Medienbericht Ausländische Studenten können für reines Online-Studium nicht einreisen

Von red/AFP 

Ausländische Studenten können laut einem Medienbericht nicht nach Deutschland einreisen, wenn sie ein reines Online-Studium anstreben. Dies soll aus Angaben des Bundesbildungsministeriums hervorgehen.

Wer keine Präsenzpflicht an einer Uni Nachweisen kann, darf nicht nach Deutschland einreisen, um zu studieren. Foto: dpa-tmn/Christin Klose
Wer keine Präsenzpflicht an einer Uni Nachweisen kann, darf nicht nach Deutschland einreisen, um zu studieren. Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Berlin - Ausländische Studenten können offenbar derzeit nicht nach Deutschland einreisen, wenn ihre Uni-Veranstaltungen komplett virtuell abgehalten werden. Das geht aus Angaben des Bundesbildungsministeriums an den Grünen-Abgeordneten Kai Gehring hervor, über die am Freitag das ARD-Hauptstadtstudio berichtete. Demnach müssen Studierende, die ein Visum haben wollen, dafür eine Präsenzpflicht an ihrer Uni nachweisen .

Seit Angang Juli „können ausländische Studierende, die nachweisen können, dass ihr Studium nicht vollständig aus dem Ausland durchgeführt werden kann, beispielsweise aufgrund von Präsenzpflichten, auch zur Aufnahme eines Studiums einreisen“, zitierte die ARD aus dem Papier. „Die Einreise zu einem Online- oder Fernstudium ist weiterhin nicht vorgesehen.“

Wegen der Corona-Pandemie hatten viele Universitäten ihr Lehrangebot im Sommersemster auf virtuelle Formate umgestellt. Dies wird zum Teil im Wintersemester fortgesetzt.

Der Sprecher des Bundesverbandes ausländischer Studierender, Kumar Ashish, berichtete dem ARD-Hauptstadtstudio von den Problemen einiger Betroffener. „Was nutzt es einer Studentin in Indien, online an ihren deutschen Uni-Seminaren teilzunehmen, wenn sie nicht in die Unibibliothek gehen kann“, sagte er Ashish. Gerade in Indien gelte immer noch eine Ausgangssperre, daher komme die Studentin nicht mal an die Literatur in ihrer Stadt - so sei ein Studium unmöglich.

Die Einreisemöglichkeit nach Deutschland mit einer Präsenzpflicht zu verbinden, gehe außerdem von der „irrigen Annahme“ aus, dass ein Studienaufenthalt einzig für den Besuch von Seminaren und Vorlesungen gedacht sei, sagte Grünen-Bildungsexperte Gehring. „Austausch dient auch dazu, Kultur und Gesellschaft des Gastlandes kennenzulernen.“

Der FDP-Bildungsexperte Jens Brandenburg sagte der ARD, mit ihrer „bürokratischen Engstirnigkeit“ lege die Bundesregierung die Axt an den internationalen Studierendenaustausch. Ein pauschales Einreiseverbot für Studierende unabhängig von Corona-Testergebnissen und Risikogebieten sei völlig überzogen. 

Erst vor einigen Wochen hatte die US-Regierung angekündigt, ausländischen Studenten das Visum zu entziehen, die wegen der Corona-Krise vorerst an ihren Universitäten nur noch an Online-Kursen teilnehmen. Dies war auf breite Kritik gestoßen, auch in Deutschland.

„Es wäre ein krasser Fall von Doppelmoral, wenn die Bundesregierung an ihrer Regelung festhält“, sagte dazu Gehring. Schon allein wegen der außenpolitischen Glaubwürdigkeit sollten die Hürden für internationale Studierende schleunigst wieder beseitigt werden.




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