Mehrere Ausstellungen im Alten Amtsgericht Große Vielfalt beim Böblinger Kunstverein

Stolze Geschichte: Eine Tafel mit 175 Namen und eine Steleninstallation würdigt die Mitglieder des Kunstvereins. Foto: Stefanie Schlecht

Das Alte Amtsgericht zeigt gleich drei Ausstellungen. Der Böblinger Kunstverein setzt einen beachtenswerten Schlusspunkt unter seine 60-Jahr-Feierlichkeiten. Der „Kultourmacher“-Verein wirkt mit.

Böblingen - Das Alte Amtsgericht auf dem Schlossberg ist ein Haus, das vor Kreativität nur so strotzt. Auf jeder Etage können Besucher momentan verschiedene Kunstausstellungen finden, die von Mitgliedern des Böblinger Kunstvereins stammen.

 

Der Kunstverein feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlass das Untergeschoss in eine Ausstellung verwandelt, die sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft und Vergangenheit des Vereins visualisiert. Alle aktuellen 175 Mitglieder wurden namentlich auf großen Bannern verewigt, die vertikal von der Decke herabhängen. Davor befindet sich eine Installation mit nebeneinander aufgereihten, weiß gestrichenen Holzstelen.

Stelen stehen für Einzigartigkeit der Mitglieder

Auf den ersten Blick scheinen die Stelen in Größe und Farbe identisch zu sein. Wer jedoch genauer hinschaut, stellt fest, dass das Holz gänzlich unbehandelt ist, wodurch jede Stele individuelle Maserungen, Absplitterungen oder Risse erhält. „Jede Stele steht in ihrer Einzigartigkeit für ein Mitglied unseres Vereins“, erklärt die stellvertretende Kunstvereinsvorsitzende Berit Erlbacher.

Die Skulptur soll die Gegenwart versinnbildlichen. Als Symbol für die Vergangenheit steht dagegen ein großes, textiles Kunstwerk, das sämtliche Ausstellungsplakate der letzten Jahre miteinander verbindet. Die Zukunft wiederum wird durch große Schiefertafeln dargestellt. Die Besucher haben hier selbst die Möglichkeit, ihre Vorstellungen und Wünsche mit Kreide festzuhalten.

Fotografien und Zeichnungen

Im Obergeschoss des Alten Amtsgerichts befindet sich zudem die letzte von insgesamt acht Mitgliederausstellungen, die der Kunstverein in seinem Jubiläumsjahr präsentiert. Bis zum 5. Dezember sind hier Rainer Ortags und Rainer Simons Werke zu sehen. Beide beschäftigen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit demselben Thema: Musik.

Rainer Ortag präsentiert eine eindrucksvolle Auswahl von Fotografien. Sie alle fangen die Emotionen von Jazz-Musikern während ihrer Auftritte ein. Geschlossene Augen, entrückte Blicke, verzerrte Gesichter. „Ich fotografiere schon seit meinem achten Lebensjahr“, erzählt der Böblinger. Die Idee, die Fotografie mit seiner zweiten großen Leidenschaft für Musik zu kombinieren, sei ihm aber erst vor einigen Jahren gekommen. Mittlerweile ist Rainer Ortag damit so erfolgreich, dass aus den Fotos ein eigenes Jazz-Magazin entstanden ist.

Rainer Simon wiederum ist Grafiker, Zeichner, Karikaturist und Cartoonist. Er präsentiert pointierte Tusche-Skizzen von Musikern und Zuschauern, die spontan bei Konzerten entstanden sind. Jede Zeichnung ist in kürzester Zeit entstanden, doch die wenigen Striche fangen die Situationen perfekt ein. „Man muss sehr schnell sein, weil sich die Leute viel bewegen“, erklärt der Künstler. Ein gutes Gedächtnis und vor allem anatomische Kenntnisse seien daher Voraussetzung für die skizzierten Beobachtungen.

Ehepaar ergänzt sich beim Malen

Im Erdgeschoss und Theater kann zudem noch bis zum 27. März 2022 die Ausstellung „Der „Kultourmacher“ bewundert werden, die zuletzt im Rahmen der Langen Nacht der Museen eröffnet wurde. Hier stellt das Weil der Städter Ehepaar Horst Peter und Veronika Schlotter neben einiger Solo-Arbeiten unter dem Titel „Wir zwei beide“ Aquarell-Kompositionen aus, die in gemeinsamer Arbeit entstanden sind.

Die Malereien auf handgeschöpftem Büttenpapier zeichnen sich durch die unterschiedlichen Stile aus. So wirken Veronika Schlotters Bilder vor allem durch die detailgenauen Abbildungen, die fast greifbar plastisch und haptisch wirken. Hans Peter Schlotters Stil geht dagegen ins Abstrakte. „Die Bilder entstehen, indem einer von beiden mit einem Motiv oder einer Bildidee beginnt und der andere darauf antwortet“, sagt Erika Winograd von den „Kultourmachern“.

Heimatort für die Kunst

Die Schlotters sind übrigens Mitglieder des Kunstvereins, wodurch auch der Kontakt zu den eigentlich auf Kleinkunst ausgerichteten „Kultourmachern“ zustande kam. „Wir arbeiten uns da gerne in die Hände“, verrät Berit Erlbacher. Denn schließlich ist das Alte Amtsgericht ja genau das: Ein Heimatort für die Kunst, der Kunstschaffende und Kunstbegeisterte miteinander verbindet.

Mehr Infos und ein Video zur Ausstellung gibt es unter www.kunstvereinbb.de

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