Matthias Warnig wird 70 Putins deutscher Freund will nur noch Privatmann sein
Der einstige Nord-Stream-Chef Matthias Warnig mit Wohnsitz nahe Freiburg wird 70. Die Öffentlichkeit versucht er zu meiden – aber das gelingt nicht immer.
Der einstige Nord-Stream-Chef Matthias Warnig mit Wohnsitz nahe Freiburg wird 70. Die Öffentlichkeit versucht er zu meiden – aber das gelingt nicht immer.
Ins Licht der Öffentlichkeit hat es Matthias Warnig (69) noch nie gezogen. Schon zu DDR-Zeiten, als Agent der Staatssicherheit, agierte er lieber im Halbdunkeln: Für den Arbeiter- und Bauernstaat kundschaftete er diskret die Wirtschaft in Westdeutschland aus. Auch nach der Wende und seinem nahtlosen Wechsel in die Dienste des Kapitalismus blieb er sich treu: Ob als Vertreter der Dresdner Bank in Petersburg oder später als Chef der beiden zu Gazprom gehörenden Nord-Stream-Gesellschaften – Warnig wirkte lieber hinter den Kulissen. Die Bühne überließ er anderen, bei der Pipelinefirma etwa seinem Verwaltungsratschef, Altkanzler Gerhard Schröder.
Nur einmal geriet Warnig jäh ins Rampenlicht: im Februar 2022 nach Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine. Plötzlich interessierte sich alle Welt für den engsten deutschen Freund des russischen Präsidenten, der seit vielen Jahren in Staufen bei Freiburg lebt. Kennen und schätzen gelernt hatten sich die beiden Ex-Geheimdienstler einst in Petersburg, wo der Deutsche dem Russen in schwieriger privater Situation beistand. Die Verbindung blieb bestehen, im Jahr 2013 kam es sogar zu einem diskreten Kurzbesuch Putins in Warnigs Staufener Villa.
Mit Beginn des Ukraine-Kriegs wurde es für den Nord-Stream-Chef – als einziger Deutscher mit US-Sanktionen belegt – auch in seinem Heimatstädtchen ungemütlich. Der Bürgermeister gab eine 5000-Euro-Spende für die örtlichen Musiktage pikiert zurück und forderte Warnig auf, seinen Einfluss auf Putin geltend zu machen. Der reagierte mit einer gewundenen Distanzierung, in der von einem „unbeschreiblichen Irrtum“ die Rede war. Fortan sah er sich scharfer Kritik bis hin zu offenen Anfeindungen ausgesetzt.
Nach dem Aus für die zweite Pipeline stemmte sich die Nord-Stream-Gesellschaft mit Sitz im schweizerischen Zug gegen den Konkurs. Warnig wurde zum Abwickler, im Frühjahr 2023 trat er als Geschäftsführer ab. Nun sei er nur noch Rentner, betonte er seither – also für die Öffentlichkeit vollends uninteressant. Journalisten mied er weiterhin. Nur ein Reporter der „Zeit“ durfte ihn für einige Monate begleiten, auch zu seinem Domizil auf Gran Canaria; doch das Ergebnis war nicht gerade schmeichelhaft.
Im Januar 2025 hatte Warnig dann doch noch einen öffentlichen Auftritt, vor dem Untersuchungsausschuss des Schweriner Landtags. Als Zeuge sollte er schildern, wie es zu der dubiosen Klimaschutz-Stiftung gekommen war, mit der US-Sanktionen gegen den Weiterbau der zweiten Pipeline ausgehebelt wurden. Die Idee dafür habe Nord Stream gehabt, sagte er aus, der erste Gedanke sei wohl aus der Rechtsabteilung gekommen. Prompt attackierte die Opposition die Landesregierung von Manuela Schwesig (SPD), die das bisher anders dargestellt habe. Zuletzt fiel Warnigs Name, als im März in internationalen Medien über eine angebliche Reaktivierung von Nord Stream durch US-Investoren berichtet wurde. Damit habe er nichts zu tun, versicherte er entschieden; Berichte über seine Rolle als Strippenzieher seien ihm unerklärlich.
An diesem Samstag feiert Warnig nun seinen 70. Geburtstag. Wo und wie, darüber gebe es keine Auskunft, verlautet aus seinem Umfeld, das sei Privatsache. Gleichwohl wird in Südbaden über den Ort – angeblich in der Schweiz – und die möglichen Gäste spekuliert. Gerhard Schröder, heißt es, dürfte kaum dabei sein. Seit Monaten ringt der Altkanzler mit dem U-Ausschuss um seine Zeugenaussage; bisher fühlte er sich nicht fit genug für den Auftritt. Bedeckt hält sich auch der einstige russische Honorarkonsul Klaus Mangold mit Landsitz im Nachbarort Münstertal, der Warnig einst nach Staufen gelotst hatte. Zu privaten Einladungen, „ob tatsächlich ausgesprochen oder auch nicht“, sage man nichts. Nur aus dem Rathaus kommt eine klare Ansage: Von dem Termin sei nichts bekannt.