MayerS kauft Wiedmaier Bäckerei aus Salach übernimmt acht Filialen im Rems-Murr-Kreis
Die MayerS Bäckerei-Konditorei GmbH aus Salach übernimmt alle acht Fachgeschäfte der Bäckerei Wiedmaier aus Urbach. Was sich ändert – und was gleich bleibt.
Die MayerS Bäckerei-Konditorei GmbH aus Salach übernimmt alle acht Fachgeschäfte der Bäckerei Wiedmaier aus Urbach. Was sich ändert – und was gleich bleibt.
Zum Jahreswechsel verändert sich die Bäckereilandschaft im Rems-Murr-Kreis: Die acht Filialen der Bäckerei-Conditorei Wiedmaier werden Teil von MayerS, einem traditionsreichen Familienunternehmen aus Salach im Landkreis Göppingen. Die neuen Betreiber Simone und Alexander Mayer versprechen Kontinuität und eine schrittweise Modernisierung der Standorte. Für die Kundschaft im Rems-Murr-Kreis ändert sich zunächst wenig; sichtbar wird der Wechsel aber schnell.
Über Jahrzehnte war die Bäckerei und Konditorei Wiedmaier in Urbach, Schorndorf und Welzheim präsent. Ihr Leitsatz „Wir backen Ihr Brot!“ prägte das Selbstverständnis des Familienbetriebs – und für viele Kundinnen und Kunden auch den Alltag. Im Jahr 2024 übernahmen Jenny und Florian Wiedmaier zusätzlich die Filialen der Bäckerei Hetzinger in Schorndorf und Winterbach – und beließen den bekannten Namen bewusst, um die Kundschaft nicht zu verunsichern. Im Sommer suchten Jenny und Florian Wiedmaier den Kontakt zu MayerS, um eine langfristige Lösung für ihre acht Filialen zu finden.
Künftig firmieren alle Filialen unter MayerS. „Wir werden die Läden noch Ende des Monats alle umbeflaggen“, sagt Firmenchef Alexander Mayer. „Es wird für jeden ganz klar und offensichtlich sein, dass das jetzt MayerS-Fachgeschäfte sind.“ Der 50-Jährige betont, dass der Markenwechsel bewusst vollzogen wird: „Wir wollen nicht arrogant sein, aber wir sind selbstbewusst genug, zu sagen: Wir stehen zu unserem Namen.“
Das Sortiment werde künftig einheitlich das MayerS-Sortiment sein, ergänzt durch einige regionale Spezialitäten aus den Rezeptbüchern von Wiedmaier und Hetzinger, die man ganz bewusst übernehmen werde: „Es gibt künftig die berühmten süßen Hetzinger-Hörnchen, und auch die Schinkenhörnchen wird es weiter geben.“ Die Qualität soll unverändert bleiben – nicht nur wegen der Rezepte: „Der Bäcker, der Hetzinger-Hörnchen gemacht hat, wird sie künftig auch wieder bei uns machen.“ Auch einige beliebte Kuchenrezepte sollen bleiben. „Warum soll man die besten Kuchen nicht immer wieder machen?“ Eine Parallelwelt wolle man dennoch nicht aufbauen: „Wir ergänzen unser Sortiment.“
Alexander Mayer betont, dass MayerS trotz der Unternehmensgröße handwerklich produziert. „Wir sehen uns als Premiumbäckerei“, sagt er. Auf Zusatzstoffe und industrielle Hilfsmittel im Teig verzichte man bewusst. „Viele glauben, bei unserer Größe gehe das gar nicht – doch, das geht.“
Der Betrieb selbst hat eine lange Geschichte. MayerS ist ein familiengeführter Bäckereibetrieb aus Salach mit einer handwerklichen Tradition, die bis ins Jahr 1761 zurückreicht. Geführt wird das Unternehmen von Simone Mayer, Bäckermeisterin und Betriebswirtin (BA), und Alexander Mayer, Brotsommelier und Betriebswirt (HWK). Produziert wird ausschließlich in der eigenen Backstube in Salach.
Auch für die Mitarbeitenden der Bäckerei Wiedmaier soll der Übergang verlässlich gestaltet sein. Sie wurden am 25. November über die Veränderung informiert. „Es bekommen alle ein Angebot von uns, die Leute sollen am besten ohne Lücke einen Arbeitsvertrag zum 1. Januar erhalten.“ Nach der Übernahme beschäftigt MayerS rund 400 Leute. Mayer rechnet mit einer hohen Wechselbereitschaft: „Ich gehe davon aus, dass die meisten Leute mitgehen werden.“ Für einige könne jedoch der zusätzliche Weg nach Salach ein entscheidender Faktor sein – weshalb er nicht davon ausgeht, dass alle das Angebot annehmen werden. „Da muss man ehrlicherweise sagen, macht es für den einen oder anderen keinen Sinn, an drei Kollegen vorbeizufahren.“
Für die Kundinnen und Kunden soll es in der Übergangsphase keine Einschränkungen geben – sämtliche Fachgeschäfte bleiben ohne Unterbrechung geöffnet; auch die Öffnungszeiten bleiben vorerst unverändert.
So mancher Kunde im Rems-Murr-Kreis wird sich fragen, ob die Qualität bleibt – gerade in entfernteren Standorten. Mayer erläutert das System klar: „Die bestmögliche Brezel produzieren Sie, indem Sie laugen und direkt backen – wir laugen und backen in den Filialen.“ Für Brot und Kuchen gilt: Sie werden zentral in Salach hergestellt. Zweimal täglich werden alle Filialen beliefert.
Für die kommenden Jahre plant MayerS schrittweise Modernisierungen der übernommenen Standorte. „Wir werden jedes Jahr zwei Läden umbauen“, sagt Mayer. Der Tageslauf einer Filiale gebe vor, was ein Laden heute leisten müsse: „Sie haben morgens den, der seinen Kaffee to go und seine Brezel holt. Dann haben Sie die Schüler. Dann kommen die Mamis, die ihre Kinder in die Kita gebracht haben. Dann kommen die Handwerker zum Mittag. Und dann kommen nachmittags wieder die Rentner zum Kaffeetrinken. Und abends wieder die Leute, die ihr Brot holen.“ Sitzbereiche und ein zeitgemäßes Café-Ambiente sollen diesen Bedarf künftig besser abbilden.
Neben der Integration der acht Wiedmaier-Filialen steht bereits die nächste Erweiterung fest: Im Frühjahr eröffnet eine neue MayerS-Filiale im Raum Schwäbisch Gmünd. „Das wäre dann die 41.“, sagt Mayer.
Im Gesamtblick ordnet Mayer die Dynamik eines Filialbetriebs ein: „Im Normalfall ist der Plan, vorne was anzusetzen, hinten was wegzuschneiden.“ Gemeint ist die grundsätzliche Logik, dass langfristig neue Standorte entstehen und andere irgendwann wegfallen können. Für die gerade übernommenen Läden im Rems-Murr-Kreis gelte das jedoch ausdrücklich nicht, betont er.