Meditativer Waldspaziergang Achtsamkeit unterm Blätterdach
Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes und dabei die innere Ruhe finden – am Samstag lud der Schwäbische Albverein in Frickenhausen dazu ein.
Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes und dabei die innere Ruhe finden – am Samstag lud der Schwäbische Albverein in Frickenhausen dazu ein.
Noch ist der Himmel über Linsenhofen wolkenverhangen, doch das schreckt die heitere Truppe, die sich an diesem Samstagmorgen vor der Otto-Maisch-Halle im Frickenhausener Ortsteil versammelt hat, nicht ab. Den Vormittag über werden sie sich auf eine kleine Wanderung durch die örtlichen Wälder begeben und mit allen Sinnen in diese eintauchen – „Waldbaden“ steht auf dem Programm. Angeleitet werden sie dabei von Regine Erb, Vizepräsidentin des Schwäbischen Albvereins und Kursleiterin für Streuobstwiesen- und Waldbaden.
Die Wanderung ist eine der „Sommertouren“, eine Kooperation zwischen Schwäbischem Albverein und unserer Zeitung. „Waldbaden“ – das ist ein Begriff von dem der eine oder andere vielleicht gehört hat. In der Gruppe ist es der Großteil. Was es aber eigentlich damit auf sich hat, das gilt es für die Teilnehmerinnen heute herauszufinden. „Waldbaden wollte ich schon immer mal machen“, sagt Teilnehmerin Susanne – unter Wandersleuten ist man per Du.
Die ersten Meter der Wanderung verlaufen noch mit Blick auf das Streuobstwiesen- und Weinbergpanorama der umliegenden Berghänge. Am Waldesrand angekommen beginnt dann der „besondere Spaziergang für Körper, Geist und Seele“, wie Erb es beschreibt. Unter einer großen Fichte versammeln sich alle für die erste meditative Einheit. Die gelingt am besten in einem bequemen Stand und mit geschlossenen Augen. „Beim Waldbaden sind wir ganz in der Gegenwart“, erklärt Erb. Es gehe darum, die Gedanken an gestern und morgen einfach einmal wegziehen zu lassen und die Aufmerksamkeit ganz auf das Hier und Jetzt zu richten.
Nachdem alle nun wirklich im Moment angekommen sind, geht es weiter am Waldrand entlang. Der Wald ist für viele in der Gruppe ein wichtiger Bezugspunkt und Ruheort. „Er tut der Seele gut“, sagt Teilnehmerin Elvira. Es sei einfach schön, im Wald spazieren zu gehen oder zu wandern. Vom Weg aus bietet sich ein Ausblick auf viele markante Punkte der Gegend wie den Beurener Felsen, die Festungsruine Hohenneuffen oder den Jusi, einer der „Schwäbischen Vulkane“. „Mir geht es bei einer Wanderung auch immer darum, dass wir uns ein wenig zu orientieren wissen“, sagt Erb.
Auf einem kleinen Trampelpfad geht es tiefer in den Wald hinein. Zwischen zwei eng stehenden Bäumen, die eine Art natürliches Tor bilden, beginnt für alle eine meditativer Abschnitt der Strecke. „Wandern und schwätzen ist super, aber es ist auch mal schön, in Stille zu gehen. Die Aufmerksamkeit verändert sich“, erklärt Erb. Die Unebenheiten des Waldbodens, das satte Grün der Blätter oder das Zwitschern der Vögel – in der Stille ändert sich der Fokus der eigenen Wahrnehmung. Auch dieser Zustand der Achtsamkeit ist Teil des Waldbadens.
Nach einigen Wegminuten geht es auf einen kleinen Abstecher wieder hinaus aus dem Wald. Auf dem Obstlehrpfad des Obst- und Gartenbauvereins Frickenhausens führt der Weg zwischen Birn- und Apfelbäumen, Mispeln oder Nussbäumen hindurch. Dieser kurze Ausflug ins Streuobstwiesenbaden bietet ganz andere Sinneseindrücke als noch zuvor im Wald wie den weichen Rindenmulch unter den Füßen oder den Geruch von manch überreifer Frucht. Besonders das „Gustävle“, eine Apfelsorte, erfreut sich bei der Gruppe dank seines Namens großer Beliebtheit. Und auch die „Linsenhöfer Renette“, eine lokale Zufallszüchtung, ist hier am Wegesrand vertreten. Die sehr abwechslungsreiche Szenerie und die vielen Eindrücke auf der Wanderung begeistern auch die Gruppe. „Das ist wirklich toll“, sagt Teilnehmerin Ilse.
Und als sei das Wetter von der allgemeinen Stimmung inspiriert worden, lässt sich am späten Vormittag schließlich auch die Sonne blicken. Doch für die Gruppe geht es erstmal wieder in den Wald. Nun dürfen die Teilnehmerinnen die „Brille der Aufmerksamkeit“ aufsetzen, wie man beim Waldbaden sagt, sagt Erb. Mit dieser sprichwörtlichen Brille soll der Fokus ganz auf den Farben des Waldes liegen. Das Weiß der Birkenrinde, das Braun-Grau der Buchenstämme, das Gelb einiger Blumen am Wegesrand und natürlich das Grün, das im Wald in verschiedenen Tönen allgegenwärtig ist. „Grün hat auch eine sehr beruhigende Wirkung auf Körper und Geist“, sagt Erb.
Am „Jagdhäusle“ wartet dann noch eine Stärkung auf die Wandersleute. Bei Tee, Honig und Marmelade lassen alle gemeinsam die Wanderung ausklingen und das Erlebte Revue passieren. Das Fazit der Gruppe ist einstimmig. „Es war eine wirklich schöne Runde.“