Medizin Neue Therapieansätze bei Sodbrennen

Von Gerlinde Felix 

Es brennt wie Feuer: Wer unter Sodbrennen und Reflux leidet, ist nicht zu beneiden. Bei vielen Menschen helfen bestimmte Medikamente – aber nicht bei allen. Hier könnten künftig neue Therapieansätze segensreich wirken: eine OP durch den Mund oder das stimulierte Training des Magenschließmuskels.

Üppige Mahlzeiten und Alkohol begünstigen Sodbrennen. Foto: dpa
Üppige Mahlzeiten und Alkohol begünstigen Sodbrennen. Foto: dpa

Stuttgart - Etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben Sodbrennen und einen Rückfluss von säurehaltigem Mageninhalt in die Speiseröhre – die Mediziner sagen dazu Reflux. Treten die Beschwerden oft auf, spricht man von einer Refluxkrankheit, auch kurz GERD genannt (von Englisch: gastroesophageal reflux disease). Ältere Menschen haben oftmals atypische Symptome wie Heiserkeit, Husten und chronische Rachenentzündungen.

Refluxbeschwerden lassen sich medikamentös mit sogenannten Protonenpumpeninhibitoren (PPI) behandeln. Jüngere Menschen wollen mitunter aber nicht für den Rest ihres Lebens PPI einnehmen, weil diese die Magensäure komplett neutralisieren und zu Mangel an Vitamin B12 führen (siehe Infokasten). Zudem erhöht sich das Risiko für Osteoporose – und damit die Gefahr von Knochenbrüchen – signifikant. Ohne Magensäure kann der Körper nämlich schlechter Kalzium aus der Nahrung aufnehmen. Deshalb empfiehlt es sich, zusätzliche Kalziumpräparate einzunehmen.

Operation durch den Mund

Unterm Strich sprechen zudem etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten mit typischen Refluxsymptomen kaum oder gar nicht auf PPI an. Für einen Teil dieser Patienten könnten die Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie interessant sein, die kürzlich im Fachblatt „Gastroenterology“ veröffentlicht wurden. Es geht dabei um die sogenannte transorale, also über den Mund vorgenommene Fundoplicatio. Bei diesem chirurgischen Eingriff wird der obere Magenabschnitt sozusagen als Manschette um die untere Speiseröhre gelegt. Er kann als offene Operation erfolgen oder minimalinvasiv, also endoskopisch im Rahmen einer Bauchspiegelung oder neuerdings in Studien über den Mund. Bei der transoralen Methode wird ein spezielles Endoskop eingesetzt, dessen vorderes Ende zurückklappbar ist. Beim Zurückklappen wird ein Teil der Magenwand von außen an die Speiseröhre gedrückt. Klammern befestigen sie an der Speiseröhre. Die Manschette entsteht, indem sich das Endoskop dreht und viele Nähte setzt.

Die Mediziner starteten mit 696 Refluxpatienten und wählten schließlich 129 geeignete Patienten mit schweren Refluxsymptomen aus. Sie profitierten nur zum Teil von einer PPI-Einnahme. Die Patienten wurden auf zwei Gruppen verteilt: Bei den Patienten von Gruppe 1 erfolgte eine transorale Fundoplicatio mit anschließender sechsmonatiger Placeboeinnahme. Gruppe 2 wurde mit einer Endoskopie ohne Fundoplicatio pseudobehandelt, danach wurden sechs Monate lang PPI verabreicht.

Bedenken gegen Studienergebnisse

Nach sechs Monaten ergab sich folgendes Bild: 67 Prozent der Patienten aus Gruppe 1 berichteten im Vergleich zu 45 Prozent aus Gruppe 2, dass ihre GERD-Symptome deutlich gelindert sind und das Sodbrennen ganz weg war. Die Studie kam nun zu dem Ergebnis, dass die transorale Fundoplicatio eine wirksame Behandlung für alle Patienten sei, die trotz PPI-Einnahme noch Refluxbeschwerden hätten.

Der Gastroenterologe Joachim Labenz, Chefarzt am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen, gibt allerdings zu bedenken, dass das Verfahren nur für einen kleinen Patiententeil in Frage kommt: „Das Verfahren ist nicht die goldene Kugel für alle Refluxpatienten, sondern nur für einen sorgfältig ausgewählten Teil. Hat zum Beispiel jemand einen Zwerchfellbruch größer als zwei Zentimeter, ist das Verfahren nicht geeignet“, so der Mediziner.

Gefahr, dass Fäden reißen

Der Gastroenterologe Monther Bajbouj vom Klinikum rechts der Isar in München, der im Rahmen von Studien mit einem Chirurgen transorale Fundoplicatio-Eingriffe vornimmt, bemängelt zudem, dass bereits nach sechs Monaten Ergebnisse erhoben wurden. „Der Zeitraum ist viel zu kurz, man hätte zumindest zwei bis drei Jahre warten müssen, weil es sein kann, dass die gelegten Fäden reißen“, warnt Bajbouj. Auf die Langzeitergebnisse dieser Studie, sollten sie denn veröffentlicht werden, könne man gespannt sein, denn die Fäden seien in einem Bereich angebracht, wo es von Bauch und Brustkorb zu gegenläufigen Bewegungen käme. Zusätzlich kämen die Zwerchfellbewegungen dazu.

„Bei einer gut gemachten chirurgischen Fundoplicatio besteht dagegen kein Risiko, dass die Nähte reißen“, erläutert Bajbouj. Allerdings kann es dort schon einmal passieren, dass die Nähte zu eng gelegt sind mit der Folge, dass die Patienten Schluckstörungen und Probleme mit dem Aufstoßen von Luft haben.

Der Magenschließmuskel wird trainiert

In Studien wird derzeit noch ein zweites Verfahren untersucht, bei dem ein von außen programmierbarer Schrittmacher den unteren Schließmuskel, den Ösophagussphinkter, am Übergang zwischen Magen und Speiseröhre zum Beispiel nachts elektrisch stimuliert und so trainiert. In den Schließmuskel werden zuvor zwei Elektroden minimalinvasiv eingebracht, der Schrittmacher wird unter der Haut implantiert. Durch das Training wird der Ruhetonus des Schließmuskels, der bei vielen Refluxpatienten zu niedrig ist, erhöht. Außerdem kann es während des Trainings nicht mehr passieren, dass der Schließmuskel ohne ersichtlichen Grund zwischendurch zur Speiseröhre hin aufmacht.

In einer Pilotstudie mit 24-GERD-Patienten, die täglich PPI einnahmen, wurde festgestellt, dass sich die Lebensqualität der Studienteilnehmer deutlich erhöhte. Die Funktionsdiagnostik ergab verbesserte Werte. Wie oft der Schrittmacher mit welchen Trainingszeiten aktiv wurde, hing von den jeweiligen Beschwerden der Patienten ab. Bereits nach drei Monaten war die Entzündung der Schleimhaut bei 56 Prozent der Patienten etwas zurückgegangen. Nach insgesamt sechs Monaten nahmen 91 Prozent keine PPI mehr ein. Der Prozentsatz stieg nach sechs weiteren Monaten auf 96 Prozent. „Der Schrittmacher-Ansatz zerstört keine Strukturen, was sehr vorteilhaft ist“, bilanziert Labenz. Allerdings sieht er das bislang in Studien durchgeführte Verfahren „nur für Patienten geeignet, die nicht auf PPI ansprechen und nur einen kleinen Zwerchfellbruch haben“.

Darüber hinaus hat der Siegener Chefarzt noch einen guten Rat parat: „Refluxpatienten gehören in die Hand erfahrener Leute.“ GERD sei ein interdisziplinäres Krankheitsbild, bei dem Ernährungsmediziner, Chirurgen, Spezialisten für Diagnostik und Gastroenterologen eng zusammenarbeiten sollten. „Doch leider gibt es diese Zusammenarbeit nur selten“, bedauert Joachim Labenz.