Max Giesinger in Weissach Der Straßenmusiker macht 2000 Fans glücklich

. . .und „Berge“. Foto: Romy S Fotografie

Bei bestem Open-Air-Wetter hat Max Giesinger am Freitagabend den zweiten Weissacher Dorf-Sommer eröffnet. Als sich der 35-Jährige auf seine Wurzeln besinnt, setzt er große Gefühle bei vielen der fast 2000 Fans frei.

Lokales: Alexander Ikrat (aik)

Bei Max Giesinger weiß man, was man bekommt. Vielleicht mag nicht jeder seine Musik, aber irgendwie scheint jeder, der ihn kennt, ihn zu mögen. Die Mitarbeiter vom Dorf-Sommer-Veranstalter PM event etwa, plaudert Geschäftsführerin Lisa Bäuerle vor dem Konzert aus dem Nähkästchen, wetten vor jedem Gast, ob er oder sie eher sympathisch ist oder ob man mit Star-Allüren konfrontiert wird. Aber bei Max Giesinger wollte keiner dagegen halten, sagt Bäuerle, „alle dachten, dass er super-freundlich ist und so ist er auch.“

 

Wen man in der Menge fragt, der lobt seine Publikumsnähe und so hält sich auch kaum jemand damit auf, dass der Veranstalter eine Stunde vor Konzertbeginn immer noch nicht die Tore öffnet und alle sich in zwei sehr langen Schlangen gedulden müssen. Und kaum jemand stört sich daran, dass sich die Schlangen anschließend nahtlos an die Getränke – und Essensstände verlagern.

20 Freundinnen kommen gemeinsam zum Konzert

Katja Bayer aus Wimsheim, die mit sage und schreibe 19 Freundinnen angefahren ist, stößt ins selbe Horn wie Bäuerle. „Er ist cool, sympathisch und schlau“, sagt Bayer, „wir waren schon mal bei ihm auf dem Happiness-Festival und als wir mitbekommen haben, dass er gleich hier in der Nähe wieder auftritt, war sofort klar, da müssen wir wieder hin.“ Viele Frauen sind nach Weissach gekommen, und viele Familien. Angelika Schlechter aus Remseck etwa ist mit ihrer Tochter Rebecca da. „Ich bin großer Max-Giesinger-Fan“, sagt Mutter Schlechter, „und wollte ihn schon immer mal live hören.“ Als die Tochter im Radio hörte, dass Giesinger in Weissach auftritt, rief sie sofort die Mutter an. Die hatte auch Radio gehört und wusste schon, was die Tochter sagen wollte. Eine Anekdote, wie gemacht für ein Max-Giesinger-Lied, mit viel Liebe und Seelenverwandtschaft.

Der Wahl-Hamburger, der aus Waldbronn bei Karlsruhe stammt („alles, was eine Dreiviertelstunde um Karlsruhe ist, ist irgendwie Heimat“), sucht von Konzertbeginn kurz nach 20 Uhr an die Nähe zu seinen Fans. Sein „Hallöle, endlich sind wir mal wieder im Schwobaländle“, kommt noch etwas bemüht daher, aber als er schon beim zweiten Song „Legenden“ ins Publikum hinabsteigt und Teenie Luisa zum Duett einlädt, ihr zeitweise das Mikro sogar alleine überlässt, ist die Route klar. Ich bin einer von euch, lautet Max Giesingers Botschaft, und ich kenne und teile eure innersten Wünsche und Gefühle.

Sieben Musiker mit sauberem Sound

Mit einer sechsköpfigen Band mit zwei (mit seiner eigenen drei) Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Saxofon sowie sauberem Sound liefert Giesinger eine ebenso saubere Show ab, bringt Songs seiner letzten drei Alben überzeugend auf die Bühne: von „Irgendwann ist jetzt“ vom 2021-Album“Vier“ bis „Roulette“ von „Der Junge, der rennt“ (2016).

So richtig packt Giesinger sein Publikum aber, als er am Ende von „Wimpernschlag“ die Bühne seiner Band überlässt und kurz darauf auf einer Mini-Bühne mit E-Piano mitten im Zuschauerbereich auftaucht. Giesinger erinnert sich daran, wie er als kleiner Junge zum Gitarrenunterricht ging („die Tochter meines Gitarrenlehrers ist heute auch hier!“) und später als Straßenmusiker seinen Unterhalt auf einer Reise durch Australien und Neuseeland verdiente. Mutig lässt er sich Songtitel zurufen und versucht sie spontan mit der Gitarre umzusetzen. Bei „Livin’ on a Prayer“ von Bon Jovi und „Free Fallin’“ vom Tom Petty klappt das gut und das Publikum stimmt begeistert ein; bei „Atemlos“ von Helene Fischer stimmt er zwar die richtigen Töne an, kennt aber den Text nicht und bricht schnell wieder ab. Sein Publikum honoriert das trotzdem, nach dem Motto „Wer ist nicht schon mal gescheitert?“. Da ist er wieder: Der Normalo Max Giesinger, einer von uns.

Nach dem Schulterschluss kommen die Kracher

Nach diesem Schulterschluss ist der Boden für die zweite Konzerthälfte bereitet: Giesinger bringt seine Kracher „Auf das, was da noch kommt“, 2019 als Duett mit Singer-Songwriterin Lotte entstanden, und „Wenn sie tanzt“ von 2016. Sehr viele Zuschauerinnen und Zuschauer schmettern jede Textzeile mit. Und mit „Ohne Dich“ von der Münchener Freiheit, dem einzigen Coversong der Band, holt er auch die restlichen, meist etwas Älteren im Publikum ab. „Ey Weissach! Das was ich will, bist du!“, ist im weiten Strudelbachtal zu hören und es macht nichts, dass das Riesen-Konfetti zum Abschluss vom Wind in die falsche Richtung getragen wird.

Als Zugaben am Ende des insgesamt rund eine Stunde und 45 Minuten langen Auftritts hat sich Giesinger das noch unveröffentlichte „Menschen“, seinen 2016er-Hit „80 Millionen“ und sein frühes Stück „Für immer“ aufgespart. Bei Textzeilen wie „Du hast gesagt, du bleibst für immer, ein ganzes Leben lang, ein ganzes Leben lang“ werden dann auch die Augen von manchem gestandenen Mann glasig – und die Fans des super-freundlichen jungen Mannes gehen glücklich nach Hause.

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