„Meet the Bomb“-Konzerte Das ist die Bombe aus der Gerlinger Telefonzentrale

Im legendären Gerlinger Proberaum: Steffen Franke von der Musikinitiative Gerlingen (rechts) und der städtische Jugend-Abteilungsleiter Andreas Lux. Foto: Simon Granville

Eine besondere Konzertreihe hat sich über die Jahre in Gerlingen etabliert: „Meet the Bomb“ mit bislang 25 Ausgaben. Das Konzept hat sich bewährt – und eine lange Geschichte.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Da liegt sie, die Bombe. Zum Glück ist das dicke runde Ding in der Sitzecke des legendären Gerlinger Proberaums kein echter Sprengsatz, sondern aus bemalter Pappmaché. „Das ist das Erkennungszeichen der Musikinitiative Gerlingen“, sagt Steffen Franke, nachdem er die Tür aufgeschlossen hat. Der 60-Jährige ist Mitbegründer der Musikinitiative (kurz MIG), auf deren Konto seit vielen Jahren unter anderem die „Meet the Bomb“-Konzertreihe geht – und noch so viel mehr.

 

Reihe feierte 2011 Premiere

„Bombenmusik“ im Jugendhaus Gerlingen

Als – natürlich – „Bombenmusik“ bezeichnet Steffen Franke das, was bei den Konzerten im Jugendhaus B15 geboten wird. Jüngst ging die 25. Ausgabe über die Bühne, mit Stngry Stv, Motorcity Rockets und Kill the Machine. In der Regel gibt es die Gigs zweimal im Jahr. „Im Frühjahr und im Herbst“, sagt Franke, „im Sommer ist es dagegen eher schwierig.“ 2011 feierte die Reihe ihre Premiere. Oxxon, Ratakresch und Nachtspaziergang müssten die Bands gewesen sein, die dabei die Bretter enterten.

Das Prinzip ist seitdem immer gleich: Jugendhaus B15, Freitagabend, 19 Uhr, drei Bands, jede spielt 45 Minuten, spätestens um 24 Uhr ist Feierabend. Die Musik muss rocken, vor allem Punkrock steht im Fokus. Und die Papp-Bombe ist als Bühnenrequisit immer mit am Start. Aktuell laufen im MIG-Team die Planungen und die Bandauswahl für Konzert Nummer 26, das im Herbst steigen soll.

Blick in die andere Richtung, in die Vergangenheit. Denn die „Meet the Bomb“-Geschichte hat ihren Ursprung eigentlich schon weit vor dem Jahr 2011. Die Musikinitiative Gerlingen existiert bereits seit 1985. „Die Band Patinoir, in der ich damals gespielt habe, hat als erste in Gerlingen hier einen Proberaum bekommen“, erinnert sich Schlagzeuger Steffen Franke. Der Raum am Gerlinger Schulkomplex existiert noch heute – einst war er die Telefonzentrale für die Stadt, später der Umkleidebereich für die beiden Handballplätze auf der anderen Wegseite. Das alles sei in enger Zusammenarbeit mit der Stadt entstanden. Noch heute ist die Verwaltung in Person von Jugend-Abteilungsleiter Andreas Lux als Unterstützerin dabei. Die Kommune stellte einst in unmittelbarer Umgebung noch vier weitere Räume zur Verfügung. Konzerte im nahen Jugendhaus waren schon damals nicht eben selten, schließlich existiert das B15 bereits seit 1982. „Das Jugendhaus unterstützt uns bei den ‚Meet the Bomb’-Konzerten“, betont Franke, „die Vorgabe ist nur, es günstig zu halten.“ Anfangs kostete der Eintritt 5 Euro, inzwischen liegt er bei 9 Euro an der Abendkasse, 7 Euro im Vorverkauf.

Das Gerlinger Jugendhaus existiert seit 1982

Schauplatz: Im Jugendhaus B15 steigen die „Meet the Bomb“-Konzerte. Foto: Simon Granville/ 

Dass Gerlingen in den 1990ern eine Hochburg der Punk- und Alternative-Rock-Szene gewesen ist, dürfte nicht mehr jedem geläufig sein. Von 1991 bis 1999 gab es im Krummbachtal das Gerlinger Open Air, wo zu Hochzeiten vor 4000 Menschen Größen wie Wizo, The Idiots, Phantoms of Future und die Spermbirds gastierten. „Und die Ryker’s“, erinnert sich Steffen Franke schmunzelnd an die Hardcore-Band aus Kassel, „das war die einzige Band, die mit dem Nightliner gekommen ist.“ Denkwürdig war auch die Ankunft der damals superbekannten Phantoms of Future, die sich mit dem Helikopter bis zur Bosch-Zentrale einfliegen ließen und dann mit Eskorte zum Festivalgelände gekarrt wurden.

Mit dem Helikopter eingeflogen

1999 war Schluss mit dem Open Air, das unter anderem vom Stadtjugendreferat mitorganisiert wurde. Orkan Lothar hatte die Veranstaltungsstätte verwüstet, im Anschluss kam man nicht mehr mit dem Besitzer der Fläche überein. Danach herrschte gut zehn Jahre Stille, im wahrsten Sinne des Wortes. Bis 2011, als die Bombe erstmals gezündet wurde – ohne Nightliner, Hubschrauber und Punkrockstars. „Geld zahlen können wir den Bands eigentlich nicht“, so Franke, „höchstens die Fahrtkosten, wenn sie von weiter weg kommen.“ Generell solle aber mindestens eine Gerlinger Band spielen.

Kontakte zählen mehr als Gagen

Was für viele mehr zählt als Geld, ist die traditionelle Aftershowparty im Proberaum, mit Bands und Veranstaltern. „Es ist wichtig, zusammenzuhocken und Deals auszuhandeln“, sagt Steffen Franke, „so funktioniert Musik.“ Der Zusammenhalt unter den Gerlinger Bands wurde 2010 auch beim Hochwasser gestärkt, bei dem der Proberaum komplett absoff und alle beim Aufräumen anpackten. Connections gibt aber auch ohne Flut: zum Beispiel über Mischer Michael Reuss, der auch im Stuttgarter Goldmark’s und im Schocken bei Konzerten für den Sound sorgt.

Allgemein sollen sich über die Konzerte und die Initiative auch mehr Jugendliche für Musik begeistern. „Früher gab es auch mal ein Schülerband-Festival“, sagt Steffen Franke, „sowas könnten wir uns auch wieder vorstellen.“ Auch ein Schlagzeug-Workshop solle wiederkehren.

„Meet the Bomb“: ein Rückblick

Bands
Die Gerlinger Lokalmatadore Sokae haben schon häufig beim „Meet the Bomb“ gespielt, Oxxon ebenso. Mit dabei waren auch schon das Metal-Duo Krashkarma um Wizo-Bassist Ralf Dietel, Schmutzki, Antiheld – und viele, viele mehr.

Nächster Termin
Das nächste „Meet the Bomb“ findet am 7. November statt.

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