Meeresschutz Höhere Wertschätzung dank der Nizza-Konferenz

Bettina Taylor setzt sich für Meeresschutz ein. Foto: © BIRGIT WINGRAT FOTOGRAFIE, 2021

Die Biologin Bettina Taylor, Leiterin des Meeresschutzbüros des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), sieht einen Hoffnungsschimmer für die Ozeane.

Frau Dr. Taylor, vergangene Woche endete die dritte UN-Ozean-Konferenz in Nizza. Sie waren dabei, wie ist Ihr Fazit?

 

Die Konferenz bot die Chance, den Schutz unserer Meere und Ozeane viel höher auf die politische Agenda zu bringen. Das ist aus unserer Sicht auch gelungen. Ein besonderes Momentum hatte die Konferenz bei weiteren Ratifizierungen für das UN-Hochseeschutzabkommen. Zwar ist die notwendige Anzahl von 60 Ratifizierungen noch nicht erreicht, es gilt aber als sicher, dass dieses Ziel bis zur UN-Generalversammlung im September 2025 erfüllt wird. Damit wäre für den Schutz der Hochsee ein wichtiger politischer Durchbruch erreicht. Dass die Meere eine höhere Wertschätzung erfahren, das ist in Nizza zum Teil geglückt.

Für Schlagzeilen sorgte , dass US-Präsident Donald Trump den Tiefseebergbau vorantreiben will. Lassen sich solche Pläne stoppen?

In Nizza haben zahlreiche Staaten ihre ernsten Bedenken zur Ausbeutung der Tiefsee zum Ausdruck gebracht, aber es schlossen sich nur vier weitere Länder der Forderung nach einem Moratorium an, einer „vorsorglichen Pause“, wie sie auch Deutschland unterstützt. Derzeit lehnen damit insgesamt 37 Staaten den Beginn von Tiefseebergbau zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Meeresschutz gilt unter den Vereinten Nationen weitgehend als freiwillige Maßnahme. Gab es neue Selbstverpflichtungen in Nizza?

Neue Selbstverpflichtungen von Deutschland und anderen EU Staaten gab es nur wenig, viel eher wurden bereits bestehende Vorhaben und Versprechen als neu verkauft. Gerade beim Thema Schutzgebiete und der sozial-ökologischen Transformation der Fischerei haben wir konkrete Maßnahmen und Zeitpläne vermisst. Zwar wurde viel über das Ziel der Biodiversitätsstrategie gesprochen, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meere zu schützen, und davon ein Drittel streng. Es sind aber von den EU-Staaten kaum konkrete Schritte genannt worden, wie das in der kurzen, verbleibenden Zeit bis 2030 erreicht werden soll.

Wie bringt sich Deutschland beim Meeresschutz ein? Tut die neue Bundesregierung genug?

Trotz positiver Initiativen gibt es noch großen Handlungsbedarf. Die Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee müssen endlich wirksam geschützt werden. Noch immer sind große Flächen durch die umweltschädliche Grundschleppnetzfischerei bedroht, die dringend verboten werden sollte. Andere Länder gehen hier mit gutem Beispiel voran. So hat Großbritannien in Nizza angekündigt, weitere Meeresschutzgebiete für die Grundschleppnetzfischerei zu schließen. Mein Umweltverband – der BUND – hat eine Petition zum Schutz der Doggerbank in der Nordsee laufen, das ist die größte Sandbank in der Nordsee, ein ökologisch hochsensibles Gebiet, in dem die Grundnetzschlepperei vollständig verboten werden sollte. Auch darf der Ausbau der Windenergie off-shore nicht zulasten bedrohter Arten gehen.

Meeresbiologin

Biologin
  Bettina Taylor studierte Biologie an der Universität Hannover und der University of Glasgow, sie promovierte anschließend am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen zu Nährstoffkreislaufen in Mangroven.

Schutz
Seit 2014 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Meeresschutzbüro des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands e.V. (BUND) zu diversen Themen im Bereich des deutschen und internationalen Meeresschutzes. Zurzeit ist sie auch Vorsitzende des Ostsee-Dachverbandes Coalition Clean Baltic (CCB). Seit Januar 2025 hat Taylor die Leitung des BUND-Meeresschutzbüros übernommen.  

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