Mehr Förderstunden Schmiedel will Realschulen unterstützen

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Exklusiv Realschulen in Baden-Württemberg sollen für ihre schwächeren Schüler bald den Hauptschulabschluss anbieten. Das geht nur, wenn sie so viele Stunden zur individuellen Förderung bekommen wie die Gymnasien, sagt Claus Schmiedel, Chef der Landtags-SPD.

Realschulen sollen bald auch den Hauptschulabschluss anbieten. Foto: dpa
Realschulen sollen bald auch den Hauptschulabschluss anbieten. Foto: dpa

Stuttgart - Schon lange schauen die Realschulen eifersüchtig auf die Gymnasien. Wenn in eineinhalb Wochen die Schule wieder anfängt, werden die Gymnasien zusätzlich zu den für die einzelnen Fächer reservierten Stunden 11,7 so genannte Poolstunden haben, die sie zum größten Teil für die individuelle Förderung einsetzen können. Die Realschulen verfügen über 2,2 Poolstunden. Claus Schmiedel, der Vorsitzende der Landtags-SPD verlangt nun gleich viele Förderstunden für Realschulen wie für Gymnasien.

Seit die Empfehlung der Grundschullehrer für die weiterführenden Schulen nicht mehr verbindlich ist, besuchen immer mehr Schüler die Realschulen, die die Mittlere Reife schwer oder gar nicht erreichen können. Für sie sollen Realschulen die Möglichkeit schaffen, den Hauptschulabschluss abzulegen. Noch in diesem Jahr will die grün-rote Koalition die organisatorischen Voraussetzungen dafür schaffen. Eine Voraussetzung ist mehr individuelle Förderung wie Claus Schmiedel der Stuttgarter Zeitung sagte.

So viele Poolstunden wie an Gymnasien nötig

Dazu brauchen die Realschulen Zeit und Lehrer. „Wenn die Realschulen einen erweiterten Bildungsauftrag bekommen, und auch den Hauptschulabschluss anbieten, brauchen sie vergleichbar viele Poolstunden wie die Gymnasien“, so Schmiedel. Das sei die Grundlage der Gespräche, die die Koalition gegenwärtig mit den Lehrerverbänden führe.

Umgerechnet würde das fast ein halbe zusätzliche Lehrerstelle pro Realschulklasse bedeuten. Schmiedel verweist aber darauf, dass die Werkrealschulen ebenfalls bereits zehn Stunden für Differenzierung und individuelle Förderung hätten. Statt in den Werkrealschulen säßen viele Schüler nun aber in den Realschulen. Entsprechend müssten die Stunden auch dorthin. Das relativiert sich“, rechnete Schmiedel vor.

Entscheidend ist für ihn: „Wenn die Hauptschulprüfung integraler Bestandteil der Realschule ist, sind die zusätzlichen Stunden angemessen“. Schließlich wolle man „insgesamt bessere Ergebnisse an den Schulen“, so Schmiedel.

Wie genau der Hauptschulabschluss in die Organisation der Realschulen integriert werden soll, ist noch Gegenstand von Gesprächen der Fraktionen mit dem Kultusministerium. Der SPD schwebt Schmiedel zufolge eine gemeinsame Orientierungsstufe in den Klassen fünf und sechs vor. Dann sollte Differenzierung möglich sein. Allerdings sollten die Schüler nicht auf einen Hauptschulzug innerhalb der Realschule festgelegt werden. Es müsse möglich sein, dass Schüler zum Beispiel in Deutsch den Realschulkurs und in Mathe den Hauptschulkurs besuchten.

Grüne zurückhaltender

Noch laufen aber die Gespräche. Über die Organisationsform des Hauptschulabschlusses an den Realschulen ist noch so wenig entschieden wie über die Anzahl der Poolstunden. Die Grünen geben sich deutlich zurückhaltender als der SPD-Fraktionschef. „Auch wir haben das Interesse, die Realschulen in ihren Herausforderungen zu unterstützen“, betonte Sandra Boser, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, auf Anfrage.

Im Grundsatz scheint sich die Koalition einig zu sein. „Es ist unbestritten, dass wir die Stunden zur individuellen Förderung weiter ausbauen werden“, sagt Boser. Auf die Anzahl der künftigen Poolstunden für die Realschulen wollen sich die Grünen jedoch noch nicht festlegen. Darüber sei man im Gespräch mit dem Kultusministerium.

Das Konzept soll noch in diesem Jahr spruchreif werden. Im Schuljahr 2015/16 sollen die Realschulen wissen, woran sie sind. Dann sind die ersten Realschüler, die ohne verbindliche Empfehlung auch schon in der achten Klasse und müssen sich langsam auf den Hauptschulabschluss in der neunten Klasse vorbereiten.

Im jetzt beginnenden Schuljahr hat sich die Zahl der Poolstunden an Gymnasien und Realschulen um jeweils 0,7 Stunden erhöht. Mit 11,7 sind die Gymnasien damit wieder fast auf dem Stand von 2007. Damals wurde von zwölf auf zehn gekürzt.