Medienkonzern Bauer Media Group stärkt Radiogeschäft

Von Nora Stöhr 

Die Hamburger Bauer Media Group ist in Deutschland bekannt für Zeitschriften wie „Bravo“, „TV Movie“ oder „Intouch“. Doch weil das Geschäft mit Publikumstiteln schwächelt, baut der Konzern seine Hörfunk- und Digitalsparte weiter aus.

Mehr als 600 Publikumstitel – darunter die Programmzeitschrift „TV Movie“ – gehören zum Portfolio der Bauer Media Group. Foto: StZ
Mehr als 600 Publikumstitel – darunter die Programmzeitschrift „TV Movie“ – gehören zum Portfolio der Bauer Media Group. Foto: StZ

Stuttgart - Auch wenn die gesamte Zeitschriftenbranche in Deutschland derzeit mit schrumpfenden Auflagenzahlen zu kämpfen hat – das Hamburger Medienunternehmen Bauer Media Group, das hierzulande für Publikumstitel wie „Bravo“, „Intouch“ oder „TV Movie“ bekannt ist, kann sich in diesem schwierigen Marktumfeld stabil halten. So hat der Konzern im vergangenen Jahr den zweithöchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt. Das geht aus der Bilanz 2014 hervor, die die Verlagsgruppe am Montag in Hamburg vorlegte. Vor allem das Radio- und das Digitalgeschäft – zwei Bereiche, die der Konzern derzeit forciert ausbaut – haben positiv zu den Unternehmenszahlen beigetragen.

Demnach konnte das international tätige Medienhaus im vergangenen Geschäftsjahr 2,263 Milliarden Euro umsetzen. Der leichte Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr, in dem 2,322 Milliarden Euro Umsatz erzielt wurden, begründete der Konzern mit Konsolidierungsmaßnahmen. Zum Gewinn macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. Die Geschäftsführung sprach jedoch von einem erfolgreichen Jahr 2014.

„Bravo“ erscheint seit Anfang 2015 nur noch alle 14 Tage

In ihrem Kerngeschäft Print, zu dem weltweit mehr als 600 sogenannte Publikumszeitschriften gehören, erzielte die Bauer Media Group im vergangenen Geschäftsjahr einen weltweiten Gesamtumsatz von 1,73 Milliarden Euro (2013: 1,85 Milliarden Euro). Knapp 1,3 Milliarden Euro wurden über den Vertrieb erlöst, der Rest über Anzeigen. Im Geschäftsbereich Hörfunk verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzplus von 19 Prozent auf 242 Millionen Euro. In Deutschland ist die Verlagsgruppe beispielsweise mit 25 Prozent an Radio Hamburg beteiligt. Das Digitalgeschäft der Hamburger erreichte 94 Millionen Euro Umsatz (plus 19 Prozent). Der Anteil des Auslandsgeschäfts lag 2014 bei knapp 65 Prozent und stieg damit gegenüber 2013 leicht an.

Branchenweit schrumpfen wegen der Konkurrenz durch das Internet und die mobilen Medien die Auflagen der großen Zeitschriftenverlage, zu denen – neben der Bauer Media Group – auch Bertelsmann mit der hundertprozentigen Beteiligung am Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr („Brigitte“, „Gala“, „Stern“) oder Hubert Burda Medien („Bunte“, „Elle“, „Playboy“) gehören. Auch einige von Bauers Massenblätter leiden unter dem veränderten Medienverhalten. Verkaufte sich die Teeniezeitschrift „Bravo“ vor fünf Jahren noch mehr als 512 000 mal pro Woche, wechselten nur noch 124 265 Exemplare im ganzen vierten Quartal 2014 den Besitzer. Auf diesen Umstand hat der Medienverlag bereits reagiert: Das Magazin erscheint seit Beginn 2015 nicht mehr allwöchentlich, sondern nur noch alle 14 Tage.

Das Medienhaus unterzieht sich derzeit einem Wandel

Überhaupt unterzieht sich der Konzern derzeit einem Wandel: Die Hamburger wollen unter der 38-jährigen Verlegerin Yvonne Bauer, die das Familienunternehmen seit Ende 2010 in der fünften Generation leitet, vom reinen Zeitschriftenverkäufer zum internationalen Medienhaus werden. Darum investiert der Verlag derzeit kräftig in seine Hörfunk- und Digitalgeschäfte. So gab die Verlagsgruppe am Montag bekannt, in Skandinavien das Radiohaus SBS Discovery Radio für einen zweistelligen Millionenbetrag übernommen zu haben.

SBS Discovery Radio ist Marktführer in Schweden und Dänemark und belegt Rang zwei in Norwegen und Finnland. Durch die von den Kartellbehörden genehmigte Transaktion ist die Bauer Media Group nun mit knapp 100 Radiosendern Marktführer in vier europäischen Ländern und erreicht 23,6 Millionen Hörer täglich. „Durch die Übernahme der SBS-Gruppe wird die Bauer Media Group zum größten Radiohaus Europas“, sagte Verlegerin Yvonne Bauer, die sich damit auf die täglichen Hörerzahlen bezieht. „Die Akquisition von SBS Radio ist ein weiterer Baustein unserer Internationalisierungsstrategie“, so die Chefin weiter. „Jetzt auch in Skandinavien vertreten zu sein, unterstreicht unsere Ausrichtung als globales Medienhaus.“