Auf dem 55 Hektar großen Areal des Neckarparks kommt in Stuttgart viel zusammen: Volks- und Frühlingsfest auf dem Wasen, Mercedes-Benz-Museum, VfB Stuttgart sowie zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte locken Jahr für Jahr ein Millionenpublikum an. Und auf dem Gebiet des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht eines der größten Neubauvorhaben in der Landeshauptstadt. Doch wird das Gebiet, das über eine enorme Magnetwirkung und Strahlkraft verfügt, seiner Einzigartigkeit gerecht? „Nein, das Gebiet ist ein zum Teil dichtes Nebeneinander, in dem noch sehr viel mehr Potenzial steckt“, betonte Corinna Althanns, beim Stadtplanungsamt für den Bereich Neckar verantwortlich. Sie hat zusammen mit ihrem Kollegen Maik Bußkamp erneut dem Bezirksbeirat Bad Cannstatt das Strukturkonzept für die Sport- und Veranstaltungsflächen Neckarpark vorgestellt.
Ein teilweise visionär anmutender Masterplan, der selbst Zukunftsthemen wie Stadt am Fluss oder die brach liegenden Gelände auf der anderen Neckarseite in Stuttgart-Ost berücksichtigt. Auch die Aufsiedlung des ehemaligen Güterbahnhof-Areals spiele eine Rolle, betonte die Stadtplanerin. Denn von 2028 an sollen dort bis zu 5000 Menschen wohnen oder arbeiten, die ihre Freizeitaktivitäten auch in den Neckarpark verlegen wollen.
Mehr als nur eine Absichtserklärung
„Ein Grundproblem des Neckarparks ist sicher, dass er zwar über große Freiflächen verfügt, die aber einen extrem hohen Versiegelungsgrad ausweisen“, betonte Stadtplaner Maik Bußkamp. Der liege zwischen 70 und 90 Prozent, was sich natürlich negativ auf Klima, Ökologie und dadurch auf die Aufenthaltsqualität auswirke. Hauptgrund für sie Versiegelung sei ebenerdige Parken. Hier verfüge der Neckarpark über insgesamt 6211 Stellplätze, die eine Fläche von rund 20 Fußballfeldern in Anspruch nehmen. In den flächensparenden Parkhäusern in dem Gebiet seien es dagegen nur 4820 Stellplätze. „Wir müssen mit dem großen Flächenpotenzial anders umgehen, Verkehrsflächen reduzieren, effizienter belegen und Parkplätze stapeln“, so Maik Bußkamp.
Radfahrer üben Kritik
Doch ein gewollt autoarmer Neckarpark benötigt adäquate Alternativen. Die Nahverkehrsanbindung durch eine verlängerte Trasse der U 19, die nach der Fußball-EM 2024 angegangen werden soll, steht auf der Habenseite. Fußgänger und Radfahrer verteilen hingegen schlechte Noten. Die Rad- und Fußwege innerhalb des Neckarparks sind ebenfalls nur mangelhaft beschildert – wenn überhaupt – und wirr. Zudem sucht man große, gesicherte Fahrradabstellplätze vergebens. Ein Negativbeispiel ist die Anbindung über den Neckardammradweg, die nur mit Absteigen, Schieben oder gar Fahrradtragen durch finstere Röhren verbunden ist.
Großprojekte in der Umsetzung
Ein Blick auf die Großprojekte, die bereits aktuell oder in absehbarer Zeit im Neckarpark umgesetzt werden, zeigt, wie stark sich das Areal verändern wird. Während der Umbau der Mercedes-Benz-Arena für fast 100 Millionen Euro bereits in vollem Gange ist, wird demnächst der von der Stuttgarter Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart vehement geforderte Abriss und Neubau der Hanns-Martin-Schleyer-Halle im Gemeinderat heftige Debatten entfachen. Und in unmittelbarer Nachbarschaft direkt an der Benzstraße beginnt bereits ab August 2023 der Bau des 36 Millionen Euro teuren neuen Sportzentrums mit insgesamt drei Hallen.
Auch der VfB Stuttgart hat – trotz erneuter Abstiegssorgen und Existenzängsten – große Pläne. Vergleiche mit anderen Bundesliga-Clubs haben gezeigt, dass die „Roten“ mit deutlich weniger Plätzen klarkommen müssen als die Konkurrenz. Doch nicht nur die Trainingsmöglichkeiten und -kapazitäten unter freiem Himmel sind unter dem Ligadurchschnitt, der VfB hat auch keinen Indoor-Trainingsplatz. „Das komplette Clubgelände soll umstrukturiert und modernisiert werden“, sagte Corinna Althanns, die sich dabei auf eine Machbarkeitsstudie stützt, die die VfB-Verantwortlichen 2019 in Auftrag gegeben hatten. Das Ergebnis: Der VfB Stuttgart will ein zeitgemäßes und nachhaltiges Clubgelände.
Stadt will Gespräch mit Daimler suchen
Die Flächen südlich der Mercedesstraße stehen ebenfalls auf der Agenda der Verwaltung. Die Vereinssportanlage des Stuttgarter Sportclubs muss modernisiert und das Stadion Festwiese ausgebaut werden. „Insgesamt soll die Erschließung des Gebiets verbessert werden“, so Stadtplanerin Althanns. Welche Rolle die einstigen Flächen des VfL Stuttgart spielen, muss noch geklärt werden. Diese hatte die Daimler AG im Jahr 2009 erworben, allerdings nie für eine Standorterweiterung mit Bebauung genutzt. Ob dort Teile der Flächen wieder zurückgekauft werden können, muss ebenfalls geprüft werden.
Mehr Aufenthaltsqualität
„Generell will die Stadt die Aufenthaltsqualität steigern, die vorhandenen Flächen und Einrichtungen besser verknüpfen und an den Neckar anbinden und so den Neckarpark attraktiver für eine größere Stadtöffentlichkeit gestalten“, sagte Corinna Althanns. Dafür gelte es, die vielen Beteiligten wie etwa Daimler, SSB und die verschiedenen Ämter unter einen Hut zu bekommen. Anspruchsvoll wird der Masterplan, mit dem sich Verwaltung, Politik aber auch die Bürger in den kommenden Jahren beschäftigen werden, auch beim Thema „integrierte Energieproduktion“. Stichwort Photovoltaik, die künftig im Neckarpark nicht nur auf Dächern, sondern auch auf Freiflächen sowie Straßen und Wegen errichtet werden soll.
Überblick über die Infrastruktur
Stadien
Die heutige Mercedes-Benz-Arena wurde von 2009 bis 2011 in ein reines Fußballstadion umgebaut. Dort finden 60 500 Zuschauer Platz. Zudem gibt es noch das Robert-Schlienz-Stadion neben dem VfB-Clubhaus, das Stadion Festwiese sowie das Reitstadion.
Hallen
Die größte ist die Hanns-Martin-Schleyer-Halle, die 1983 erbaut wurde und
Vereine
Neben dem VfB Stuttgart sind im Neckarpark auch noch der PSV Stuttgart, auf einem gemeinsamen Gelände der VfL Stuttgart und der ESV Rot-Weiss Stuttgart, der Stuttgarter Sportclub sowie die Kanugesellschaft Stuttgart beheimatet.
Carl-Benz-Center
Es wurde 2006 als Veranstaltungszentrum eingeweiht. Es besteht
SpOrt Stuttgart
Geballte Sportkompetenz vereinigt unter einem Dach. Neben zahlreichen Sportorganisationen und- fachverbänden sind hier auch etliche Olympiastützpunkte (unter anderem Radfahren, Beachvolleyball, Geräteturnen, Sportgymnastik und Judo) angesiedelt.
Mercedes-Benz-Museum
Seit 2006 Pilgerstätte für Autofans mit jährlich bis zu einer Million Besucher.
Was es sonst noch gibt
Natürlich das Wasen-Areal, auf dem neben dem Volks- und