Mayer-Vorfelder im Interview "Es sind viele Fehler gemacht worden"

Mayer-Vorfelder setzt auf Nachwuchs. Mit Fritzle bei einer Fußball-Eliteschule. Foto: Achim Zweygarth
Mayer-Vorfelder setzt auf Nachwuchs. Mit Fritzle bei einer Fußball-Eliteschule. Foto: Achim Zweygarth

Gerhard Mayer-Vorfelder spricht im Interview über die Situation des VfB im Abstiegskampf und die Bestrebungen der Oppositionsgruppen.  

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Stuttgart - Am Samstag, wenn der VfB Stuttgart den Hamburger SV empfängt, wird auch Gerhard Mayer-Vorfelder wieder in der Mercedes-Benz-Arena sitzen. Bei fast jedem Heimspiel der Stuttgarter ist der Ehrenpräsident dabei - und hat zuletzt stark mitgelitten. "Das größte Problem war in den vergangenen Jahren die Transferpolitik", sagt der 78-Jährige.

Herr Mayer-Vorfelder, wie viel Geld würden Sie nach dem Sieg in Köln darauf wetten, dass der VfB nicht absteigt?

Da ich in bescheidenen Verhältnissen lebe, würde ich kein Geld wetten. Ich gehe aber ganz fest davon aus, dass der VfB in der Bundesliga bleibt. Allerdings gilt noch immer: es wird eng.

Wie konnte es so weit kommen?

Das größte Problem war in den vergangenen Jahren die Transferpolitik. Da sind große Fehler gemacht worden.

Welche?

Ich habe nie verstanden, warum der VfB die Förderung seines eigenen Nachwuchses so vernachlässigt hat. Das sind große Talente wie Andreas Beck oder Sebastian Rudy weggeschickt worden, und geholt hat man Leute wie Yildiray Bastürk oder Mauro Camoranesi - satte Altstars also, die dem Verein überhaupt nichts gebracht haben. Als Horst Heldt noch Manager beim VfB war, habe ich öfter mit ihm gesprochen und ihm gesagt: "Menschenskinder, lasst doch nicht die jungen Spieler gehen."

Und was hat Horst Heldt entgegnet?

Er hat immer auf den Trainer verwiesen, der die Spieler haben wollte oder eben nicht. Armin Veh hatte mit der Jugend überhaupt nichts am Hut. Heldt hätte sich gegen ihn durchsetzen und sagen müssen: wir setzen auf die jungen Leute, das ist unsere Philosophie. Ein Trainer muss sich immer nach dem Verein richten, nicht umgekehrt. Sonst muss man ihn entlassen.

Hätte der Präsident Erwin Staudt mehr Einfluss nehmen müssen?

Nun, es ist eben sein Führungsstil, die Dinge zu delegieren. Ich habe den Verein anders geführt. Bei mir ist kein Neuzugang verpflichtet worden, bei dem ich nicht mein Plazet gegeben hätte. Ich habe die Spieler zum Teil sogar selbst ausgesucht. Mir kam es immer darauf an, ein ganz enges Verhältnis zu den Profis zu haben. Sie sind der Kern des Vereins. Ich habe mich daher selbst um die sportlichen Belange gekümmert, und ich halte es auch für gut, wenn ein Präsident das tut. Erwin Staudt hat eine etwas andere Sicht in dieser Frage.

 




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