Mehr Kindertagesstätten in Böblingen Binnen zwei Jahren Hunderte neue Plätze für Kinder

Baustart am Murkenbachweg 2025 geplant: Auf der Fläche in der Bildmitte soll ein Zentrum mit Stadtteiltreff und Kita für mehr als 100 Kinder gebaut werden. Foto: Stefanie Schlecht

Bis etwa 2027 sollen in Böblingen mehr als 450 neue Kita-Plätze entstehen. Ein Problem bleibt: Es fehlen die betreuenden Fachkräfte. Und nicht nur da herrscht Mangel.

Landauf, landab fehlt es an Plätzen in den Kindertageseinrichtungen – Böblingen belegt da einen Spitzenrang. Doch das soll nicht so bleiben. Bereits 2018 hatte der Gemeinderat das Ausbau-Programm „Kita-Offensive“ beschlossen, seitdem sind durch diverse Neu- und Ausbauten mehr als 200 zusätzliche Plätze geschaffen worden. Und bis etwa 2027 sollen sogar noch einmal rund 450 weitere Plätze hinzukommen. Summa summarum beinhaltet die Offensive rund 47 Millionen Euro an Baukosten. Den aktuellen Stand des ehrgeizigen Vorhabens präsentierten die Projektleiterinnen am Dienstag im Verwaltungsausschuss des Böblinger Gemeinderats.

 

Fünf neue Kindertagesstätten sind seit 2018 in Böblingen gebaut worden, in den nächsten Jahren sollen sechs weitere entstehen. Bei der Kita Breslauer Straße 21 zum Beispiel erfolgte der Spatenstich im Dezember. Bis Herbst 2026 soll der Neubau für acht Millionen Euro fertig sein und 85 Kinder beherbergen. Sogar mehr als 100 Kinder werden in der Kita am Murkenbachweg unterkommen. Auf dem Grundstück, wo bis 2020 das Martin-Luther-Gemeindehaus stand, soll in diesem Jahr mit dem Neubau begonnen werden. Für zwölf Millionen Euro wächst dort nicht nur eine Kita, sondern auch ein Stadtteiltreff aus dem Boden.

Für den Neubau der Kita in der Geschwister-Scholl-Straße 15 läuft das Bebauungsplanverfahren, für die Goethestraße in Dagersheim gibt es erste Planungen. „Wir tun, was wir können“, sagte Annika Müller, die sich mit Dorothea Koch die Leitung der „Kita-Offensive“ teilt. Doch nicht nur in den Einrichtungen drückt der Fachkräftemangel aufs Gemüt, sondern bekanntermaßen auch beim Bauen. „Eigentlich sind drei Architektenstellen für das Programm vorgesehen“, so Müller, „aber nur 1,85 besetzt.“ Gerade die letztgenannten Projekte sollten eigentlich schon weiter sein.

„Was bringt das, wenn Fachkräfte fehlen?“

Es sei ja toll, wenn durch die Neubauprojekte viele Kitaplätze entstünden, merkte CDU-Stadtrat Hans-Dieter Schühle bei der Ausschusssitzung an, „aber was bringt das, wenn die Fachkräfte fehlen?“ Man sei ja seit geraumer Zeit mit verschiedenen Maßnahmen dabei, neues Personal anzuwerben, entgegnete Sozialamtsleiter Klaus Feistauer, „und auch das Land ist hier endlich in Schwung gekommen“. Natürlich bringe es wenig, nur „leere Gebäude“ zu bauen, aber er sei guten Mutes, dass zukünftig mehr Erzieherinnen und Erzieher angeworben werden könnten, so Feistauer. Aktuell fehlen 28 Vollzeitkräfte in den 27 städtischen Kitas.

Das gleiche Problem beschäftigt natürlich auch die freien Träger, die aktuell neun Einrichtungen in Böblingen bespielen. Demnächst soll die Kita „Unsere Champions“ im Pulse-Areal an der Wolfgang-Brumme-Allee eröffnen. Wie üblich bei freien Trägern, übernimmt die Stadt Böblingen den größten Teil der Betriebsausgaben. Doch da Erzieherinnen und Erzieher fehlen, starten „Unsere Champions“ nicht nur verspätet, sondern auch mit viel weniger Gruppen als geplant. „Das gefällt uns natürlich nicht“, betonte Klaus Feistauer, „wir sind mit dem Träger diesbezüglich im Gespräch.“

Ältere Kitas sanieren

Eine andere städtische Herausforderung sprach Dorothea Koch an: „Wir bauen zwar jetzt viel neu, aber gleichzeitig sind mehr als die Hälfte unserer Kitas älter als 50 Jahre.“ Sprich: Wenn die Verantwortlichen mit der Kita-Offensive einigermaßen durch sind, können sie gleich ein umfassendes Sanierungsprogramm für die älteren Einrichtungen auflegen. „Zum einen müssen wir neue Plätze schaffen, zum anderen die Bestandsplätze sichern“, so Koch.

Über die aktuellen städtischen Planungen hinaus gibt es weitere interessante Zukunftsprojekte. Auf dem Flugfeld plant der Lebenshilfe-Verein ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, zu dem auch eine Kita gehören wird. Eine Info-Veranstaltung dazu ist am 10. März geplant. Zudem wird bekanntermaßen auf dem IBM-Gelände am Zimmerschlag voraussichtlich ab 2026 ein neuer Stadtteil entstehen – rund 300 Kita-Plätze inklusive. Auch diese Option haben Müller, Koch und Co. längst im Blick.

Rund 2000 Kinder werden betreut

Kinderbetreuung
In Böblingen gibt es 27 städtische Kindertageseinrichtungen sowie neun Kitas unter freier Trägerschaft und die Kindertagespflege Takki. Die Abteilung Kindertagesbetreuung hat rund 450 Personalstellen. In allen Einrichtungen in Böblingen werden rund 2000 Kinder betreut. Es gibt rund 60 Ausbildungsstellen.

Personaloffensive
 Die Stadt Böblingen hat viele Maßnahmen ergriffen, um das Personalproblem zu lindern: außertarifliche Zulagen (bis zu 400 Euro im Monat), mehr Ausbildungsplätze, Fachkräfte aus Italien sowie Hilfskräfte. Zudem werden inzwischen verkürzte Ausbildungen angeboten – auch um den Quereinstieg aus anderen Berufen deutlich zu erleichtern.

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