McDonald's-Kinderhilfe-Stiftung "Wir können das Leid nur lindern"

Elternhaus in Tübingen Foto: Grohe 2 Bilder
Elternhaus in Tübingen Foto: Grohe

Im neuen Elternhaus der McDonald's-Stiftung in Tübingen können krebskranke Kinder zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern Ruhe finden.  

Landespolitik: Michael Petersen (mip)
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Tübingen - Es ist ein wunderschönes Haus geworden", hat ein Schreiner bei der Einweihung des Gebäudes erklärt, "aber es ist niemandem zu wünschen, dass er hier wohnen muss." Doris Jones, die Leiterin des neuen Elternhauses beim Tübinger Universitätsklinikum erinnert sich an diesen Satz und ergänzt: "Wir können das Leid der Bewohner nur lindern."

Seit einigen Wochen wohnen die ersten Familien in diesem von der McDonald's-Kinderhilfe-Stiftung errichteten Haus. Es ist ein futuristisch anmutendes Gebäude mit 30 Familien-Apartments. Die Familien bezahlen 20 Euro pro Nacht, die in der Regel von den Krankenkassen erstattet werden. "Das klappt gut", berichtet Doris Jones.

Es ist ein Zuhause auf Zeit. Für Wochen und manchmal auch für Monate leben in diesem Gebäude Väter, Mütter und Geschwister von Kindern, die in der Kinderklinik des Uniklinikums behandelt werden. "Wenn die Eltern in der Nähe sind, fühlen sich die Kinder geborgen", sagt Professor Michael Bamberg, der Ärztliche Direktor des Klinikums. Aus einer Studie der Universität Groningen (NL) geht sogar hervor, dass die Kinder bis zu einem Drittel schneller gesund werden, wenn die Eltern in der Nähe sind. Die können zudem bei der Betreuung helfen in einer für das Kind gewohnten Art und Weise.

Nachts mal kurz zu den Kindern rüber

Vor Jahrzehnten noch durften Eltern ihre kranken Kinder nur zu festen Besuchszeiten sehen. Die ständigen Abschiede nach der Uhr versetzten die Kinder neben der Krankheit zusätzlich in Angst und Not. Das hat sich gründlich geändert. "Die Eltern sind inzwischen herzlich willkommen in der Klinik", sagt Bamberg. Doch gerade in Kliniken mit großem Einzugsgebiet bringt dies eine ganz andere Schwierigkeit mit sich: nicht nur die Kinder benötigen Betten, sondern auch die Eltern.

Und genau da konnte die Klinik bisher nicht helfen. In Hotels haben Eltern gewohnt, sofern sie es sich leisten konnten. Andere suchten verzweifelt nach Ferienwohnungen in Tübingen und Umgebung. Einige haben sogar auf Luftmatratzen vor den Betten der kranken Kinder genächtigt. "Das war alles ganz schwierig", sagt Bamberg.

Jetzt ist es für viele viel einfacher geworden. Nur fünf Gehminuten von der Kinderklinik entfernt können die Eltern untergebracht werden. "Manche Mütter laufen in der Nacht schnell mal zu ihren Kindern rüber", sagt Bamberg. Doris Jones fügt hinzu: "Und sie fühlen sich auf diesem kurzen Weg auch sicher." Wer in dem neuen Elternhaus wohnen kann, entscheidet die Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums. Dabei werden medizinische und soziale Gesichtspunkte herangezogen.

Auch die Geschwister finden Platz im Haus der McDonald's-Kinderhilfe

In offiziellen Unterlagen wird Michael Bamberg als Initiator des Projekts Elternhaus genannt. Der winkt ab, berichtet aber sogleich von zahlreichen intensiven Gesprächen auch mit dem Vorstandsvorsitzenden der McDonald's Kinderhilfe, Manfred Welzel. Fünf Millionen Euro hat dieses Gebäude gekostet, das von dem iranischen Stararchitekten und Designer Hadi Teherani entworfen wurde. "Der Bau ähnelt in seiner Konstruktion einem Schmetterling", beschrieb er sein Projekt. Von einer Insel war die Rede, auch von einer bergenden Arche. Das Land Baden-Württemberg hat der Stiftung das Grundstück in Erbbaupacht für 99 Jahre überlassen.

Die Räume sind sehr hell gehalten und zeichnen sich durch eine funktionelle Eleganz aus. Das Unternehmen Boconcept übernahm nicht nur die Konzeption der Einrichtung, sondern auch die Kosten für die Ausstattung vieler Räume. Bis zu vier Personen wohnen in den Apartments. Die beiden Klappbetten, größer als in Erste- Klasse-Schlafwagen der Bahn, seien bei Kindern sehr beliebt, berichtet Doris Jones. Michael Bamberg weiß um die Leiden der Geschwisterkinder, die oft fragten: "Warum ist die Mami so lange weg?"

Die Räume sind schallisoliert. "Die Menschen sollen hier Ruhe finden", betont die Leiterin. In der Tat, das Geräusch eines lauten Staubsaugers auf dem Gang ist erst zu vernehmen, als sich eine Zimmertüre öffnet. Über vier Etagen hinweg ist alles sehr großzügig gestaltet, mehrere Wohnzimmer gibt es, eine Bibliothek, einen Raum der Stille - und zwei Küchen, damit die Eltern auch mal selbst kochen können. Und sie können dabei ihre Kleinen im Blick behalten: Die Glaswände erlauben quer durchs Haus den Blick in die Kinderspielecke.

Stiftung zum größten Teil spendenfinanziert

Die Stiftung finanziert drei hauptamtliche Stellen. Hinzu kommen rund 30 ehrenamtliche Helfer. Die Betriebskosten von 250.000 Euro jährlich werden zu einem Drittel aus den Erlösen für die Übernachtungen finanziert. "Zwei Drittel der Kosten müssen wir über Spenden finanzieren", erklärt Doris Jones.

Bei allem Luxus in dem neuen Elternhaus darf man jedoch nicht vergessen, vor welchem Hintergrund die Eltern hier leben. Und wie sinnvoll es ist, dass die Mütter und Väter Ruhe und Kraft finden für ihre Kinder. Jeder, der in diesem Haus wohnt, weiß, dass eine Heilung nicht immer gelingt. Auch diese Erfahrung mussten die Hausbewohner bereits machen.

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