Maßnahmen wegen Coronavirus Abstand zur Außenwelt angeordnet

Von Ingrid Sachsenmaier 

In den Fellbacher Seniorenheimen sind zum Schutz der Bewohner Besuche verboten. Die Awo reagiert auf die Virus-Krise, indem sie Essen in Isoboxen vor die Wohnungstür stellt. Mobile Pflegedienste bringen ebenfalls Einkäufe.

Inzwischen dürfen Bewohner das Haus am  Kappelberg nicht mehr verlassen. Foto: Ingrid Sachsenmaier
Inzwischen dürfen Bewohner das Haus am Kappelberg nicht mehr verlassen. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Fellbach - Die Türen sind für Besucher zu. Nur in Ausnahmefällen dürfen Angehörige oder Bekannte derzeit zu den Bewohnern der Fellbacher Seniorenheime. „Wenn beispielsweise jemand im Sterben liegen würde“, erklärt Milanka Rohr, die seit Januar das Haus am Kappelberg leitet. Seit Montag ist es den 98 Bewohnern des Pflegeheims und den elf Patienten in der Kurzzeitpflege darüber hinaus untersagt, das Haus zu verlassen.

Nur Ärzte und medizinisches Personal etwa zur Blutabnahme dürfen rein

„Wir haben große Balkone, da können die Leute an die frische Luft“, sagt Rohr und erklärt, dass Angehörige, die ihren Lieben eine kleine Aufmerksamkeit bringen wollen, klingeln müssen. Die Dinge werden dann von Mitarbeitern an die entsprechende Person übergeben.

Im Philipp-Paulus-Heim in Fellbach hat Hansjörg Knauß zwar einen Besuchs-, aber keinen Ausgehstopp verfügt und die Angehörigen in einem Infobrief davon unterrichtet. „Die 61 Heimbewohner, alle in Einzelzimmern, zeigen großes Verständnis“, so der Heimleiter. Nur Ärzte und medizinisches Personal etwa zur Blutabnahme dürfen rein, sagt er. Aber es gibt Ausnahmen: „Diese Woche ist ein Mann aus dem Krankenhaus zurückgekommen, da haben wir natürlich ermöglicht, dass seine Frau zu ihm konnte.“

Auch Andreas Martin verfährt im Seniorenzentrum in Schmiden so – 74 Bewohner sind dort untergebracht, Ehepaare leben in Doppelzimmern. „Wir gehen besonnen mit der Corona-Krise um“, sagt er. „Unsere Bewohner sind gesund, gehören aber zur Risikogruppe, deshalb wollen wir nicht, dass von außen Personen zu uns stoßen.“ Durch den großen Garten sei gewährleistet, dass die Menschen raus können „und dann ihren Angehörigen über den Zaun zuwinken“.

Heimkoller sei dennoch nirgendwo ein Thema

Ohne Besuchsverkehr sei es viel ruhiger im Gebäude, sagt Martin und erzählt, dass diese Zeit von den Mitarbeitern auch als Chance genutzt werde für spezielle Angebote auf den Stockwerken. „Wir achten dabei jedoch darauf, dass es zur keiner Vermischung unter den Wohnbereichen kommt.“ Ehrenamtliche, die beispielsweise zum Zeitungsvorlesen oder auch zum gemeinsamen Singen regelmäßig in die genannten Einrichtungen gekommen sind, dürfen momentan auch nicht rein. Heimkoller sei dennoch nirgendwo ein Thema, heißt es. Wer etwas von draußen möchte, könne seine Wünsche auf Einkaufslisten eintragen und werde frei Haus „beliefert“.

So macht das auch die Awo, die bei „Essen auf Rädern“ eine leichte Zunahme verzeichnet. Einige Leute würden von der Awo-Einkaufshilfe jetzt auf diesen Service umsteigen. „Unser Essenszulieferer Apetito hat mir heute erneut versichert, dass die Versorgung gewährleistet ist“, sagt Awo-Geschäftsführer Bernd Waizel. Rund 160 Essen stellen seine Mitarbeiter derzeit den Abonnenten jeden Tag vor die Tür. „Wir gehen nicht mehr wie früher zu den Leuten in die Wohnung, wir wollen bewusst den Kontakt vermeiden – als Vorsichtsmaßnahme sowohl für die Senioren als auch für unser Personal“, sagt Waizel.

Man versuche Kontakte zu vermeiden

„Wir tun unser Bestes“, sagt Stefan Tepfenhart von der Katholischen Sozialstation St. Vinzenz in Fellbach. In allen Stadtteilen sind seine Mitarbeiter täglich vor Ort, um Menschen im häuslichen Umfeld zu versorgen. „Wir halten uns dabei strikt an die vorgegebenen Richtlinien.“

Rund 350 Menschen versorgt das Pflegeteam vom Evangelischen Verein Fellbach jeden Tag. „Wir achten darauf, dass unser Personal in der Verwaltung, aber auch die Leute vor Ort, gut und umfangreich geschützt sind“, betont Vorstand Uwe Grau. Man versuche Kontakte zu vermeiden, wo sie nicht unbedingt notwendig seien. „Die Qualitätsprüfung von Pflegestufen haben wir beispielsweise ausgesetzt“, sagt er. Bei fünf Patienten mit grippalen Infekten habe man vergangene Woche vorsorglich die Hausbesuche eingestellt. Uwe Grau ist sich jetzt schon sicher ist, dass die Corona-Krise zu „Umsatzeinbußen für den Evangelischen Verein führen wird“.




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