Es war eine der Überraschungen, die die Ludwigsburger Polizeistatistik aus dem Jahr 2025 hervorgebracht hat: Rein von den Zahlen her gab es am Bahnhof in Ludwigsburg im vergangenen Jahr keinen Zuwachs an Straftaten. „Es sind einzelne Delikte, die besonders schwerwiegend sind und das Bild verzerren“, hatte Guido Passaro, der Leiter des Polizeireviers, bei der Vorstellung der Statistik erklärt.
Diese Delikte haben die Ludwigsburger Polizei Mitte März allerdings dazu veranlasst, Kontrollen und Präsenz erheblich zu erhöhen. Der Bahnhof gilt jetzt als „gefährlicher Ort“. Sie beruft sich auf das baden-württembergische Polizeigesetz. Demzufolge darf die Polizei unter anderem an Orten Kontrollen durchführen, an denen sich „erfahrungsgemäß“ Straftäter verbergen, Personen Straftaten verabreden, vorbereiten oder verüben.
Mehrere Vorfälle im März
Insbesondere einige Vorfälle aus dem März hätten laut Mitteilung der Polizei eine „Neubewertung und damit auch ein geändertes Sicherheitskonzept erforderlich gemacht“. Die Polizei beruft sich dabei unter anderem auf ein versuchtes Tötungsdelikt in der Nacht vom 7. auf den 8. März, als ein 18-Jähriger angeblich einen Streit zwischen zwei Personengruppen schlichten wollte und dabei lebensgefährlich verletzt wurde.
Am Abend des 8. März wurde ein 24-Jähriger am Bahnhof von vier Unbekannten unter anderem mit Pfefferspray und einem Messer angegriffen. Drei Tage später kam es zu einer Schlägerei zwischen einem 15- und einem 30-Jährigen. Zuletzt hatten drei Männer einem 20-Jährigen mehrfach ins Gesicht geschlagen.
Unabhängig davon komme dazu, dass sich wegen der milderen Temperaturen wieder mehr Personen in der Öffentlichkeit aufhielten. Im Hinblick auf das „subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung“ sei das regelmäßig mit einer stärkeren Präsenz der Polizei verbunden.
Antifa übt Kritik
Kritik am Vorgehen der Polizei übte die Ludwigsburger Antifa, die am Mittwochabend vor dem Bahnhof demonstrierte. „Wir erleben mittlerweile mehrfach am Tag, dass migrantisch gelesene Personen ohne Anlass kontrolliert werden“, sagte einer der Organisatoren der Kundgebung dieser Zeitung. „Das ist nichts anderes als Rassismus.“
Die Polizei verwahrt sich gegen diesen Vorwurf: Es gehe beispielsweise um „das Verhalten der Personen, deren Handlungen oder deren Interaktion mit anderen“, teilt die Polizei mit. „Herkunft oder Nationalität spielen dabei keine Rolle.“