Masters of Dirt in der Schleyer-Halle Jede Menge Action in luftiger Höhe
„Die verrückteste Action Sport Show der Welt“ hat am Sonntag Halt in Stuttgart gemacht – und Tausende Fans begeistert.
„Die verrückteste Action Sport Show der Welt“ hat am Sonntag Halt in Stuttgart gemacht – und Tausende Fans begeistert.
Samy Louis Fernbach ist gerade mal 14 Jahre alt und fliegt mit seinem Mountainbike bis kurz unter das Dach der Schleyer-Halle, als wäre es das Einfachste der Welt. Das ist es für ihn wahrscheinlich auch, denn er ist der jüngste Österreicher, der je einen Double Backflip, also einen doppelten Rückwärtssalto, auf einem Mountainbike geschafft hat. Auch bei der Masters of Dirt Show in der Stuttgarter Schleyer-Halle ist er der jüngste Teilnehmer.
Diese ist am Sonntagnachmittag gut gefüllt, trotz strahlendem Sonnenschein und Frühlingsfest. Etwa 8 000 Menschen sehen sich hier die rund zweistündigen Shows an, in denen Tricks auf so ziemlich allem, was Räder hat, in bis zu 13 Meter Höhe gezeigt werden. Noch größere Höhen lässt das Dach der Schleyer-Halle nicht zu.
BMX-Räder, Mountainbikes, Inline Skates – die Wahl des fahrbaren Untersatzes der Sportler ist vielfältig. Sie eint, dass sie zu den besten in ihrer Sportart gehören und oft schon seit vielen Jahren mit dabei sind. Was an diesem Sonntag in Stuttgart geboten wird, ist durchaus als Leistungssport zu verstehen.
Mit viel Schwung katapultieren sich die Fahrer mithilfe hoher Rampen in luftige Höhen, um dann wahlweise Saltos zu vollbringen oder mit den Füßen auf dem Lenkrad zu stehen. Das alles sieht dabei so locker aus, als würde sie in diesem Moment nicht rund ein Duzend Meter vom Hallenboden trennen.
Mehrmals wird über die Hallenlautsprecher gebeten, die Tricks nicht zu Hause nachzumachen. Die Veranstalter verstehen, wie so ein Spektakel am besten inszeniert wird. Es kommt reichlich Pyrotechnik zum Einsatz während der Show, Feuersäulen erhöhen die Temperatur in der Halle, ein DJ heizt zusätzlich ein.
Die Sportler kommen aus der ganzen Welt. Der Italiener Massimo Bianconcini ist mit seinen 45 Jahren der Älteste im Feld und ist fast jedes Jahr bei der Masters of Dirt Tour mit dabei. „Es ist mehr als ein Vollzeitjob, da wir meist von Donnerstag bis Montag unterwegs sind und uns an den restlichen Tagen um unsere Räder kümmern“, sagt der Freestyler. Müde wirkt er kein bisschen, im Gegenteil. Er hat eine Kamera vor den Lenker seines Rads geklemmt, um sich bei seinen Tricks zu filmen. „Das läuft auch super in den sozialen Netzwerken.“
Vor allem Familien sind mit ihren Kindern gekommen, um sich die spektakuläre Show anzusehen. Die Tour führt die Sportler in fünf Länder, insgesamt gibt es mehr als 30 Shows. Im Sommer soll es dann sogar nach Südamerika gehen. Besonders groß ist der Hype in Österreich, wo Masters of Dirt vor mehr als 20 Jahren von Georg Fechter ins Leben gerufen wurde.
„In Österreich tätowieren wir den Besuchern im Foyer unserer Veranstaltungen unser Logo“, beschreibt der 37-Jährige die Begeisterung für Masters of Dirt in seinem Heimatland. Und auch wenn das Format in Deutschland noch nicht ganz so bekannt ist, sind die Zuschauerinnen und Zuschauer euphorisch. Als die Sportler auf ihren Motorrädern Rückwärtssaltos schlagen und sich währenddessen nur mit den Händen am Bike festhalten, ist der Applaus in der Halle fast ohrenbetäubend.
Auffällig dabei ist, dass sowohl das Publikum, als auch die Sportler mehrheitlich männlich sind. Gemma Corbera ist eine der wenigen Frauen, die bei Masters of Dirt mitmachen. Das stört die Spanierin jedoch kaum: „Wir sind hier wie eine große Familie.“ Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man sich im Fahrerlager umsieht. Die Sportler unterhalten sich miteinander, witzeln herum, die Stimmung ist gelöst. Dazu passt, dass es sich bei Masters of Dirt nicht um einen Wettbewerb handelt. Die Sportler treten nicht gegeneinander an, die Teilnehmenden zeigen schlicht, was sie können.
Ohne viel Übung geht da nichts. Samy Louis Fernbach geht wegen seines jungen Alters noch zur Schule und versucht, seine Bildung und seine Leidenschaft fürs Mountainbiken zu vereinen: „Normalerweise gehe ich immer nach der Schule trainieren.“ Der Österreicher saß mit drei Jahren zum ersten Mal auf einem Fahrrad und ist seitdem kaum mehr davon wegzubekommen. „Einen neuen Trick zu lernen, ist das beste Gefühl der Welt“, sagt er und strahlt. Beim letzten Showdown fällt er am Ende eines Tricks vom Rad und landet auf der Matte. Er steht sofort wieder auf, wird aber zur Sicherheit durchgecheckt. Auch das gehört zu dieser Sportart dazu. Dieser kleine Misserfolg macht die Stunts allerdings nicht weniger beeindruckend, sondern eher mehr. Es verdeutlicht, wie anspruchsvoll das ist, was an diesem Tag in der Schleyer-Halle geboten wird.