Medizin Begehrte Allgemeinmediziner

Von Wolfgang Borgmann 

Ausbildung In den vergangenen Jahren hat es an mehreren Unikliniken erfolgreiche Versuche gegeben, die Ausbildung zum Hausarzt an einem eigenständigen Lehrstuhl zu etablieren. Diese Neugründungen liefen zeitlich parallel zur der sich abzeichnenden Mangelversorgung durch hausärztliche Kassenpraxen vor allem auf dem Land. Lehrstühle für Allgemeinmedizin gibt es heute an einem Großteil der medizinischen Fakultäten: außer in Tübingen zum Beispiel in München, Erlangen und Düsseldorf. Dabei sind die betreffenden Lehrstühle in der Regel mit einem festen Netz qualifizierter Hausärzte verbunden, die als Lehrärzte den Studenten praxisnahe Fachkenntnisse vermitteln.

Zeitmangel Zehn bis 15 Minuten hat ein Hausarzt im Durchschnitt Zeit für Gespräche mit Kassenpatienten. Dies sei zu wenig, meint nicht nur die Tübinger Allgemeinarzt-Professorin Stefanie Joos. Dabei seien es in der Mehrheit Befunde wie Atemwegsinfekte, Nacken- und Rückenprobleme, aber auch psychische Probleme, Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck, die viel Zeit zur Beratung erforderten,betont die Medizinerin.

Lücke Etwa zehn Prozent eines Ausbildungsjahrgangs entscheiden sich nach Schätzungen der Universität Tübingen für die Spezialisierung zum Hausarzt, davon 70 Prozent junge Frauen. Dieser Anteil sei zu gering, findet Stefanie Joos. Vielmehr seien 25 Prozent notwendig, um die Lücke zu füllen, die durch die Altersentwicklung bei den Hausärzten entstehen wird.