Medizin Wo das Hantavirus haust

Infizierte Rötelmäuse können das Hantavirus auf den Menschen übertragen. Foto: dpa
Infizierte Rötelmäuse können das Hantavirus auf den Menschen übertragen. Foto: dpa

Vor allem in Baden-Württemberg gab es in der Vergangenheit einige Infektionen mit dem Hanta-Virus. Warum ist das eigentlich so? Und wie ist die Prognose für dieses Jahr?

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Stuttgart - Der Hantavirus dürfte vielen noch ein Begriff sein: im Jahr 2012 gab es in Baden-Württemberg Epidemien, die Experten zufolge in dieser Größenordnung bislang unvorstellbar waren. Schlagzeilen machten die Infektionen daraufhin bundesweit.

Bei der letzten Epidemie im Sommer 2012 erkrankten alleine in Baden-Württemberg 1750 Personen an dem von der Rötelmaus übertragenen Hantavirus. Nahezu 50 Prozent aller Rötelmäuse waren zu der Zeit mit dem Virus infiziert und schieden ihn über Kot, Speichel oder Urin aus – ohne selbst zu erkranken. Da der Virus auf den Mensch überspringen kann, wird die Krankheit von Experten Zoonose genannt. Eine Fallstudie des Landesgesundheitsamtes ermittelte im Nachgang der Epidemie, dass viele der Erkrankten eine Gemeinsamkeit aufwiesen: Sie hatten sich zuvor entweder in Grillhütten aufgehalten – oder in der Nähe für ein Picknick.

Da Rötelmäuse am liebsten im Wald oder am Waldrand leben, wählen sie wiederum Grillhütten gerne zum Überwintern. Der Kot, Speichel oder Urin, den infizierte Mäuse dabei zurücklassen, kann zu einer echten Gefahrenquelle für den Menschen werden, zum Beispiel, wenn er die Erreger einatmet. Eine gute Prophylaxe wäre Experten zufolge beispielsweise, Grillhütten vor der Saison zu desinfizieren.

Gefahrenquellen im Wald

Eine Ansteckung kann aber auch beim Laub rechen, Holz stapeln, Keller- oder Garage putzen sowie beim Fegen von Balkon, Gartenhaus oder Terrasse passieren – hauptsächlich gilt das für Menschen, die am Waldrand leben. Wald- oder Feldarbeiter sind ebenfalls besonders gefährdet. Ein Mundschutz bei allen Tätigkeiten, die Staub aufwirbeln können, ist Experten zufolge besonders ratsam, wenn die Gefahrenquelle nicht gemieden werden kann. Laut dem Robert-Koch-Institut, welches die Meldungen zu Erkrankungsfällen analysiert, leiden im Durchschnitt 500 Menschen pro Jahr an einer Hantavirus-Infektion. Die Zahlen sind allerdings jährlich großen Schwankungen unterworfen. In Deutschland ist die Infektionskrankheit jedenfalls meldepflichtig.

Die Inkubationszeit, die Zeit also zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Symptome, beträgt normalerweise zwei bis vier Wochen. Viele Menschen, die sich anstecken, bemerken davon gar nichts, weil ihr Immunsystem mit den Erregern alleine fertig wird. Bei einem Teil der Infizierten stellen sich aber Symptome wie hohes Fieber sowie Bauch- und Rückenschmerzen ein. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Nierenversagen kommen.

Verbreitung des Hantavirus

Der Hantavirus findet auf der ganzen Welt Verbreitung, allerdings gibt es unterschiedliche Virustypen in den jeweiligen Ländern. Ganz schwere Verläufe mit inneren Blutungen sind bislang aus Jugoslawien bekannt: Dort sind Gelbhalsmäuse Träger des Virus, das auf den Menschen übergehen kann. Diese Gelbhalsmäuse gibt es zwar auch in Deutschland, dem Parasitologen Peter Kimmig von der Universität Hohenheim zufolge sind sie aber noch nicht infiziert. Doch wieso tritt der Hanta-Virus in seiner jetzigen Form in Baden-Württemberg überhaupt so häufig auf? Peter Kimmig kann es erklären: „Das hängt sicher auch mit der Buchenmast zusammen. Je mehr Buchen es in einer Region gibt und je mehr Früchte diese tragen, desto mehr Rötelmäuse gibt es“, sagt der Parasitologe. Im Jahr 2012 gab es daher eine Rötelmausschwemme, was den Schluss zulässt, dass 2011 ein gutes Buchenfrüchtejahr war. Im Jahr 2013 gab es dagegen keine Hantavirus-Epidemie – was sich so interpretieren lassen könnte, dass die Buchen 2012 weniger Früchten trugen und es daher auch weniger Rötelmäuse gab.

In der Vergangenheit musste häufig auch der „milde Winter“ als Erklärungsmodell herhalten, wenn Experten Scharen von Schädlingen prognostizierten. Der Parasitologe sieht da jedoch keinen Zusammenhang. „Das ist zu einfach gedacht. Stärker ins Gewicht fällt, dass sich die Menschen bei milden Temperaturen verstärkt draußen aufhalten und daher auch eher dem Risiko ausgesetzt sind.“ Eine Prognose für 2014 kann der Experte nicht abgeben. Er vermutet aber einen milden Verlauf.

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