Massentests gegen Corona Österreich folgt slowakischem Vorbild

Von Adelheid Wölfl 

Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen soll vor Weihnachten ein möglichst großer Teil der Bevölkerung einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigt Massentests an. Foto: dpa/Herbert Neubauer
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigt Massentests an. Foto: dpa/Herbert Neubauer

Wien - Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz möchte vor den Weihnachtsfeiertagen die Bevölkerung mit Antigen-Massentests screenen lassen. Das Vorbild dazu liefert die Slowakei, die kürzlich zwei Wochenenden hintereinander die Bürger in Container schickte, wo sie sich einen Rachenabstrich abnehmen ließen. Tatsächlich hat das slowakische Projekt Erfolge gezeigt. Laut Regierungschef Igor Matovič konnte durch die Massentests die Zahl der Neuinfektionen um die Hälfte in der Sieben-Tages-Inzidenz gesenkt werden. Die Slowakei wollte damit einen harten Lockdown vermeiden, wie er derzeit in Österreich durchgezogen wird.

Der Vorteil der Massentests ist, dass man Infizierte ohne Symptome identifizieren und in Quarantäne schicken kann. Die asymptomatisch Infizierten treiben nämlich die Infektionszahlen nach oben. In der Slowakei mussten alle, die nicht bereit waren, sich testen zu lassen, zwei Wochen zu Hause bleiben. Das ermunterte viele dazu, mitzumachen. Gleichzeitig müssen Ausländer, die in die Slowakei einreisen, seit 15. November einen Test vorweisen, der sie als Covid-negativ ausweist.

Massentests als letzte Chance

In der ersten Runde wurden 3,6 Millionen Menschen getestet - die Kinder unter zehn mussten nicht zum Abstrich. 38 000 der Getesteten waren davon positiv. Eine Woche später, bei der Wiederholung des Tests, wurde bei 0,66 Prozent Sars-CoV-2 nachgewiesen. Obwohl es immer wieder Berichte gibt, dass die Antigen-Schnelltests nicht so genau sind wie die PCR-Tests, ergab kürzlich eine Studie des Berliner Virologen Christian Drosten, dass die Schnelltests die Infektiosität gut nachweisen und daher für die Identifikation der asymptomatisch Infizierten eingesetzt werden können.

Die Antigen-Massentests sind vor allem dann sinnvoll, wenn das Nachvollziehen von jenen, die mit Infizierten in Kontakt waren, nicht mehr möglich ist, weil die Infektionszahlen zu schnell und zu stark in die Höhe schnellen - so wie das in Österreich der Fall ist. Das Beispiel Slowakei zeigt laut den Experten, dass aber mindestens 50 Prozent der Bevölkerung mitmachen müssen. In der Slowakei kamen die Krankenhäuser zudem an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Massentests waren so etwas wie eine letzte Chance, eine Triage zu verhindern.

Kurz überrascht Bundesheer mit seinen Plänen

Der Vorteil der Antigen-Tests, die im Gegensatz zur RNA von Sars-CoV-2, Proteinfragmente des Virus aufweisen, ist, dass sie innerhalb von 30 Minuten Ergebnisse liefern, ohne dass Labore in Anspruch genommen werden müssen. Diese Schnelligkeit ist für das Eindämmen der Verbreitung des Virus von entscheidender Bedeutung. Allerdings ist auch der Antigen-Test nur eine Momentaufnahme. Die Bürger müssen deshalb nach dem Test weiterhin Abstand halten und Maske tragen, um sich nicht anstecken zu können. In Österreich hat Kanzler Kurz die Durchführung von Massentests in der sonntäglichen TV-Pressestunde angekündigt. Für viele war das eine Überraschung, weil sie zuvor gar nicht informiert worden waren: Etwa für das Bundesheer, das bei der Umsetzung eine entscheidende Rolle spielen wird. Zunächst will Kurz die Lehrer nach der voraussichtlichen Beendigung des Lockdowns rund um den 6. Dezember testen lassen. Die Massentests der Bevölkerung sollen rund um den 20. Dezember durchgeführt werden.

Gesundheitsminister Rudi Anschober betont, dass die Tests freiwillig sein werden. Der Kanzler will mit der zackigen Anordnung der Tests demonstrieren, dass er das Heft in Händen hält. Zuletzt waren auch etwa durch die Lockerung der Hygiene-Maßnahmen im Sommer die Zahlen extrem rasch angestiegen. In Österreich drohen die Intensivbetten auszugehen. Vor Weihnachten werden wohl die Blaulichtorganisationen für die logistische Arbeit herangezogen werden müssen.




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