Mauserstraße in Stuttgart-Feuerbach Moschee-Verein wartet auf Baugenehmigung

Von Torsten Ströbele 

Der Neubau der Ditib-Gemeinde an der Mauserstraße in Stuttgart-Feuerbach soll im Jahr 2022 eingeweiht werden. Wenn alles nach Plan laufen würde.

Das neue Gemeindezentrum wird  aus finanziellen Gründen wesentlich kleiner als ursprünglich geplant. Foto: SL Rasch GmbH 3 Bilder
Das neue Gemeindezentrum wird aus finanziellen Gründen wesentlich kleiner als ursprünglich geplant. Foto: SL Rasch GmbH

Stuttgart-Feuerbach - Wenn alles nach Plan läuft, soll das neue Gemeindezentrum samt Moschee Anfang 2022 an der Mauserstraße eingeweiht werden. Der Verein Ditib türkisch-islamische Gemeinde zu Stuttgart hat kurz vor Weihnachten das Baugesuch bei der Stadt Stuttgart eingereicht. „Im Januar haben wir eine Rückmeldung erhalten“, sagt Jürgen Bradatsch, der sogenannte Head of Design und Engineering des Architekturbüros SL Rasch. „Es wurden keine wesentlichen Punkte kritisiert.“ Lediglich eine klarere Zuordnung der Stellplätze sei noch gewünscht. „Das werden wir schnell nachreichen“, betont Bradatsch. Mit dem Abriss des Gemeindezentrums soll dann Mitte des Jahres begonnen werden, „wenn wir bis dahin die Baugenehmigung in den Händen halten, was wir natürlich stark hoffen“. Zweieinhalb Jahre später soll der Neubau dann eingeweiht werden.

Wo die Freitagsgebete für die rund 600 bis 700 Besucher während der Bauzeit stattfinden werden, ist noch nicht ganz klar. „Es wird auf jeden Fall in der Nähe sein“, erklärt Ditib-Vorstandsmitglied Murat Kilbas. „Wir sind in Gesprächen mit Eigentümern aus der Nachbarschaft und haben auch schon einige Angebote, die wir gerade prüfen.“

Hinter verschlossenen Türen soll nichts stattfinden

Der Abriss der Gebäude an der Mauserstraße ist für die Ditib-Gemeinde ein Muss. „Sie sind aus den 1930er Jahren“, sagt der Vereinsvorsitzende Ismail Cakir. Die Barrierefreiheit sei nicht gegeben, einen Aufzug vermisse man. „Zudem fehlen uns in erheblichem Maße Seminar- und Kulturräume“, ergänzt Vorstandskollegin Nuran Yilmaz. Die Jugendlichen, die regelmäßig in der Gemeinde zu Gast seien, bräuchten eine Bühne, um Theater zu spielen. Integrations- und Deutschkurse sollen in dem neuen Gemeindezentrum stattfinden. „Es gibt viele Frauen, die sich hier engagieren. Aber sie sprechen noch nicht so gut deutsch. Das soll sich ändern“, sagt Murat Kilbas. Es gebe leider auch noch einige türkischstämmige Frauen und Männer der ersten Generation, die Analphabeten seien. Auch diesen Menschen wolle man helfen. Die Vorstandsmitglieder betonen dabei aber immer wieder, dass sie weiterhin für Offenheit und Transparenz stehen wollen. Hinter verschlossenen Türen soll nichts stattfinden. „Wir wollen ein Kulturzen­trum für die Kulturstadt Stuttgart sein und nicht nur für die türkische Gemeinde“, sagt Murat Kilbas. Deswegen beteilige man sich auch in diesem Jahr wieder an der Langen Nacht der Museen in Stuttgart und an der Feuerbacher Kulturnacht. „Jeder kann auch an diesen Terminen kommen, sich unsere Räume anschauen und Fragen stellen“, sagt Kilbas.

Einen Muezzin wird es nicht geben

Zudem sollen regelmäßig Türkisch-Kochkurse, Nachhilfeunterricht für sozial-schwächere Kinder und Jugendliche, Pekip-Kurse und Sprachunterricht für Flüchtlinge stattfinden. Dabei spiele die Nationalität und die Religion der Menschen überhaupt keine Rolle. „Es wird in unserem neuen Gemeindezentrum auch wieder eine Bücherei geben. Bisher war dort überwiegend türkische Literatur zu finden. Künftig soll mindestens die Hälfte der Bücher auf Deutsch sein“, betont Nuran Yilmaz. Der Ditib-Vorstand möchte Vorurteile abbauen und zeigen, dass der Verein an einem gemeinsamen Miteinander interessiert ist. Beim Neubau liegt die Priorität deshalb eindeutig auf den Gemeinschaftsräumen. Der Gebetsraum wird zum Beispiel etwa um 200 Quadratmeter verkleinert. Dafür bekommen die Frauen eine eigene Empore. Auf diesem neuen Stockwerk wird unter anderem auch Kinderbetreuung angeboten.

Der Verein plant zudem, ein freistehendes Minarett bauen zu lassen. 27,5 Meter hoch darf es sein. Einen Muezzin, den sogenannten Gebetsrufer, werde es allerdings nicht geben, betont Yilmaz. „Wir dürften das eigentlich, verzichten aber darauf“ – aus Rücksicht auf die Nachbarschaft.

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