In der Innenstadt von Backnang gilt in weiten Teilen Tempo 40, in vielen Ortsteilen sogar 30. Doch was bringt’s wirklich? Die Stadt hat große Hoffnungen – doch es gibt auch noch offene Fragen.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die letzten Schilder sind montiert – auch wenn sie derzeit noch rot durchgestrichen sind. Doch schon bald wird aus Symbol sichtbare Realität: Die im Juni 2024 beschlossenen Tempolimits werden in diesen Tagen komplett scharf gestellt, wenn auch die Sulzbacher Straße hinzu kommt. In einem rund elf Kilometer langen Ring durch die Backnanger Innenstadt gilt dann: Runter vom Gas. Das maximale Tempo dort ist auf 40 Stundenkilometer reduziert, in mehreren Ortschaften ist das Limit bei 30 Stundenkilometern.

 

Wie die Stadt Backnang mitteilt, geht es bei der neuen Regelung nicht um Kosmetik oder bloße Symbolpolitik, sondern um handfeste Gesundheitsvorsorge: 426 Gebäude und mehr als 1100 Menschen litten unter gesundheitsgefährdendem Straßenlärm. Nun soll das Bremsen helfen – im wahrsten Sinne.

Backnang: 24 Straßenabschnitte von Tempolimit betroffen

Als vorerst letzte Maßnahme wir die Sulzbacher Straße auf 40 gestellt. Foto: Frank Rodenhausen

Insgesamt betroffen von Tempolimits sind 24 Straßenabschnitte. Etwa ein Drittel bekommt Tempo 30 verordnet, der Rest Tempo 40. Dabei geht es nicht nur um große Hauptverkehrsadern – auch innerstädtische Durchfahrtsstraßen sind Teil des Temporings. Die Umsetzung sei fast abgeschlossen, erklärt Melanie Schuler von der städtischen Öffentlichkeitsarbeit. Lediglich ein Teilabschnitt der Sulzbacher Straße kommt aktuell noch hinzu – organisatorische Gründe hätten für die Verzögerung gesorgt, trotz des bereits im Juni 2024 gefassten Beschlusses. Sobald auch in diesem Abschnitt die roten Aufkleber an den Schildern entfernt sind, greift die Maßnahme vollständig.

Wie viel ruhiger es wirklich wird, ist noch unklar. Konkrete Messwerte zur Lärmreduktion gibt es bisher nicht. Die Stadt betont, dass sich belastbare Aussagen erst nach einer längeren Beobachtungsphase treffen ließen. Vorerst bleibt es bei der Hoffnung: auf leisere Nächte und entspanntere Tage.

Tempolimit in Backnang: Zwischen Kontrolle und Kulanz

Die Stadt setzt zunächst auf Gewöhnung statt Kontrolle. Doch klar ist auch: Irgendwann wird gemessen. Semistationäre Anlagen sollen das Tempo überwachen. Carsten Röhrle, der Leiter des Rechts- und Ordnungsamts, formuliert es deutlich: „Die Überwachung dient dem Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner.“ Erfahrungen zeigten: Wo anfangs noch gerast wird, wachse mit der Zeit das Verständnis.

In Ortschaften wie Heiningen gilt Tempo 30. Foto: Frank Rodenhausen

In den Ortsteilen Steinbach, Waldrems und Heiningen gilt Tempo 30 – in der Innenstadt „nur“ Tempo 40. Die Stadt begründet das mit verkehrsstrategischen Überlegungen: In den Randlagen soll auch eine Verkehrsverlagerung erreicht werden, in der Kernstadt hingegen der Verkehrsfluss erhalten bleiben – zugunsten auch des ÖPNV.

Maubach bleibt laut – vorerst

Ein weiterer Punkt, der diskutiert wurde: Ein nächtliches Tempolimit auf der stark belasteten B 14 bei Maubach. Aktuell gebe es hierzu keine neuen Informationen, heißt es vonseiten der Stadt. Zwar war in der Planung eine temporäre nächtliche Reduktion auf 30 km/h angedacht – doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Immerhin: Die Trasse der B 14 soll im Zuge des vierspurigen Ausbaus langfristig verlegt werden, was dann auch Maubach entlasten könnte.

Die neue Lärmaktionsplanung ist breit abgestützt. Zwischen Juni und August 2023 konnten Bürger sowie Verbände Stellung nehmen. Trotz einzelner Bedenken – etwa vom VVS oder dem Polizeipräsidium Aalen – wurde das Konzept mehrheitlich positiv bewertet. Fachlich gestützt wird es durch die Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltplanung (GefaÖ) aus Wiesloch.

Langsamer ist das neue Normal

Gartenstraße, Berliner Ring, Eugen-Adolff-Straße: Die Liste der betroffenen Straßen ist lang. Und sie wächst. Die Erfahrungen mit Tempo 40 seien positiv, betont die Stadt – weswegen das Limit sogar auf weitere Abschnitte ausgeweitet werden könnte. Wo das allein nicht reicht, sollen Schallschutzfenster helfen – vorgesehen im Haushaltsplan 2025.