Auf dem Schulcampus sollen 15 bis 19 neue Klassenzimmer entstehen. Foto: Werner Kuhnle
Die finanziell klamme Stadt Steinheim (Kreis Ludwigsburg) will die Realschule und die Gemeinschaftsschule erweitern – und ein neues Rathaus bauen. Wie kann das funktionieren?
Christian Kempf
17.12.2025 - 17:00 Uhr
Hier und da wurde schon getuschelt, dass für den örtlichen Schulcampus hinter den Kulissen ein größeres Projekt vorbereitet werde. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde klar, dass die Gerüchteküche in dem Fall sogar eher untertrieben hatte. Wie der Kämmerer Martin Schlepp bei der Einbringung des Haushalts bekannt gab, möchte man in den nächsten Jahren die für Steinheimer Verhältnisse fast schon sagenhafte Summe von 30 Millionen Euro für Neubauten auf dem Gelände in die Hand nehmen.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Kommune das Projekt finanziell wohl nicht alleine schultern muss. Schlepp kalkuliert mit Fördermitteln von etwas mehr als 23 Millionen Euro. An der Stadt blieben also knapp sieben Millionen Euro hängen.
„In der Realschule haben wir schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte Wanderklassen, weil die Klassenzimmer nicht ausreichen.“
Thomas Winterhalter, Bürgermeister Steinheim
Bürgermeister Thomas Winterhalter betont, dass die Realschule und die Gemeinschaftsschule aus allen Nähten platzen. Foto: werner kuhnle
Das ist immer noch kein Pappenstiel. Bürgermeister Thomas Winterhalter macht jedoch klar, dass man unter Zugzwang stehe. „Es brennt lichterloh, was die Flächen angeht“, sagt der Rathauschef. Es gebe ein erhebliches Defizit an Kapazitäten, das sich über die vergangenen Jahre aufgestaut habe. In einem ersten Schritt wolle man nun die Gemeinschaftsschule und die Realschule erweitern. „In der Realschule haben wir schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte Wanderklassen, weil die Klassenzimmer nicht ausreichen“, erklärt Winterhalter. An beiden Schulen würden Fachräume geopfert, um zusätzliche Klassenzimmer zu gewinnen.
In Summe sollen 15 bis 19 neue Räume gebaut werden. Genauer könne man das Programm erst in einem späteren Planungsstadium beziffern, betont Winterhalter. Unklar sei bis dato auch, ob man die neuen Zimmer an die bestehenden Schulen andockt oder einen freistehenden Neubau realisiert. Flächen stünden auf dem Campus für das eine wie für das andere zur Verfügung.
Reserven in grundstückstechnischer Hinsicht hätte man auf dem Papier sogar für den Bau eines weiteren Gymnasiums im Bottwartal, das angesichts der stark ausgelasteten Schulen in Marbach und Beilstein immer mal wieder gefordert wird. Aktuell sei ein solches Projekt für die Stadt aber finanziell nicht darstellbar, streicht der Bürgermeister hervor.
Zinslast wird pro Jahr wohl auf 1,4 Millionen Euro steigen
Die Kommune hat schon daran zu knabbern, die Schulerweiterung zu stemmen. Zumal das längst nicht das einzige Großprojekt ist, das auf der Agenda steht. Für den geplanten Rathausneubau hat Kämmerer Martin Schlepp ebenfalls einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag im Etat reserviert. Dieser Doppelpack habe „immense finanzielle Auswirkungen“. Die Kommune wird nicht umhin kommen, sich bei den Banken Geld zu leihen. Bis ins Jahr 2029 werde man um die 30 Millionen Euro an neuen Krediten brauchen, rechnete Schlepp den Räten vor. „Dadurch steigen unsere Zinsaufwendungen sehr stark“, erklärte er. 2024 wurde der Haushalt durch diesen Effekt mit 200.000 Euro belastet, 2029 dürften es bereits 1,4 Millionen sein.
Gleichwohl dürfe man den Kopf nicht in den Sand stecken, meinte der Bürgermeister. „Nichtstun ist in dieser Situation keine Lösung. Nichtstun ist die teuerste aller Optionen“, sagte Thomas Winterhalter. Dadurch würden die drängenden Aufgaben nur in die Zukunft verschoben und die Haushalte dann in noch stärkerem Maße belastet.
Keine Zeit bei den Schulen zu verlieren
Und was die Schulen betrifft, dürfe man auch keine Zeit verlieren, macht der Bürgermeister klar. Der Run auf beide Bildungsstätten sei groß, der Ruf gut. „Die können eigentlich nicht mehr warten. Wir wollen im nächsten Jahr sehr zügig mit den Planungen voranschreiten und dann auch schnellstmöglich bauen“, sagt er.