Mediziner in Stuttgart In Degerloch gibt es bald drei neue Arztpraxen

Von Tilman Baur 

Die Baugenossenschaft Flüwo hat ein Bürogebäude in Stuttgart-Degerloch zum Gesundheitshaus mit drei Arztpraxen umgebaut. Doch etwas ist anders als bei klassischen medizinischen Versorgungszentren.

Ärztezuwachs an der Löffelstraße: Am 1. Juni will die Flüwo die Schlüssel an die drei neuen Pächter übergeben. Wann die Praxen eröffnen, ist noch nicht geklärt. Foto: Tilman Baur
Ärztezuwachs an der Löffelstraße: Am 1. Juni will die Flüwo die Schlüssel an die drei neuen Pächter übergeben. Wann die Praxen eröffnen, ist noch nicht geklärt. Foto: Tilman Baur

Degerloch - Das dunkle Backsteingebäude direkt gegenüber des Busbahnhofs am Albplatz sieht eigentlich schon bezugsfertig aus. Einige Monate wird es aber noch dauern, bis es soweit ist. Am 1. Juni will der Bauherr, die in Degerloch ansässige Baugenossenschaft Flüwo, die Schlüssel an die künftigen drei Pächter übergeben. Einziehen werden dann drei Ärzte, genauer gesagt ein Zahnarzt, ein Allgemeinarzt und Internist sowie ein Psychotherapeut. Es entsteht also eine Art Gesundheitshaus in Degerloch.

In den vergangenen Monaten musste die Flüwo dafür einige Hebel in Bewegung setzen. Denn das Gebäude gehörte ursprünglich der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, die es als Gewerbefläche vermieten wollte. Vor zwei Jahren kaufte die Flüwo das Haus für eine Summe, über die Stillschweigen vereinbart wurde, und entwickelte ein eigenes Konzept. Für die Arztpraxen musste man die Fläche umplanen, eine Nutzungsänderung beantragen und umbauen, erklärt Flüwo-Sprecher Dominik Ottmar. Die Planungen dafür stammen aus der Feder des Feuerbacher Büros Schwarz Architekten. Der Umbau soll im zweiten Quartal dieses Jahres vollzogen sein. Wann die Ärzte nach der Übergabe im Juni ihre Praxen eröffnen, sei allerdings noch nicht geklärt, sagt Dominik Ottmar.

Kein klassisches Versorgungszentrum

Einrichtungen, in denen mehrere Ärzte unter einem Dach zusammenarbeiten, führen bisher zwar noch ein Nischendasein, sind aber stark im Kommen. Die rechtlich selbstständigen Einrichtungen sind auch unter dem Begriff Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bekannt. Darunter versteht man fachübergreifende, ärztlich geleitete Einrichtungen, bei der mindestens zwei Ärzte mit unterschiedlichen Schwerpunkten ihren Patienten eine Versorgung anbieten.

Genau darin unterscheiden sie sich jedoch vom Degerlocher Gesundheitshaus, das laut Ottmar kein MVZ im Sinne des Gesetzgebers ist. Der Unterschied: die Praxen arbeiten nicht zusammen, sondern sind autark. Das Haus biete Raum für drei selbstständige Praxen, erläutert Ottmar. „Gleichwohl haben wir bei der Auswahl der Ärzte auf eine gute Durchmischung der Fachrichtungen geachtet, um Konkurrenzsituationen auszuschließen und ein gutes Angebot für die Patienten zu schaffen“, sagt der Sprecher. Damit werde das Gesundheitshaus einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Degerlocher und darüber hinaus leisten. Neben der Anbindung durch den ÖPNV entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft eine Tiefgarage mit 38 Plätzen.

In Degerloch passiert aktuell noch mehr

Die Flüwo wird ihre Präsenz an der Löffelstraße in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen. Im Zuge des umstrittenen Abrisses und Neubaus von drei Mietwohnhäusern an der Gohl- und der Albstraße zieht die Wohnbaugenossenschaft mit ihrem Hauptsitz von dort an die nahe gelegene Bundesstraße, wo sie vor knapp zwei Jahren direkt neben dem Gesundheitshaus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall ein 3500 Quadratmeter großes Areal abgekauft hat.

Ein bauliches Großprojekt entsteht in den kommenden Jahren außerdem einige Meter weiter stadtauswärts an der Löffelstraße. Der Freiburger Bauträger Unmüssig plant drei miteinander verbundene Bürogebäude, in denen bis zu 800 Arbeitsplätze entstehen sollen, sowie eine dreigeschossige Tiefgarage mit 850 Stellplätzen.

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