Der Elternbeirat der Fuchshofschule klagt über schlechtes Klima und Baulärm. Foto: Simon Granville
Lärm einer nahen Großbaustelle, schlechtes Klima in der Vorzeigeschule: Davon berichten Lehrer und ein Elternsprecher. Bei der Stadt Ludwigsburg sieht man allerdings kein Problem.
Bagger, Lastwagen, Presslufthämmer – diese und andere Gerätschaften sind zwar nötig, um Häuser entstehen zu lassen, sie machen aber auch Lärm. Und im Falle einer so großen Baustelle wie für das Ludwigsburger Neubaugebiet Fuchshof, das derzeit im Osten der Stadt entsteht, sogar jede Menge davon. Seit Juli laufen dort die Bauarbeiten. Das Projekt ist von langer Hand geplant, in einigen Jahren sollen in den hier entstehenden Wohnblocks 1300 Menschen ein Zuhause haben. Es ist die derzeit größte Baustelle der Stadt.
Zum Glück gab es noch keine gefährlichen Situationen
In der Fuchshofschule, die direkt daneben liegt, hatte man die bevorstehende Mega-Baustelle mit Sorge betrachtet. Für die rund 600 Schülerinnen und Schüler hat jüngst das neue Schuljahr begonnen. Gefährliche Situationen zwischen Schülern und Baufahrzeugen oder Verkehrschaos durch an- und abfahrende Sattelschlepper und Co. sind zwar ausgeblieben, wie Uwe Gross, der Vorsitzende des Elternbeirats der Fuchshofschule, berichtet. Allerdings gebe es nun zwei andere Probleme, die miteinander zusammenhängen.
Das eine ist der Baustellenlärm. Zwar ist der erst im vergangenen Jahr bezogene Neubau der Fuchshofschule topmodern ausgestattet, er ist ein richtiges Vorzeigeprojekt. Neben schallisolierten Fenstern gibt es zum Beispiel eine CO2-gesteuerte Lüftungsanlage, eine sogenannte adiabate Kühlung der zugeführten Frischluft sowie eine Verschattung für die Fenster sowie die Oberlichter. Theoretisch wäre der Baulärm daher auch kein Problem für die Schüler – ganz altmodisch die Fenster zu öffnen wäre ja nicht nötig. „Leider funktionieren aber sowohl die Lüftungsanlage als auch die Verschattung nicht richtig“, sagt Uwe Gross. Was zur Folge hat, dass die Lehrer die schalldichten Fenster doch öffnen müssten. „Dann kommt zwar gute Luft herein, aber auch der Lärm.“ Lehrer und Schüler würden unter dem Lärmpegel leiden. „Wir haben von Eltern und Kindern gehört, dass es wirklich schlimm ist.“
Fuchshofschule: Elternbeirat und Stadt widersprechen sich
Die Fuchshofschule liegt direkt an der Großbaustelle. Foto: Simon Granville
Unsere Redaktion hat die Stadt Ludwigsburg um eine Stellungnahme gebeten. Der Tenor der Antwort: Es gebe gar kein Problem. „Die Lüftungsanlage in der Fuchshofschule hat immer funktioniert“, so die Stadtsprecherin Meike Wätjen. Wie vorgesehen, sauge die Anlage Außenluft an und verbrauchte Luft aus den Räumen ab – und zwar immer dann, wenn ein bestimmter CO2-Wert erreicht sei.
Lediglich der Tausch von Patronen für die Osmoseanlage, welche das Wasser für eine sogenannte adiabate Kühlung der Luft reinigt, sei in den Sommerferien nötig gewesen. „Dies funktioniert nun wieder in vollem Umfang“, sagt Meike Wätjen. Bei der Verschattung der Oberlichter werde die Stadt aber eine „Optimierung in die Wege leiten“.
Der Elternbeiratsvorsitzende Uwe Gross widerspricht der Darstellung der Stadt allerdings: „Mag sein, dass die Anlage technisch gesehen funktioniert. Aber das Klima ist in der Schule trotzdem nicht auszuhalten. Vor allem, wenn die Sonne scheint.“ Besonders die Luftqualität sei noch immer schlecht. „Und von der Stadt selbst war niemand vor Ort, um das zu überprüfen.“
Die Baustelle am Fuchshof in Ludwigsburg wird eine Weile bestehen
Eine Anfrage an die Schule zeigt: Ob die Lüftung und die Kühlung funktionieren, ist auch dort umstritten. Eine Lehrerin berichtet, im Sommer sei das Thermometer in einem der Räume auf 28 Grad geklettert. Aber auch jetzt, nach der mutmaßlichen Reparatur und trotz des herbstlichen Wetters, liege die Temperatur noch bei 25 Grad. Eine andere Lehrerin schreibt, die Lüftung sei bei einem Elternabend ein Thema gewesen. In ihrem Klassenzimmer sei ein Effekt der Anlage „weder hör- noch spürbar“.
Laut dem Hausmeister funktioniere die Anlage aber, schreibt uns der Schulleiter Stephan Haag. „Die Lüftungsanlage ist auch nicht zu vergleichen mit einer Klimaanlage“, so Haag, „sie fängt auch erst an zu kühlen, wenn es draußen sehr warm ist.“ Der Lärm sei zwar störend – „ aber auch vorhersehbar, und Häuser Häuser ohne dadurch entstehenden Baulärm zu bauen ist eben nicht möglich.“
Neubau Das hochmoderne Schulhaus ist das erste, welches im Neubaugebiet Fuchshof errichtet wurde. Das dreistöckige Gebäude ist für gut 600 Schüler ausgelegt. Um den Bauablauf zu optimieren, entschied man sich damals für einen Holzbau mit hohem Vorfertigungsgrad. Die verwendeten Werkstoffe sind recycel- oder wiederverwendbar. Im Januar 2023 zog die Schule in das neue Gebäude ein, laut der Schulwebseite ist das „ganze architektonische Konzept“ auf das Wohlbefinden der Lehrer, Betreuer und Schüler ausgerichtet.
Fuchshof Der Name des Viertels geht zurück auf das 17. Jahrhundert: Bei der Gründung Ludwigsburgs befand sich dort ein gleichnamiger Hof. Seit Juli wird das Gebiet neu bebaut. In den Wohnblöcke sollen rund 530 Wohnungen entstehen, die etwa 1600 Menschen ein Zuhause bieten. Allein die Erschließungsarbeiten dauern noch bis Mai oder Juni 2025, danach beginnt der Bau der ersten Häuser.