Aus einer spontanen Idee heraus entsteht ein herziges Vorstellungsvideo der JVA Heilbronn, das auf Instagram tausendfach geteilt und geliket wird. Das steckt dahinter.
Bald eine Million Aufrufe und fast 12.000 Likes: Mit einem eher ungewöhnlichen „Vorstellungsvideo“ hat die Justizvollzugsanstalt Heilbronn auf Instagram einen echten Hit gelandet. Zu sehen sind mehrere Mitarbeitende der JVA, die freundlich lächelnd in die Kamera winken, dazu läuft die Titelmelodie zu der US-Sitcom „Full House“. Das Motto: „Jede Behörde braucht ein Intro“.
Das Ergebnis ist gewollt schlicht, mit einem sichtbaren Augenzwinkern und in seiner Grundstimmung absolut positiv – das kommt an bei den Nutzern. Was aber auf den ersten Blick wie ein reines Jux-Video wirkt, hat durchaus ernsthafte Hintergründe.
„Viele haben ein vorgefasstes Bild im Kopf“
Bei der JVA Heilbronn handelt es sich um eine klassische Langstrafenanstalt. Hierher kommen Männer, die im Landgerichtsbezirk Heilbronn zu mindestens einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden sind. Zu dem Bezirk gehören auch weite Teile des Landkreises Ludwigsburg. Für gewöhnlich sind in dem Gefängnis bis zu 330 Gefangene untergebracht, wegen einer umfangreichen Grund- und Brandschutzsanierung sind es im Moment um die 270.
Nun haben Gefängnisse nicht immer den besten Ruf. „Viele haben ein vorgefasstes, eher negatives Bild im Kopf, vor allem aus Filmen oder Dokus aus den USA“, sagt die Verwaltungsleiterin Nadine Csaszar, die zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sarah Kessler die Social-Media-Kanäle der Anstalt betreut. Mit öffentlichen Beiträgen wie dem Vorstellungsvideo und anderen Aktionen wie zuletzt einem virtuellen Adventskalender, in dem Mitarbeitende sich und ihre Arbeit vorstellen, möchte sich die Anstalt von einer oft nicht so bekannten Seite präsentieren.
„Es geht also insbesondere um Aufklärungsarbeit“, erklärt der Anstaltsleiter Andreas Vesenmaier. Die Gefahr, dass dadurch ein falscher Eindruck vom Alltag vor Ort entstehen könnte, sieht er nicht gegeben. „Es geht ja nicht darum, die Ernsthaftigkeit unserer Arbeit infrage zu stellen. Jedem ist klar, dass es hier auch schwierige Situationen gibt.“ Die positive Seite des Berufs und des Arbeitsumfelds zu zeigen, dürfe aber auch mal sein.
Womit wir beim zweiten Anlass für die aktive Social-Media-Präsenz der JVA wären: Auf die Gefangenen kommen knapp 240 Mitarbeitende: Rechtspfleger, Juristen, Lehrer, Psychologen und andere. Die größte Gruppe bilden die Bediensteten im mittleren Vollzug, die also auf den Stockwerken mit den Gefangenen arbeiten. Knapp 150 sind es an der Zahl.
„Und das ist ein anspruchsvoller Job“, sagt Andreas Vesenmaier, der die immer noch gängige Bezeichnung „Schließer“ für die Vollzugsbeamten daher auch strikt ablehnt. „Die Gefangenen werden hier nicht nur verwahrt, es geht um Resozialisierung. Die Bediensteten müssen auch eine Vorbildfunktion einnehmen.“ Gleichzeitig nehmen die Herausforderungen zu: Vesenmaier nimmt durchaus eine Verrohung bei den Gefangenen wahr, Sprachbarrieren und Insassen mit psychischen Leiden werden häufiger.
Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist somit eine Aufgabe, die die Gefängnisleitung stets begleitet – zumal die Auslastung im Vollzugsdienst im Jahr 2023 auf 87 Prozent abgesunken war. Durchschnittlich sind es in Baden-Württemberg um die 90 bis 91 Prozent. Seither sind die Zahlen aus unterschiedlichen Gründen deutlich raufgegangen. „Seit 2025 sind wir sogar bei mehr als 95 Prozent“, so Nadine Csaszar.
Social Media hat daran zwar einen überschaubaren Anteil – die meisten Bewerbungen kommen weiterhin über persönliche Kontakte oder über die Homepage zustande. Da aber vor allem junge Menschen inzwischen am ehesten über die sozialen Medien zu erreichen sind, werden die betreffenden Kanäle regelmäßig bespielt.
Reaktionen von außen sind positiv
Aber wie kam es zu dem jüngsten viralen Hit? „Speziell dieses Video war eher eine Art Hau-Ruck-Aktion“, erzählt Sarah Kessler. „Ein Kollege kam mit der Idee, wir sind dann – zum Teil sehr spontan – zu ein paar Kollegen gegangen und haben das Ganze aufgenommen. Die Leute mussten nur nett schauen und winken.“ Der Aufwand hielt sich also in Grenzen, auch die Idee mit der Titelmelodie gab es bereits bei anderen. Der Erfolg war umso größer.
Das gilt im Übrigen für die meisten der Beiträge: „Die Kommentarfunktion unter den Videos ist zum Schutz der Kollegen ausgeschaltet, aber die persönlichen Rückmeldungen, die wir bekommen, sind sehr positiv.“ Das zeigt sich nicht zuletzt bei den Führungen durch die JVA, die viermal im Jahr angeboten werden. „Die meisten der Teilnehmer sind tatsächlich über Instagram auf uns aufmerksam geworden und sagen dann auch oft, dass sie es gut finden, dass wir uns so offen präsentieren.“