Mehr Kurse, mehr Teilnehmer: VHS Stuttgart kämpft um Räume Engpass bei der Volkshochschule

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Sie wächst und wächst: Die Stuttgarter Volkshochschule steigert ihre Teilnehmerzahlen und kämpft weiter um Räume. Sorge bereitet ihr die Frage, wo künftig die Deutsch- und Integrationskurse stattfinden sollen. Denn in das Gebäude Ludwigstraße 111 soll ab Februar 2018 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium.

Der Treffpunkt Rotebühlplatz platzt aus allen Nähten und ist sanierungsbedürftig – und Ausweichquartiere sind in Stuttgart rar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der Treffpunkt Rotebühlplatz platzt aus allen Nähten und ist sanierungsbedürftig – und Ausweichquartiere sind in Stuttgart rar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Es gehe darum, „Menschen zum Lernen zu bringen“, sagt Dagmar Mikasch-Köthner, die Leiterin der Volkshochschule (vhs) Stuttgart. Das gelingt der Einrichtung in wachsendem Maß – 140 000 Kursteilnehmer waren es im vergangenen Jahr. Der Zulauf erfolgt auch deshalb, weil sie sich die vhs auf veränderte Bedürfnisse und Lernformate und ein bunteres Publikum einstellt. Und weil sie zudem ihre dezentralen Angebote in den Stadtbezirken seit 2013 deutlich ausgeweitet hat. Nur mit den Räumen läuft es noch nicht ganz rund. Die größte Sorge bereitet der Einrichtung aktuell die Frage, wo künftig die Deutsch- und Integrationskurse stattfinden sollen. Denn in das ehemalige Gebäude der Hedwig-Dohm-Schule in der Ludwigstraße 111 im Westen, wo die vhs seit einem Jahr zehn Klassenzimmer, einen EDV-Raum und das Lehrerzimmer belegt und mit Eigenmitteln ausgestattet hat, soll vom kommenden Schuljahr an das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium während seiner Sanierung ausweichen – und die vhs muss im Februar 2018 raus, damit die Räume fürs Ebelu vorbereitet werden können. Dies habe man der vhs bereits frühzeitig mitgeteilt, berichtet Karin Korn, die Leiterin des Schulverwaltungsamts.

vhs sucht für ihre Integrationskurse dringend ein Ausweichquartier

„Ohne diese Räume oder einen gleichwertigen Ersatz kann die vhs Stuttgart ihrem Integrationsauftrag nicht bedarfsgerecht nachkommen“, sagt Mikasch-Köthner. „Wir können ja mit unseren Integrationskursen nicht auf die Straße gehen.“ Nun sucht die Stadtverwaltung fieberhaft nach einer Lösung. „Wir wollen möglichst rasch Klarheit“, sagt Karin Korn. Auch das Amt für Liegenschaften und Wohnen sei in die Suche einbezogen.

Doch auch in den Stadtteilen hat die vhs zugelegt. Kurse und Anmeldezahlen hätten sich seit 2013 mehr als verdreifacht. Von den mittlerweile 722 Angeboten im vergangenen Jahr fanden rund 40 Prozent in den nördlichen Stadtteilen und 25 Prozent in Bad Cannstatt statt. „Wir haben da echte Aufbauarbeit geleistet“, sagt Mikasch-Köthner. Ehrenamtliche Stadtteilbeauftragte hätten die vhs dabei unterstützt, zudem gebe es viele Kooperationen mit Vereinen. Nun wolle man den Standort Bad Cannstatt weiter ausbauen. Anstelle des sanierungsbedürftigen Gebäudes an der Kreuznacher Straße, wo die vhs derzeit untergebracht ist, könnte sich die vhs auch ein größeres Domizil im Neckarpark oder an der Elwertstraße vorstellen – auch das Kolping-Bildungswerk hat dort Interesse. Aber entschieden sei in dieser Angelegenheit noch nichts, ist aus dem Referat von Bürgermeister Michael Föll (CDU) zu hören.

Der vhs-Direktorin schwebt ein Bildungscampus mit der Max-Eyth-Schule vor

Zentraler Standort in der Innenstadt soll nach dem Standort-Entwicklungskonzept der vhs weiterhin der Treffpunkt Rotebühlplatz bleiben. Der platzt nicht nur aus allen Nähten, sondern ist nach 25 Jahren sanierungsbedürftig. Das gelte auch für die Infrastruktur, erläutert Mikasch-Köthner. So fehle es beispielsweise an Räumen mit Induktionsschleifen für Hörbehinderte, die ebenfalls zur Zielgruppe der vhs gehören. Das Gebäude schräg gegenüber, an der Fritz-Elsas-Straße 46 – 48, wo die vhs für ihre Verwaltung und weitere Kursangebote Räume angemietet hat, ist ebenfalls in die Jahre gekommen. Deshalb trommelt Mikasch-Köthner seit einiger Zeit für einen zweiten, zentralen Innenstadt-Standort. Dies sei – wie die Beibehaltung und Ertüchtigung des Treffpunkts Rotebühlplatz sowie der Ausbau der dezentralen Angebote – Konsens mit dem Aufsichtsrat der vhs, in dem die Stadt mehrheitlich vertreten ist. Und es werde im Grundsatz vom Gemeinderat anerkannt. Mikasch-Köthner schwebt ein städtischer Bildungscampus vor – zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Erweiterungsbaus mit der direkt benachbarten Max-Eyth-Schule auf deren Parkplatz; die Schule belegt auch Räume im Treffpunkt Rotebühlplatz. Doch für einen Rotebühl-Campus gebe es derzeit allerdings keine konkrete Planung, erklärte Karin Korn auf Anfrage.

Mikasch-Köthner ist aber Realistin: „Wir werden erst mal noch eine Weile mit den jetzigen Standorten leben.“ Beim Standort Ludwigstraße dränge allerdings die Zeit. Und der Bedarf an berufsbezogenen Deutschkursen wachse weiter. Für 2018 brauche die vhs deshalb nicht zehn, sondern 15 Unterrichtsräume. Wo auch immer.




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