lief aus. Bis zu zehn Tage lang werde sich nichts bewegen, ließ P&O abgewiesene Passagiere wissen. Zur gleichen Zeit zogen an den Docks von Dover, Hull und Liverpool empörte Arbeiter auf. Von „einer der schändlichsten Aktionen in der Geschichte der industriellen Beziehungen in Großbritannien“ sprach die Transportarbeiter-Gewerkschaft RMT.

Billiglöhner sollen die Betriebskosten halbieren

Labours Schatten-Verkehrsministerin Louise Haigh geißelte eine „regelrechte Attacke auf die britische Seefahrt“. Selbst Tory-Politiker wie die Dover-Abgeordnete Natalie Elphicke fanden das Geschehen „abscheulich“. Regierungsmitglieder zeigten sich schockiert. Den Ärger hatte P&O Ferries, eine Tochterfirma des in Dubai ansässigen Logistik-Riesen DP World, entfesselt, als sie tags zuvor sämtliche Fähren in die Häfen rief. In einer fünfminütigen Video-Botschaft hatte das Management den 800 Beschäftigten verkündet: „Heute ist euer letzter Arbeitstag.“

Künftig würden „billigere Teams“ eingesetzt, mit deren Hilfe die Betriebskosten halbiert werden könnten. „Schneller und radikaler Wandel“ sei nötig geworden, weil P&O in den letzten beiden Jahren 200 Millionen Pfund an Verlust eingefahren habe.

Mitarbeiter wurden in Handschellen abgeführt

Männer seien weinend von Bord gegangen, berichteten Augenzeugen. Andere seien von Sicherheitsleuten überwältigt und in Handschellen abgeführt worden. Das reinste „Gangstertum“ sei das gewesen, klagte Louise Haigh. Andere Labour-Leute, die sich am Freitag unter die Demonstranten mischten, forderten juristische Schritte. Sie forderten, die Regierung müsse die gesamten DP-World-Lizenzen eineisen und von P&O Ferries die vielen Millionen Pfund zurückverlangen, mit denen der Staat dem Unternehmen in der Covid-Zeit half.

P&O hofft, seine Schiffe im April wieder einsetzen zu können. Sicherheitsbedenken wegen Unerfahrenheit des Personals habe man keine, erklärte das Management.