Maybritt Illner Duell der verhinderten Kanzler

In der Talkshow  Maybrit Illner ging es unter anderem um die Situation in Afghanistan (Archivbild) . Foto: dpa/Carmen Sauerbrei
In der Talkshow Maybrit Illner ging es unter anderem um die Situation in Afghanistan (Archivbild) . Foto: dpa/Carmen Sauerbrei

Friedrich Merz und Robert Habeck zeigen, was sie als Kandidaten drauf gehabt hätten. Dabei fällt ein Satz, der für einen möglichen Kanzler das Zeug zu einem Skandal gehabt hätte.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)
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Stuttgart - Es hat unter den Zuschauern vermutlich eine ganze Menge gegeben, die sehr bedauert haben, dass sich bei Maybrit Illner nicht zwei Kanzlerkandidaten eingefunden hatten. Der Grüne Robert Habeck saß in der Nacht zum Freitag dem CDU-Vertreter Friedrich Merz gegenüber, und auch die beiden Protagonisten scheinen Sympathien für die doch weit verbreitete Einschätzung zu haben, dass sie die besseren gewesen wären. Die Merzsche Vorlage, dass die Grünen mit Habeck heute besser dastünden, nahm dieser jedenfalls nicht zum Anlass, um für die nominelle Nummer eins seiner Partei in die Bresche zu springen. Und wenn Friedrich Merz erklärt, dass Parteien mehr sind, als ihre Spitzenkandidaten, dann ist das ja auch eine Aussage über den eigenen Mann an vorderster Front.

Schreckliche Bilder

Wobei: wäre dies die Diskussion der Kanzlerkandidaten gewesen, es wäre Merz gewesen, der sich selbst ins Bein geschossen hätte. Mit Blick auf die schrecklichen Bilder aus Kabul ließ sich der Sauerländer zu einer Bemerkung hinreißen, die es in Deutschland so bisher noch nicht zu hören gegeben hat: „Einen Flughafen abzusichern ist das mindeste, was die Bundeswehr leisten können müsste“. Die Prognose sei erlaubt: Das wäre dem Kandidaten um die Ohren geflogen, wenn er sich nicht nur um einen Platz im Bundestag beworben hätte, sondern auch um die Führung der kommenden Regierung. Doch bekanntlich kämpft Merz nur darum, den Hochsauerlandkreis zu erobern – das könnte in diesem Fall seine Rettung sein.

Klare Worte gegen die eigenen Leute

Ärger könnte von anderer Seite drohen. Um die zahlreichen Fehler im Afghanistaneinsatz aufzuarbeiten, hatten die Grünen verlangt, Akten und Daten zu sichern. Es wäre ja schließlich nicht das erste mal, dass potenziell hilfreiche Handy-Chats einfach verschwinden. Die CDU hat sich bisher dagegen ausgesprochen, Merz sieht das anders. „Daten zu löschen, die wir später noch brauchen, halte ich für inakzeptabel“.

Das war klar, und Robert Habeck hatte diese Klarheit bei einem für die Grünen heiklen Thema auch. Dass sich die Linkspartei im Bundestag enthalten habe, als es um den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr gegangen sei, das „war ein fataler Fehler“, so der Parteichef. Allen, für die eine Regierungsbeteiligung der Linken ein rotes Tuch wäre, ist Habecks Satz Genugtuung: „Das war nicht regierungsfähig“. Ein klares Nein zu einer möglichen Zusammenarbeit war das freilich auch nicht.

Unterstützung vom Fachmann

Neben den aktuellen Ereignissen in Kabul hatten die Sendungsmacher zwei innenpolitischen Differenzen der beiden möglichen Koalitionspartner in den Mittelpunkt gerückt. Klimaschutz und Finanzen. Das eine hängt untrennbar mit dem anderen zusammen, beim Klimaschutz gilt Habeck, beim Thema Finanzen gilt Merz als Fachmann. Genau dieses fachmännische ließ die Diskussion dann aber doch ein wenig speziell werden. Habeck, dem Merz vor einiger Zeit attestiert hatte, zu viele Wissenslücken zu haben um Kanzler zu werden, hatte sich ziemlich gut vorbereitet. Als er da so philosophierte über fehlendes Wachstum, langfristige Zinsen und deren Zusammenhänge, da grinste Merz zwar immer wieder in einer Art, die wohl als spöttisch bezeichnet werden könnte. Nachvollziehbar waren die Äußerungen des Grünen-Chefs aber allemal – und der zugeschaltete Wirtschaftswissenschaftler Achim Truger bescheinigte dem Ganzen, plausibel zu sein.

Unterstützer im Studio

Dazu muss man wissen, dass Truger auf Vorschlag der Gewerkschaften in den Sachverständigenrat gewählt wurde, und eher für eine linke Linie der Wirtschaftspolitik steht. Friedrich Merz hatte die Unterstützerin für seine Thesen im Studio. Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der Welt – einem Blatt, dass bekanntermaßen eher nicht aufseiten der Gewerkschaften kämpft. Wer mit seinen Thesen richtig liegt, das ist letztlich eine Frage, die erst im Rückblick der Jahrzehnte beantwortet werden kann. Wenn überhaupt.

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