ExklusivMassive-Töne-Textbuch im Stadtmuseum Stuttgarter Hip-Hop ist reif fürs Museum

Sammlungsleiterin Edith Neumann, Gründungsdirektor Torben Giese, Künstler Wasilios Ntuanoglu und die wissenschaftliche Volontärin Malena Alderete (v.li.) präsentieren das Textbuch. Foto: Stadtmuseum 7 Bilder
Sammlungsleiterin Edith Neumann, Gründungsdirektor Torben Giese, Künstler Wasilios Ntuanoglu und die wissenschaftliche Volontärin Malena Alderete (v.li.) präsentieren das Textbuch. Foto: Stadtmuseum

Das Textbuch von Massive-Töne-Mastermind Wasilios Ntuanoglu, das all seine Texte aus der Kopfnicker-Ära beinhaltet, gehört nun dem Stadtmuseum Stuttgart. Als Zeugnis der Hip-Hop-Geschichte dieser Stadt wird es Teil der ständigen Sammlung.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)

Stuttgart - Wer hätte es vor 20 Jahren für möglich gehalten, dass Rap aus Stuttgart einmal ein Fall fürs Museum sein könnte. Als das wegweisende Album „Kopfnicker“ von Massive Töne 1996 erschien, lieferte es den Soundtrack zum Lebensgefühl einer ganzen Generation. Die Veröffentlichung begründete die nach dem Album benannte „Kopfnicker-Ära“. Diese vielleicht beste Zeit des Stuttgarter Hip-Hops hat es nun ins neue Stadtmuseum geschafft: Wie die Stuttgarter Zeitung vorab erfahren hat, wurde das Original-Textbuch von Massive-Töne-Mastermind Wasilios Ntuanoglu alias Duan Wasi feierlich an das Museum übergeben.

Wasis Textbuch soll in der ständigen Ausstellung des Stadtmuseums der Öffentlichkeit präsentiert werden. In der Ausstellungabteilung ‚Stadtgespräche’ werden ausgewählte Themen der letzten 200 Jahre Stuttgarter Stadtgeschichte aufgegriffen. Die Stuttgarter Hip-Hop Bewegung der 90er Jahre wird unter dem Titel ‚Mutterstadt’ im Museum beleuchtet.

Ob die Sauklaue jemand entziffern kann?

Das 182 Seiten umfassende Textbuch von Wasilios Ntuanoglu beinhaltet Skripte des Künstlers aus der ‚Kopfnicker’-Schaffensphase. Das Buch umfasst all seine Texte aus der Zeit von 1995 bis 1998, alle Strophen vom Kopfnicker-Album, zahlreiche Texte vom Folgealbum „Überfall“ und dazu alle Features aus der Zeit mit Freundeskreis und der Kolchose. Über 20 Jahre nach Entstehung der Texte kommt das einem Ritterschlag gleich: Mit der Aufnahme in die Sammlung wird Wasis Reimen der Stellenwert zeitgenössischer Dichtkunst zugesprochen, die Relevanz seiner Texte wird unterstrichen.

Wie schwer ist es dem Rapper und Produzenten gefallen, seine Aufschriebe aus der Hand zu geben? „Ich bin ich mir nicht sicher, ob jemand meine Sauklaue entziffern kann. Abgesehen von den Millionen Schreibfehlern“, sagt Ntuanoglu lachend, um anschließend auf einer ernsthafteren Ebene zu antworten: „Das Buch ist ein Zugang zu den unterschiedlichen Bedeutungsebenen dieser speziellen Geometrie von Raptexten, zu den Elementen einer Erzählstruktur, wie sie im Storytelling bei Kopfnicker verwendet wurde, zu den Ausdrucksvarianten einer Bewegung, die sich lyrisch emanzipiert hat.“

Für alle Zeiten archiviert und konserviert

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Wasi seine „Lost Beats“, Skizzen aus den 90er Jahren, die auf keinem anderen Album erschienen sind. Fühlt er sich als aktiver Musiker denn überhaupt schon reif fürs Museum? „In die kulturhistorische Sammlung der letzten 200 Jahre mit aufgenommen worden zu sein, ist sehr flashig. Mir gefällt der Gedanke, dass das Buch für alle Ewigkeiten konserviert und archiviert wird. Gerade wenn man bedenkt, wie schnelllebig und vergänglich heutzutage alles ist.“ Um die Textsammlung für eine lange Zeit ausstellen zu können, hat das Stuttgarter Stadtmuseum nach der Übergabe die nötigen Maßnahmen der Schriftgut-Konservierung eingeleitet.

Gründungsdirektor Torben Giese freut sich über sein neues Ausstellungsstück ganz besonders: „Hip-Hop ist für das Stadtmuseum ein ganz besonderes Thema. Wir wollen sicherlich auch der Frage nachgehen, wieso ausgerechnet Stuttgart ein solch fruchtbarer Nährboden für die Hip-Hop-Kultur wurde,“ erklärt Giese, und weiter: „Als Ausstellungsstück bildet das Textbuch ein tragendes Element zur Vermittlung suburbaner Kulturgeschichte Stuttgarts.“ Hip-Hop als Teil der Kulturgeschichte im Museum – wer hätte das vor 20 Jahren für möglich gehalten.




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