Maultaschenhersteller Bürger wappnet sich für Gasknappheit
Wie der schwäbische Maultaschenhersteller Bürger aus Ditzingen Vorsorge trifft, um auch bei einem möglichen Ausfall von Gas die Produktion aufrechterhalten zu können.
Wie der schwäbische Maultaschenhersteller Bürger aus Ditzingen Vorsorge trifft, um auch bei einem möglichen Ausfall von Gas die Produktion aufrechterhalten zu können.
Die reduzierten Gaslieferungen aus Russland treiben viele Unternehmen um – nicht erst seit Deutschland die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat. Beispiel Bürger: Der Maultaschenhersteller mit Stammsitz in Ditzingen und einem Werk in Crailsheim hat sich für den Notfall gerüstet, denn ohne Gas würden unweigerlich die Bänder stillstehen.
„Ich habe einfach Angst, wenn wir jetzt ohne Gas dastehen würden. Dann stehen bei uns die Bänder still“, sagt Martin Bihlmaier. Sollte es tatsächlich zu einem Gaslieferstopp kommen, hofft der Bürger-Geschäftsführer, dass die Politik zu ihrer Zusage steht, dass systemrelevante Branchen weiterhin mit Gas versorgt werden. „Wir als Lebensmittelproduzent sind darauf angewiesen.“
Gas ist für die Produktion vieler Lebensmittel wichtig und wird unter anderem zum Trocknen, Kochen oder Garen benötigt.
Im Werk Crailsheim, wo Bürger mit rund 850 Beschäftigten täglich rund 2,5 Millionen Maultaschen produziert, ist Gas für den Betrieb des Dampferzeugers nötig, den die Maultaschen am Ende der Produktion durchlaufen – bei mehr als 90 Grad. „Wir sind vom Gas abhängig durch unsere Kochprozesse mit Heißdampf“, sagt Firmenchef Martin Bihlmaier.
Allein in Crailsheim stellt Bürger täglich 350 bis 400 Tonnen Fertigprodukte her – unter anderem auch Spätzle, Schupfnudeln und Gnocchi. Deshalb hat Bihlmaier mittlerweile Notfallpläne erarbeitet, welche Produktionslinien bei geringerem Gasangebot als erste abgeschaltet werden können. Der 48-Jährige hofft jedoch, dass es dazu nicht kommen wird und hat auch anderweitig vorgesorgt: Für einen sechsstelligen Betrag kaufte Bürger einen Umbausatz für den Schnelldampferzeuger, den er zur Not dann auch mit Öl betreiben könnte, so dass die Produktion auch mit weniger Gas weiterlaufen könnte.
Doch Produktionssicherheit ist für Bürger-Chef Bihlmaier nicht die einzige Herausforderung. Steigende Kosten – egal ob Energie, Löhne, Transportkosten oder Rohstoffe – treiben ihn heftig um. Deshalb führt er derzeit auch intensive Gespräche mit dem Handel. „Wir müssen die Preise anheben, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können“, sagt Bihlmaier. „Alle Rohstoffe, wirklich alle, steigen extrem im Preis. So eine Situation hatten wir noch nie in der Firmengeschichte.“ Deshalb gehe es darum, dieses Jahr mit einem blauen Auge davonzukommen. „Es ist ein Wechselbad der Gefühle“, macht Bihlmaier deutlich.
Rund zwei Drittel des Umsatzes von gut 216 Millionen Euro im machte Bürger im vergangenen Jahr mit Discountern, Supermärkten und dem Lebensmitteleinzelhandel, ein Drittel mit Großverbrauchern wie Gastronomie, Mensen, Kantinen, Heimen und Heimdiensten. Besonders gefragt seien vegane Produkte, Schupfnudeln und Gnocchi, aber auch Maultaschen. Insgesamt produzierte das Familienunternehmen, das mehr als 1000 Beschäftigte hat 88 662 Tonnen Lebensmittel im vergangenen Jahr.