Maximilian wer? Noch immer fragen sich viele Stuttgarter, wer das ist, allemal im Stuttgarter Süd-Wahlkreis, der ja eigenes politisches Personal hat – aber keinen CDU-Abgeordneten mehr.
Er kam aus dem Talentschuppen JU
Man nennt ihn Max, den neuen Hoffnungsträger der Stuttgarter CDU. Und er nennt sich auch so. „Max macht’s“ hatte er ja plakatiert. Er ist jung, Jurist und evangelisch, hat eine langjährige Freundin.
In CDU-Kreisen Stuttgarts hatte er sich schon vor der Wahl einen gewissen Namen gemacht. Zuerst im politischen Talentschuppen der CDU, der Jungen Union. Bevor er dort den Vorsitz übernahm, hatte er mit Thrasivoulos Malliaras konkurriert, den er als Rivalen sah. Beide scharrten mit den Hufen. Der scheidende Vorsitzende bedeutete ihnen, jetzt solle erst mal Mörseburg an die Spitze, der im Studium auch schon weiter war. Das spielte sich Anfang 2015 ab.
Und am vergangenen Samstag, gut sechs Jahre später, saßen sie nun gemeinsam neben dem Noch-Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann, dem abgewählten Abgeordneten im Süd-Wahlkreis, als dieser die Neuaufstellung der CDU ankündigte. Diesmal hatte Malliaras die Nase vorn, was den (ehrenamtlichen) Kreisvorsitz angeht. Allerdings hatte Mörseburg die seine auch nicht nach ganz vorne gestreckt. Er will jetzt erst einmal sein Mandat ausfüllen. Deshalb soll er (vorerst) nur Vize der Kreis-CDU werden. Dennoch: An diesem Dienstag beginnt eine Berufspolitiker-Laufbahn, die Jahrzehnte währen könnte – wenn Mörseburg sich bewährt, wenn er die Wähler immer wieder überzeugt, wenn er die Lust nicht verliert und wenn er gesund bleibt. Am Starttag ist er gerade einmal 29 Jahre und 218 Tage alt.
Berechnend oder einfach ein „helles Köpfchen“?
Böse Zungen sagen, er habe nun die Operation „Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“ vollendet – unter größtmöglicher Vermeidung von beruflicher Erfahrung. Andere halten dagegen, Mörseburg sei halt ein helles Köpfchen, habe eine Chance genutzt, die sich nur einmal im Leben biete. Aber so berechnend und besessen, wie manche argwöhnten, sei er nicht.
Mörseburg stammt aus einer gut situierten Familie in Botnang. Man habe dort „abends und manchmal auch beim Essen über Politik diskutiert“, sagt er. Parteimitglieder habe es in der engeren Familie aber nicht gegeben. Im Grundschulalter organisierte er eine Tombola mit Erlös für Greenpeace (was er heute sicher nicht mehr machen würde). Im Lauf der Schulzeit dämmerte ihm immer mehr, dass er ein „konservativeres Gesellschaftsbild“ entwickelte als die Schulfreunde. Die Grundlagen von Gesellschaft und Wirtschaft und die Familie „als gesellschaftliche Grundlage unabhängig vom Staat“ stellte er nie infrage.
Schon früh gegen Dieselfahrverbote gewesen
Irgendwann machte er es dann: Er trat in die Union ein. Im Studium des Unternehmensrechts, wozu Volks- und Betriebswirtschaft gehörten, festigte sich die Einsicht, dass man Probleme mit der sozialen Marktwirtschaft lösen sollte. Schon 2016 organisierte er denn auch eine frühe Unterschriftenaktion gegen Dieselfahrverbote. Es sei mit Abstand seine beste JU-Aktion gewesen, sagt er. Er sei wirtschaftsliberal eingestellt. Und man ahnt: Der Gedanke an staatlichen Dirigismus lässt ihn erschauern. Die Einordnung als Konservativer hat er sich aber auch anderweitig verdient. 2018 forderte er als JU-Chef: „Mutmaßliche Straftäter wie die Hausbesetzer und ihre Gehilfen müssen die harte Hand des Rechtsstaats zu spüren bekommen.“ Auf der anderen Seite setzte er sich für die Legalisierung von Cannabis ein, weil er vom Nutzen des Verbots für den Gesundheitsschutz nicht überzeugt war. Das Institut der Ehe und ihre Vorrechte sind ihm heilig, andererseits will er gleichgeschlechtliche Paare nicht ausschließen. Er redet ganz gern von Werten, aber hört den Begriff „wertkonservativ“ ungern. Ihm gehe es um eine „zeitgemäße Übersetzung von Werten“, sagt er. Auch um die Erneuerung der CDU.
Nicht wenige Parteifreunde schätzen all das. Er halte Mörseburg für „eines unser großen politischen Talente“, sagt ein Funktionär der Kreispartei, der ungenannt bleiben will. Mörseburg habe einen „Zug zum Tor“. Und politisches Gespür.
Entschlossen die zweite Chance ergriffen
Das erinnert daran, dass Mörseburg zunächst der Abgeordneten Karin Maag die Wiedernominierung streitig machte und knapp verlor, aber er die zweite Chance ergriff, als Maag sich dann überraschend aus der Politik zurückzog. Und er spürte, dass im Nord-Wahlkreis etwas zu holen ist – notfalls gegen den Bundestrend. Jetzt ist Mörseburg der jüngste der direkt gewählten CDU-Abgeordneten. Und er weiß, dass die Wahl durchs Volk, der Einzug in den Bundestag ohne Nachhilfe durch die Parteiliste, eine gewisse Autorität schafft. Wenngleich man als Neuling trotzdem demütig warten muss, welche Funktionen in Ausschüssen und Arbeitskreisen man zugewiesen bekommt. Mörseburg denkt aber, dass man als direkt Gewählter auch „eine Verpflichtung“ hat. Nämlich zu dem, wofür man gewählt wurde. Zu viel inhaltliche Veränderung „würde mir vor Ort auf die Füße fallen“, sagt er.
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Insofern ist es wahrscheinlich gut, dass er zwar als Konservativer wahrgenommen wurde, aber auch ein wenig changierte. „Er hat auch liberale Seiten“, meint der stellvertretende Kreisvorsitzende und Cannstatter Ortsvorsitzende Roland Schmid. Er sollte es wissen – er hatte Anteil daran, dass Mörseburg antrat. Und er boxte ihn bei der zweiten Nominierungsrunde gegen Markus Reiners durch. Schmid lobt: Mörseburg eigne sich als Sympathieträger. Er sei bedächtig, aber konsequent. Wenn er mal Feuer fange, „zieht er es durch – und das macht er dann gut“. Deshalb habe er auch „Perspektive“ für die Zeit nach den Lehrjahren in der Opposition.
Die Jungsozialistin versteht ihn nicht
Die Frage wäre dann nur, in welcher Koalitionskonstellation. Mit Nachwuchspolitikern, die von der grünen Jugend oder den Jungsozialisten in den Bundestag kommen, verbindet Mörseburg wenig. Anfang Oktober wurde er zusammen mit der Jungsozialistin Jessica Rosenthal in „ZDF heute“ live befragt. Starker Klimaschutz ja, sagte er dort, aber ohne Sozialismus, lieber durch Anreize. Die „schwarze Null“ müsse bleiben. Man dürfe die Bevölkerung nicht mit höherer Abgabenlast und neuen Steuern „auspressen“. Die Reaktion von Rosenthal: Der Herr Mörseburg verbreite Angst, dass der notwendige Klimaschutz nicht bezahlbar sei. „Er hat nicht verstanden, worum es geht.“