Mehr Erzieher für Renningen Stadt stockt bei Kinderbetreuung kräftig auf

Von Kathrin Klette 

Der Rat beschließt mehr als sechs neue Stellen. Die Mehrkosten: Rund 360 000 Euro jährlich.

Für die Betreuung von Kindern schafft die Stadt Renningen mehr als sechs Vollzeitstellen. Foto: dpa
Für die Betreuung von Kindern schafft die Stadt Renningen mehr als sechs Vollzeitstellen. Foto: dpa

Renningen - Für die Betreuung von Kindern in Kindergärten und Krippen will die Stadt Renningen mehr als sechs neue Vollzeitstellen schaffen. Das bedeutet einen zusätzlichen Kostenaufwand von rund 360 000 Euro jährlich. Denn bei der derzeitigen Auslastung kommt es vor allem aufgrund der hohen Fluktuation und eines hohen Krankenstands immer wieder zu Problemen, Einrichtungen waren in der Vergangenheit nur selten für einen längeren Zeitraum voll besetzt, berichtete der Abteilungsleiter für Bildung, Familie und Soziales, Daniel Dreßen, am Mittwoch im Gemeinderat. Die Politiker haben der Erhöhung der Stellenzahl einstimmig und ohne Diskussion zugestimmt. Wann und ob sich die entsprechenden Bewerber für die Stellen finden lassen, steht auf einem anderen Papier.

Eine entsprechende Aufstockung oder zumindest eine Umstrukturierung könnte übrigens noch anderen Kommunen im Umkreis bevorstehen. Bei den Recherchen, wie sich die Situation in Renningen ver­bessern lassen könnte, stellte sich nämlich heraus, dass eine Vorgabe des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) fehlinterpretiert wurde – und dass Renningen damit wohl nicht alleine ist.

Zeiten pro Gruppe oder pro Erzieher?

Der KVJS gibt anhand der Daten, die er von einer Kommune bekommt – wie viele Kinder, wie viele Betreuungsstunden und so weiter –, genau vor, wie viele Kräfte benötigt werden, damit der Mindestpersonalschlüssel eingehalten wird. Dabei geht der KVJS pro Gruppe von zehn sogenannten Verfügungsstunden in der Woche aus. Das ist die Zeit, die die Erzieher nicht mit der Betreuung verbringen, sondern zum Beispiel mit der Organisation oder Eltern­gesprächen. Renningen allerdings rechnet pro Erzieher mit je neun Stunden Ver­fügungszeit. Bei drei Erziehern in einer Gruppe bedeutet das eine Diskrepanz von 17 Stunden. „Viele andere Kommunen wenden die Tabelle ebenfalls so an, ohne tiefer in die Materie einzusteigen“, erklärte der Fachbereichsleiter Marcello Lallo. Das sei also kein explizites Renninger Problem.

Wohlgemerkt: Der Mindestpersonalschlüssel wird und wurde in Renningen trotzdem eingehalten. Sonst hätte der KVJS gar keine Genehmigung für den Betrieb erteilt. Auch hatte die Stadt in vielen anderen Punkten sehr großzügig gerechnet, was das Personal angeht. Doch die genannte Fluktuation und die vielen Fehltage konnten mit der bisherigen Besetzung kaum ausgeglichen werden. Verfügungsstunden mussten Vertretungsstunden weichen, wegen der Ausfälle „stand eine Einrichtung schon einmal kurz vor der Schließung“, berichtete Daniel Dreßen. „Der Bedarf ist also nicht aus der Luft gegriffen.“ Im Schnitt gab es 2017 22 Fehltage pro Mitarbeiter inklusive Schwangerschaften und Kuren. Die Tendenz 2018 gehe sogar in Richtung 30 Fehltage.

6,63 neue Stellen plus zwei Ausbildungsplätze

Es gibt keine gesetzliche Regelung ­dafür, wie eine Kommune vorgehen muss, wenn sie den Betreuern mehr Verfügungszeit zugestehen möchte. Der KVJS gab auf Anfrage der Stadt jedoch an, dass der Personalschlüssel dann erhöht werden müsste. Eben das tut nun die Stadt Renningen. Denn „die Reduzierung der Verfügungsstunden würde die Qualität der pädagogischen Arbeit erheblich beeinträchtigen“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Exakt 6,63 zusätzliche Stellen plus zwei weitere Ausbildungs- und eine Anerkennungspraktikumsstelle – „das ist nicht ­wenig“, gestand Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) zu. „Aber wir wollen die Qualitätsstandards sichern“, erklärte er. Auch die Belastung des Personals soll auf diese Weise verringert werden, „und die Verfügungszeiten werden nicht durch Vertretungsstunden aufgefressen“. Die Ratsmitglieder sahen das ähnlich – fraktionsübergreifend. Zudem erwartet die Stadt in Zukunft höhere Zuschüsse vom Land.

Was die Besetzung der Stellen angeht, zeigte sich Daniel Dreßen realistisch. „Die meisten davon werden wir zum 1. Januar 2019 nicht schaffen.“ Dennoch sei die ­Entscheidung des Rats sehr wichtig, auch was die Planung für die Zukunft angeht.