Medizin und Gesundheit Männer leiden mehr unter Erkältung als Frauen

Von cas/dpa 

Häufig sehen sich erkältete Männer dem Spott ihrer Frauen ausgesetzt, weil sie sich wegen ihres „Männerschnupfens“ furchtbar anstellen. Doch nun ist es wissenschaftlich erwiesen: Männer sind von Infekten tatsächlich stärker betroffen als Frauen.

Bei einer Erkältung gehen Männer oft vom Schlimmsten aus. Foto: dpa
Bei einer Erkältung gehen Männer oft vom Schlimmsten aus. Foto: dpa

Stuttgart - Die Erkältungswelle hat den Südwesten noch immer fest im Griff und besonders davon betroffen sind natürlich – die Männer. Sie jammern bei Schnupfen, Husten und Heiserkeit ganz besonders und ernten dafür bei ihren Frauen meist nur Spott, wenn der berühmte Männerschnupfen wieder zugeschlagen hat. Dabei leiden die Männer völlig zurecht, haben Wissenschaftler nun herausgefunden.

Denn tatsächlich Männer erkranken im Vergleich zu Frauen häufiger und schwerer an Infekten. Das hat laut SWR jetzt sogar eine Frau bestätigt: Beatrix Grubeck-Loebenstein vom Institut für Biomedizinische Alternsforschung an der Universität Innsbruck hat mehrere Studien zu dem Thema verglichen. Demnach funktioniert das Immunsystem der Frauen besser als bei den Männern. Das Hormon Östrogen – von dem Frauen deutlich mehr besitzen als Männer – schützt beispielsweise vor Infektionen.

 

 

Je höher der Testosteronspiegel, desto häufiger erkranken Männer

Auch eine Forschungsgruppe der Stanford Universität stellte fest: Nach einer Grippeimpfung wurden bei Frauen deutlich mehr Antikörper gefunden als bei Männern. Je höher der Testosteronspiegel, desto weniger Antikörper. Das Immunsystem von Frauen reagiert demnach stärker als das von Männern. Der Grund dafür sind einer Studie zufolge Gene, deren Aktivität wahrscheinlich durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst wird.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Wirksamkeit und auch Nebenwirkungen von Impfungen bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfallen können. Dabei waren zum Beispiel Vakzine gegen Grippe, Gelbfieber, Masern und Mumps untersucht worden. Der neuen Studie zufolge produzierten die Frauen als Reaktion auf die Grippe-Impfung mehr Antikörper und auch mehr Zytokine. Das sind Eiweiße, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Am deutlichsten waren die Unterschiede beim Impfstoff gegen den aggressiven Grippe-Erreger H3N2.

Frauen zeigen stärkere Immunantwort

Die Forscher konnten die unterschiedliche Reaktion auf eine Gruppe von Genen zurückzuführen, die mit Fett-Stoffwechsel zu tun hat. Diese Gene sind aber auch dafür bekannt, an einer verminderten Immunantwort beteiligt zu sein. Sie reagieren verstärkt auf das männliche Sexualhormon Testosteron, wie die Autoren schreiben. Dazu passe, dass in den Versuchen Männern mit erhöhtem Testosteronspiegel eine schwächere Immunantwort auf die Grippe-Impfungen zeigten. Frauen hätten allgemein eine stärkere Reaktion als Männer, aber die Ursache sei bisher unklar gewesen, schreiben die Forscher.

Testosteron als Immundämpfer bei Männern könnte in der Entwicklungsgeschichte eventuell Vorteile geboten haben, spekuliert Davis: Es könnte das Immunsystem der häufig von Verletzungen und Infektionen bedrohten Männer vor Überreaktionen bewahrt haben.