Medizinkonzept für Rems-Murr-Kliniken Klinikchef setzt auf weiteres Wachstum

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Das Krankenhaus in Schorndorf soll erhalten werden. Dort, wie auch in Winnenden, müssten allerdings die Kapazitäten erweitert werden, wenn die wirtschaftliche Prognose für das geplante medizinische Konzept aufgehen soll.

Sowohl in der  Klinik in Schorndorf als auch in Winnenden sollen weitere Bettenkapazitäten geschaffen werden. Foto: Gottfried Stoppel
Sowohl in der Klinik in Schorndorf als auch in Winnenden sollen weitere Bettenkapazitäten geschaffen werden. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Die Sanierung des Krankenhauses in Schorndorf und die gemeinsame Weiterentwicklung mit der Klinik in Winnenden sei inhaltlich und wirtschaftlich die einzig sinnvolle Zukunftsperspektive für die stationäre medizinische Versorgung im Rems-Murr-Kreis. So lautet die zentrale Botschaft, die der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, Marc Nickel, zurzeit verbreitet. Nach internen Runden im Aufsichtsrat der Kliniken und bei einer Klausurtagung des Kreistags hat der Krankenhausdirektor die Ergebnisse einer gut einjährigen Untersuchung für die künftige Konzeption am Montag in Backnang der Presse vorgestellt.

Beleuchtet worden ist in der Expertise, an der laut Nickel rund 100 Personen beteiligt waren, auch je ein Szenario mit einem Neubau des Krankenhauses in Schorndorf beziehungsweise dessen Schließung. Beide Varianten werden in dem mehr als 230 Seiten starken Gutachten, das den Kreisräten am Freitag vorgelegt wurde, jedoch als unrealistisch dargestellt.

Die „Schwarze Null“ wird nie erreicht werden

Auch mit dem von der Klinikleitung und wohl auch von dem Landrat Richard Sigel favorisierten Konzept, über das der Kreistag am 24. April endgültig entscheiden soll, werden die Kliniken allerdings weiterhin am Tropf des Landkreises hängen. Während für die kommenden Jahre noch größere zweistellige Millionenbeträge zum Ausgleich des Krankenhausdefizits prognostiziert werden, soll sich das Defizit bis zum Jahr 2024 auf 5,5 Millionen Euro reduzieren. Die vom Landrat vorgegebene Zehn-Millionen-Euro-Marke könnte ein Jahr zuvor durchbrochen werden. Die ursprünglich einmal anvisierte „Schwarze Null“ wird den Prognosen zufolge indes nie erreicht.

Grundvoraussetzung für die Reduzierung des Defizits ist indes ein weiteres Wachstum an beiden Standorten. Ein solches wird in dem Gutachten auch von den Frankfurter Wirtschaftsprüfern Pricewaterhouse Coopers (PWC) als realistisch eingestuft, allerdings muss dazu investiert werden. Die Klinikleitung geht davon aus, dass zusätzlich zu den Sanierungs- und Instandhaltungskosten in Schorndorf, die auf 46 Millionen Euro taxiert werden, in den nächsten acht Jahren an beiden Standorten 69 Millionen Euro in die Hand genommen werden müssen. Das Ziel ist, sowohl in Winnenden als auch in Schorndorf durch Erweiterungsbauten zusätzliche Bettenkapazitäten zu schaffen. Weil dies insbesondere in Winnenden wegen der örtlichen Bedingungen nicht so schnell möglich erscheint, will man sich interimsweise mit Modulbauten behelfen. Laut Nickel soll der Kreistag über alle Investitionen dank eines gestaffelten Freigabeverfahrens stets die Kontrolle behalten.

Bange Frage: Was sagt das Das Sozialministerium?

Ein Fragezeichen steht freilich noch dahinter, wie die Kostenträger und das Stuttgarter Sozialministerium die Wachstumspläne goutieren. Schließlich hat der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) bereits angekündigt, dass er eher die Schließung von mehreren Klinikstandorten im Südwesten für den richtigen Konsolidierungsweg der kränkelnden Gesundheitsversorgung hält. Doch da sehen Geschäftsführer Nickel und Landrat Sigel die Statistik aufseiten des Rems-Murr-Kreises. In der Kategorie Betten pro Einwohner rangiere der Rems-Murr-Kreis auf Platz 40 von 44. Nickel: „Weiter auszudünnen, wäre bei uns nicht verantwortbar.“

Gleichwohl müsse man das Ministerium von der Medizinkonzeption überzeugen, das ist auch dem Landrat Richard Sigel klar. Zuvor hofft er deshalb auf ein möglichst einhelliges Votum des Kreistags. Sigel: „Die Krankenhausmannschaft ist überzeugt von dieser Marschrichtung – jetzt liegt es am Kreistag, sich zu entscheiden, ob er diesen Weg so freigeben will.“ Eines hingegen stehe schon jetzt durch das Gutachten über allem fest: „Eine gute Medizinversorgung wird es nicht zum Nulltarif geben. Das Krankenhaus wird immer ein Zuschussbetrieb bleiben.“




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