McDonald’s in Ludwigsburg wird 45 Die Ludwigsburger standen Schlange um die Hamburger

Das Gebäude an der Wilhelmstraße/Ecke Arsenalplatz hat eine mehr als 200-jährige Geschichte auf dem Buckel. Foto: Simon Granville

Vor 45 Jahren eröffnete der McDonald’s im historischen Gemäuer in der Ludwigsburger City. Es kam sogar zu Verkehrsbehinderungen in der Wilhelmstraße.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Heute ist es das Normalste der Welt, dass in fast jeder Stadt eine Filiale von McDonald’s steht. Vor 45 Jahren war es das nicht. Umso größer war das Hallo, als im Sommer 1979 am Arsenalplatz 1 die Burger-Braterei eröffnete – es war erst das 88. „Restaurant zum goldenen M“ in Deutschland. Heute sind es rund 1400 Filialen. Bei der Eröffnung standen die Ludwigsburger Schlange für die Hamburger. Es kamen so viele Menschen, dass gar der Verkehr auf der Wilhelmstraße teilweise zum Erliegen kam.

 

Gebäude Arsenalplatz (rechts) 1 im Jahre 1975. Foto: Stadtarchiv Ludwigsburg

Dabei waren im Vorfeld nicht alle begeistert von der Idee, das McDonald’s in die Barockstadt kommt – noch dazu in ein historisches Gebäude. Es gab die Sorge, dass die Alte Post in Ludwigsburg, ähnlich wie andere Filialen der Kette hergerichtet wird. Allerdings stellte die sich als grundlos heraus. An der Außenfassade wurde fast nichts geändert, einzig das Portal an der Wilhelmstraße wurde zum Eingang umgebaut.

Alte Post stand jahrelang leer

Eigentlich war es eher eine glückliche Fügung, dass McDonald’s und sein Lizenznehmer Eduard Fehr sich das historische Gebäude in der Wilhelmstraße an der Ecke zum Arsenalplatz ausgesucht hatten. Die Alte Post stand jahrelang leer, war arg herunter gekommen und galt als Schandfleck. Es wurde sogar darüber nachgedacht, sie abzureißen und ein Kaufhaus auf dem Areal zu bauen.

Soweit kam es dann aber nicht. Das Land Baden-Württemberg als Eigentümer und die Fastfood-Kette als Mieter haben sich die Renovierung aufgeteilt. Um die Außenfassade kümmerte sich das Staatliche Liegenschaftsamt, um den Umbau im Inneren des Gebäude kümmerte sich McDonald’s.

Eduard Fehr, der Lizenznehmer, verwirklichte sich damit einen Traum. 1971 – in dem Jahr, als in Deutschland der erste McDonald’s in München eröffnete – aß er selbst in Florida seinen ersten Big Mac und war begeistert. Er brauchte allerdings 200 000 Mark Eigenkapital für seine Filiale. Er ersparte und erarbeitete sie sich hart, da ihm die Banken keinen Kredit für seine „Pommes-Bude“ geben wollten, wie er vor einigen Jahren in der Reihe „Stadtgeschichten“ erzählte.

Mit dem McDonald’s in der Ludwigsburger City legte Eduard Fehr auch den Grundstein für sein Unternehmen, das heute eine beträchtliche Größe hat. Fehr betreibt auch die Standorte Stuttgart-Mühlhausen, Backnang, Bietigheim-Bissingen, Fellbach, Kornwestheim, Winnenden und Murr.

Der erste McDrive Europas stand am Breuningerland

Und die Filiale am Ludwigsburger Breuningerland. Diese war – Eduard Fehr war wieder Pionier – der allererste McDrive in Europa. 1983 war das. Zuvor hatte Fehr von der Drive-Through-Idee eines Kollegen in Arizona in den USA gehört. Der hatte berichtet, dass immer zu Manöverzeiten der Umsatz einbrach. Hintergrund war, dass US-amerikanische Soldaten dann ihre Fahrzeuge nicht verlassen durften. Also verkaufte der findige Kollege einfach Burger und Co. aus dem Fenster in die Autos hinein.

Eduard Fehr boxte die Idee gegen alle Bedenken der Konzernleitung und der Banken durch und eröffnete im August 1983 auf dem Breuningerland-Parkplatz die kleine Filiale mit rund 50 Sitzplätzen und dem Drive-In-Schalter.

Kurze Zeit später wurde um 30 Sitzplätze erweitert, knapp drei Jahre später jedoch brannte die kleine Hütte wegen einer defekten Fritteuse nieder. Der Neubau hatte 130 Sitzplätze auf zwei Ebenen. 2014 wurde auf der anderen Seite des Parkplatzes ein neues Restaurant gebaut, das die in die Jahre gekommene Filiale ersetzte.

Zurück in die Ludwigsburger City. Der Eröffnungstag, ein Samstag im Juli 1979 wurde zum großen Erfolg. Der Spielmannszug der „Alten Kameraden“ spielte auf, der McDonald’s-Clown verteilte Luftballons, Käppis und Burger. „Das Personal war dem Ansturm kaum gewachsen, als sich die Türen öffneten“, berichtete die örtliche Zeitung. Grund dafür dürfte auch ein Gutschein gewesen sein, den man ausschneiden und am Eröffnungstag einlösen konnte. Der Wert: 1,40 Mark. So viel kostete ein Hamburger.

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