Traditionshaus in Stuttgart schließt Maute-Benger-Inhaberin kritisiert Land für Mietpolitik

Kritik am Land als Vermieter von Handelsflächen: Marjoke Breuning. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Maute-Benger-Inhaberin und IHK-Präsidentin Marjoke Breuning beklagt in einem Brief die Mietpolitik des Landes. Doch eine Sprecherin des Ministeriums kontert die Vorwürfe. Worum geht es?

Es war nicht anders zu erwarten: Das Ende des Stuttgarter Traditionsgeschäftes Maute Benger in der Königstraße zum Sommer 2023 löst heftige Reaktionen aus. „Mir blutet das Herz“, sagt etwa Rainer Bartle, der Geschäftsführer des Buchhauses Wittwer/Thalia, und ergänzt: „In dieser Geschichte spiegeln sich alle Probleme wider, die wir in der Innenstadt als Händler haben.“

 

Damit meint er natürlich auch die sattsam bekannten Themen: Die über 2000 Demonstrationen in der City, die zu Umsatzeinbußen führten, die aus seiner Sicht schwere Erreichbarkeit der Innenstadt, die Sicherheitsproblematik und das daraus resultierende Negativ-Image der Landeshauptstadt. Sehr „heftig aufgestoßen“ ist dem Buchhändler jedoch die Mietsituation von Maute Benger. Der Vermieter des Wäsche- und Miederwarengeschäft, das 2019 sein 175-jährige Bestehen feierte, ist das Land Baden-Württemberg. Dessen Verhalten gegenüber Maute-Benger-Inhaberin Marjoke Breuning bezeichnet Bartle als „überhaupt nicht kooperativ“.

Abschiedsbrief mit brisantem Inhalt

Was dahinter steckt, schreibt Marjoke Breuning in einem Abschiedsbrief an langjährige Weggefährten: „Ein großes Problem ist die Mietpolitik unseres Vermieters: Dieser erhöhte uns im Jahr 2021 während des staatlich angeordneten Corona-Lockdowns auf Grund eines vereinbarten Preisindexes die Miete um acht Prozent und hat auch für diesen Sommer eine weitere Mieterhöhung angekündigt.“ Weiter schreibt Breuning, die auch IHK-Präsidentin ist: „Ein Entgegenkommen bei den Mieten, über welches wir lange verhandelt haben, wurde schließlich komplett abgelehnt. Wir können bei deutlich sinkenden Umsätzen keine steigenden Mietkosten und Nebenkosten mehr verkraften.“

Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, kann die Vorwürfe von Marjoke Breuning jedoch Silbe für Silbe nachvollziehen. Mehr noch: „Ich habe für den Handel die Verhandlungen geführt und um Stundung oder Mietnachlass gebeten“, sagt sie. Doch ihre Bitten seien auf taube Ohren gestoßen: „Man sagte mir, es gebe ja so viele Mieter, man könne da keine Ausnahmen machen. Zudem fließe der Gewinn ja auch in andere Projekte.“ Laut Citymanager Sven Hahn sei Maute Benger kein Einzelfall. Auch die Bitten anderer Traditionsgeschäfte fanden laut Hahn keinen Widerhall. So bleibt auch für Sabine Hagmann nur, „den Verlust von Maute Benger“ zu beklagen – und die Hoffnung, „dass die Politik nun hellhörig wird“.

Land kann Kritik nicht nachvollziehen

Das Finanzministerium widerspricht allen Vorwürfen. Eine Sprecherin des Ministeriums meint auf Anfrage: „Der Maute Benger GmbH wurden in Umsetzung des Stufenkonzepts zur Entlastung pandemiebetroffener Mieter und Pächter seit Pandemiebeginn zinslos rund 330 000 Euro gestundet sowie die Miete befristet um neun Prozent reduziert. Ferner wurde die Miete für pandemiebedingte Schließzeiten erlassen. Damit wurden umgehend wichtige Maßnahmen zur Abmilderung der akuten Pandemiephase in jedem Einzelfall und insbesondere auch für dieses Mietverhältnis getroffen. Die Mietindexierung 2021 musste aus rechtlichen Gründen vollzogen werden. Vorliegend hatte dies jedoch für den Mieter keine unmittelbaren Auswirkungen aufgrund der oben ausgeführten getroffenen Entlastungsmaßnahmen. Wir können vor diesem Hintergrund den geäußerten Vorwurf, dass Hilferufe an das Land nicht gehört worden seien, nicht nachvollziehen.“

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