Medienprojekte an der Hochschule Esslingen Soziale Verbundenheit in der Coronakrise

In der Corona-Krise läuft das Krimi-Dinner einfach online. Foto:  
In der Corona-Krise läuft das Krimi-Dinner einfach online. Foto:  

Soziale Distanz, so hieß und heißt es, seit das Coronavirus das Leben bestimmt. Medienprojekte der Hochschule Esslingen bringen allerdings Studenten, Schüler und Bürger zusammen.

Esslingen - Nach wie vor heißt es Abstand halten. Gemeinsame Konzertbesuche, Familienfeiern und Ausflüge mit Freunden sind nicht oder nur eingeschränkt möglich. Wie können während der Coronakrise gemeinsame Erlebnisse geschaffen, soziale Kontakte aufrecht erhalten und andere unterstützt werden – trotz räumlicher Distanz? Das haben 26 Bachelorstudenten der Sozialen Arbeit und Professorin Verena Ketter von der Hochschule Esslingen mit Hilfe von acht Medienprojekten erforscht. Die kleineren Projekte gehören zur sogenannten „Third Mission“: Für die Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege ist das die Vernetzung mit der regionalen Gesellschaft. „Ein Ziel der Sozialen Arbeit ist es, sich gesellschaftlich zu engagieren“, erläutert die Professorin. Wie das aussehen kann, zeigen drei Beispiele.

Der Lockdown im Frühjahr trifft auch den kleinen Sohn von Lucia Stella. Die Studentin entwickelt eines der Medienprojekte – ein PowerPoint-Quiz für Erstklässler der Burgschule Plochingen. Die Idee habe ihr Sohn gehabt, erzählt sie: „Er hat gesehen, dass ich viel am PC arbeite, das wollte er dann auch. Nach mehreren Fragen sagte er mir, dass er ein Quiz cool fände.“ Mit dem Quiz lernen die Kinder spielerisch den Umgang mit den neuen Medien und wiederholen den Stoff aus dem Schuljahr. Der Vorschlag kommt bei Mitschülern, Eltern und den Klassenlehrerinnen gut an. Auch Professorin Ketter gibt ihr Einverständnis und Lucia Stella bittet die Grundschulklasse Fragen, kleine Aufgaben und Rätsel zu erstellen. „Kurz danach haben mich viele Whatsapp-Nachrichten und E-Mails mit den Aufgaben erreicht, die die Kinder mit ihren Eltern versendet haben. Das waren so viele, dass es bald ein zweites Quiz geben wird“, freut sich die Studentin. Rund eine Woche habe sie gebraucht, um aus den eingesandten Fragen eine interaktive Präsentation zu erstellen. Das Quiz finden die Kinder jederzeit auf einer Lernplattform ihrer Schule. Lucia Stella ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Kinder haben Lust darauf, noch weitere Rätsel zu erstellen. Ein Schüler war so begeistert davon, dass er sogar einen Videoclip für das Quiz gedreht hat.“ Das zeige, dass bereits in der Grundschule Mediennutzung möglich sei.

Abwechslung und Bewegung während der Krise

Der Gesellschaft etwas zurückgeben und gleichzeitig etwas gegen die Vereinsamung in der Coronakrise tun – das möchte auch Paul Bruscella. Er organisiert mit drei Kommilitonen ein Online-Krimi-Dinner. Die acht Teilnehmer sind Freunde und Bekannte verschiedener Altersklassen. Auf die Idee gebracht habe ihn eine Freundin, die vor der Coronakrise bei einem Krimi-Dinner war: „Wir haben uns überlegt, das Dinner einfach online zu veranstalten. Wenn’s schief geht, geht‘s schief und wenn nicht, umso besser.“ Bis auf ein paar technische Probleme im Vorfeld habe alles gut funktioniert. „Den Älteren, die Schwierigkeiten hatten, haben wir mit Telefonaten weitergeholfen“, erklärt der Student. Das Online-Krimi-Dinner bringt alle virtuell an einen Tisch. Innerhalb von drei Stunden am Abend gilt es herauszufinden, wer den Manager der berühmten Popsängerin Miss Loco umgebracht hat. Die Lösung verrät Spielleiter Paul Bruscella erst in der vierten Runde beim Dessert. „Wir haben vorher Kochpakete an die acht Teilnehmer versendet. Darin waren neben dem Päckchen für Mousse au Chocolat und Nudeln auch Requisiten für die einzelnen Rollen. Jeder Teilnehmer hat sich als eine Figur aus der Krimigeschichte ausgegeben.“ Paul Bruscella, seine Kommilitonen und die anderen Teilnehmer sind sich einig: Es war ein schöner Abend, den sie wiederholen wollen – dann aber lieber im echten Leben.

Für mehr Abwechslung und Bewegung während der Krise möchten Nina Schick und Kim Ascher sorgen. Sie entwickeln eine Achtsamkeitsreise, eine Art Erlebnisweg durch Esslingen mit sechs Übungen. Die Gedankenimpulse können alle über die App Actionbound selbst erleben. „Wir wollten in unserem Projekt etwas erarbeiten, was den Menschen in Esslingen und Umgebung zu mehr Selbstachtsamkeit verhelfen kann“, erklären sie. Nina Schick und Kim Ascher wünschen sich, dass die Menschen, die den Weg nachgehen, mit freiem Kopf nach Hause zurückkehren und ihre Sorgen und Ängste für ein paar Stunden vergessen können. Professorin Verena Ketter hofft nun, dass das von- und miteinander Lernen, die gegenseitige Unterstützung und die soziale Verbundenheit die Coronakrise auch an der Hochschule Esslingen überdauern wird.

Weitere Informationen unter: actionbound.com/bound/Achtsamkeit2020




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