Der Flughafen Stuttgart will die von ihm direkt verursachten Treibhausgas-Emissionen bis 2040 auf Null reduzieren. Dafür hat er einen „Masterplan Energie und Klima 2040“ vorgelegt, der den beiden Gesellschaftern Land (65 Prozent) und Stadt Stuttgart (35 Prozent) bis zum Zieljahr finanzielle Kraftakte abverlangt. Bis zu 650 Millionen Euro sollen sie nach dem Wunsch der Geschäftsführung zu den Kosten von 2,4 Milliarden Euro beisteuern. Es handelt sich allerdings nur um eine „Kostenschätzung auf Hypothesenbasis“. Vom Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen des Gemeinderats wurde hinter verschlossenen Türen dennoch bereits verlangt, die Verwaltung zu ermächtigen, eine „Zukunftsvereinbarung“ abzuschließen.
Keiner kennt den tatsächlichen Bedarf
Der zuständige Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) sieht aber ein Problem darin, eine verbindliche Finanzierung zuzusagen, „ohne den tatsächlichen Bedarf zu kennen“; auch die Rahmenbedingungen seien „völlig unklar“. Dem Linksbündnis, der SPD und Puls geht es nicht anders: sie forderten deshalb im Ausschuss Details dieses Masterplans, etwa eine Darstellung der drei Varianten, die zur Auswahl gestanden hatten. Diese soll man ihnen mit Verweis auf die Vertraulichkeit von Aufsichtsratsbeschlüssen verwehrt haben. Nur Grüne und CDU haben einen Sitz im Kontrollgremium. Auch eine Vertagung, um sich informieren zu können, wurde abgelehnt. Dass der Flughafen seine Zero-Strategie auf seiner Internetseite grob erklärt, sei nicht ausreichend, sagen die Kritiker: „Wir beschließen doch nicht, 240 Millionen Euro auf Basis von Werbebotschaften auszugeben“ – wobei zweifelhaft sei, dass dieser Betrag ausreiche.
Abfertigungsgebäude sollen saniert werden
Im Wesentlichen sollen mit dem Geld die Terminals energetisch saniert werden. Das Einsparungsziel erscheint ambitioniert, allerdings ist die Flughafengesellschaft (FSG) mit ihrer Arbeit am Boden und ihrer Infrastruktur nur für rund fünf Prozent des Schadstoffausstoßes verantwortlich; und wiederum mehr als ein Drittel davon stammt vom Abreiseverkehr der Fluggäste und Mitarbeiter. Der große Rest wird durch Starts und Landungen verursacht (im Bereich zwischen Boden und 914 Meter Höhe).
Die Klimabilanzen der Airlines habe man „im Blick“, heißt es. Die FSG unterstütze den Luftverkehr bei der Transformation zum CO2-neutralen Fliegen. „Gemeinsam mit der Wissenschaft, Flugzeugherstellenden und Airlines“ bringe der Flughafen „den technologischen Fortschritt voran“. Anhand der Gebührenstaffelung würden die Rahmenbedingungen für den Einsatz von nachhaltig produziertem Kerosin und elektrischen Flugzeugen geschaffen. Fluggäste würden aufgefordert, die Emissionen ihres Fluges durch Geldzahlungen zu kompensieren.
Flughafengesellschaft strengt sich an
Durch den Zukauf erneuerbarer Energie sowie saubere Erzeugung werde eine „grüne Energieversorgung“ angestrebt. Der Verbrauch werde systematisch reduziert. Am eigenen Standort und darüber hinaus bevorzuge die FSG Energie aus erneuerbaren Quellen. Man baue Fotovoltaikanlagen auf allen geeigneten Flächen aus. Bei der Wärmeversorgung neuer Gebäude werde auf fossile Brennstoffe verzichtet, die Umstellung auf eine nachhaltige Wärmeerzeugung werde konsequent verfolgt. Auch den Ausbau weiterer Verkehrsträger wie den öffentlichen Nah- und Fernverkehr auf der Schiene und der Straße „fördern wir aktiv“. Dazu zählt die direkte Beteiligung an Stuttgart 21; in dem vor der Pandemie diskutierten Zukunftsplan STR Terminalentwicklung 4.0 wurden aber auch 2600 zusätzliche Parkplätze erwähnt.
Zwischen 70 und 75 Prozent der Investitionen glaubt die FSG, mit Eigen- und Fremdkapital stemmen zu können. Das Land solle 450 Millionen Euro tragen, die Stadt 240 Millionen, die sich allerdings über einen Zeitraum von 2026 bis 2039 verteilen würden. Nun soll intensiv geplant werden, um die Schätzungen zu verifizieren. Der Aufsichtsrat hat aber beschlossen, keine Planungsmittel freizugeben, bevor die Gesellschafter dem Projekt und seiner Finanzierung zugestimmt hätten.
Stadt will sich nicht verpflichtet fühlen
Das Land sei deshalb mittlerweile bereit, die Zukunftsvereinbarung abzuschließen und die notwendigen Mittel in ihren Haushalten zu beantragen. Bürgermeister Fuhrmann schlussfolgert, dass sich das Land damit festgelegt habe. Er hält es dagegen für nicht möglich, dass sich die Stadt in Anbetracht ihrer vielen Großprojekte grundsätzlich zur Finanzierung des Flughafen-Projekts „verpflichtet“. Er hat deshalb vorgeschlagen, erst dann eine Zusage zu geben, wenn die Planung hinreichend konkret ist. Weil man den Prozess aber nicht blockieren wolle, sei man zu einer „Absichtserklärung“ bereit. Ob es Geld gebe, müsse dann aber der Gemeinderat entscheiden, abhängig von der Haushaltslage.