Asphalt weg, Bäume her: Der Bismarckplatz an der Ecke Lehenbühlstraße und Bismarckstraße in Renningen soll deutlich aufgewertet werden. Zu diesem Zweck werden die Grünflächen und der dortige Spielplatz erweitert. Das hat Auswirkungen auf den Verkehr: Die Verbindung der Bismarckstraße zur Lehenbühlstraße wird gekappt.
Da die meisten Straßen in dem Wohngebiet ohnehin sehr schmal sind und nicht für den Durchfahrtsverkehr genutzt werden sollten und das Wohnquartier sonst keine Aufenthaltsflächen besitzt, entschied sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit für diese Variante. Vier votierten dagegen und für ein Offenbleiben der Verbindung.
Nur noch Schrittgeschwindigkeit
Die Sanierung der Lehenbühlstraße bildet das große „Finale“ der Sanierungsarbeiten in dem Wohngebiet zwischen Bahnhofstraße und Rutesheimer Straße. Im Zuge dieser Arbeiten wurden mehrere Abschnitte, darunter die Rosenstraße und die Blumenstraße, in der sich der Kindergarten befindet, als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Das ist für die Lehenbühlstraße, zwischen der Kreuzung mit der Bismarck-/Blumenstraße und der Rutesheimer Straße, ebenfalls vorgesehen.
In solchen Bereichen gilt für Autos Schrittgeschwindigkeit. Fußgänger, Radler und Autofahrer sind gleichberechtigt, es gibt keine Gehwege. Parken ist nur in extra ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Außerdem müssen Autofahrer, die diese Straßen verlassen, den Autos auf der Hauptstraße Vorfahrt gewähren, es gilt kein Rechts vor links. Um dieses Problem zu umgehen, soll die Verkehrsberuhigung rechtzeitig vor der Rutesheimer Straße aufgehoben werden, damit eine Rechts-vor-links-Regelung weiter möglich ist.
Zwei Varianten in der engeren Wahl
Ein besonderes Augenmerk möchte die Stadt auf den Bismarckplatz legen. Im Moment besteht dieser aus einer Art Kreisverkehr, nördlich davon befindet sich ein Kinderspielplatz – der einzige in der näheren Umgebung. Der Gemeinderat bekam zunächst drei Varianten des Ingenieurbüros Schädel vorgelegt, regte jedoch die Ausarbeitung einer weiteren Alternative an. Ideen für ein zusätzliches Wohnhaus an der Ecke Bismarckstraße/Lehenbühlstraße wurden verworfen. Letztlich kamen zwei Versionen in die engere Wahl.
Die erste orientierte sich am Bestand. Der Spielplatz wäre weitgehend gleich geblieben, lediglich der Bismarckplatz selbst hätte ein neues Gesicht erhalten und wäre zur Aufenthaltsfläche für Fußgänger geworden, zum Beispiel mit einem Pavillon. Der Straßenverlauf wäre unverändert geblieben. Die andere Variante, für die der Großteil des Gemeinderats sich letztlich entschied, sieht einen deutlich größeren Spielplatz vor sowie mehr Grünflächen, Bäume zur Beschattung und Sitzgelegenheiten. Die Bismarckstraße wird vor diesem neuen Platz enden und in die Wagnerstraße abknicken, die Verbindung zur Lehenbühlstraße entfällt also.
Mehr Qualität oder unnötiges Nadelöhr?
Einige Ratsleute sahen das sehr kritisch. „Wir verursachen hier ein Nadelöhr und machen eine Straße zu ohne Zwang“, bemängelte Wolfgang Steudle (CDU). Gerade bei größeren Autos oder gar Lastwagen sehe er Schwierigkeiten, wenn die Wege nur noch von einer Seite her befahrbar seien. Parkende Autos würden die Situation noch verschlimmern. „Die Wagnerstraße kann das gar nicht aufnehmen.“
Andere ließen dieses Argument nicht gelten. „Die Straßen sind so breit, wie sie schon immer waren, daran ändert sich nichts“, wand Jochen Breutner-Menschick (Grüne) ein. Bereits heute ist dort das Parken verboten, weil die Wege so eng sind, dass andernfalls kein Durchkommen mehr ist. Jan Hambach von der SPD verwies auf alternative Zuwegungen wie die Grabenstraße. „Wir haben hier die Chance, endlich mal eine Fläche zu entsiegeln, statt sie zu versiegeln, und mehr Qualität für Kinder, Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, die sollten wir nutzen“, ergänzte Thomas Mauch (SPD).
Die Kosten für das Gesamtprojekt Lehenbühlstraße belaufen sich mit der genannten Variante auf geschätzt rund 3,7 Millionen Euro. Die erste Variante wäre etwa 150 000 Euro günstiger gewesen. Zunächst wird jetzt der Entwurf konkreter ausgearbeitet, danach folgt noch eine Informationsveranstaltung für die Anwohner, damit diese sich auch zu den Plänen äußern können. Ein Termin steht bislang noch nicht fest.