Mehrgenerationenwohnen in Waiblingen Die „Woge“ begeistert Junge und Alte

Von Annette Clauß 

Für Michael Mathes ist es ein echter Glücksgriff: Im August bezieht er seine Zwei-Zimmer-Wohnung im Mehrgenerationenhaus Woge 2 in Waiblingen. Es ist bereits das zweite Projekt dieser Art in der Stadt.

Michael Mathes findet es gut, dass man im Mehrgenerationenhaus Wert auf Gemeinschaft legt. Foto: Stoppel
Michael Mathes findet es gut, dass man im Mehrgenerationenhaus Wert auf Gemeinschaft legt. Foto: Stoppel

Waiblingen - Endspurt für Michael Mathes: im August kann er sein neues Domizil in Waiblingen beziehen. Vorher gibt es allerdings noch jede Menge Fragen zu klären: Welche Farbe soll die Hausfassade bekommen? Welcher Bodenbelag wird in der Waschküche verlegt? Und wo genau sollen die Steckdosen im Gemeinschaftsraum angebracht werden? Zum Glück muss Michael Mathes das alles nicht alleine entscheiden, denn sein künftiges Zuhause ist das Mehrgenerationenhaus Woge 2 in Waiblingen. Es grenzt direkt an das erste, vor drei Jahren bezogene Mehrgenerationenhaus Woge an. Hier wie dort setzt man auf Gemeinschaft und das Engagement der Bewohner, die sich in Arbeitsgruppen organisieren und einbringen.

Wenige Wochen vor dem Bezugstermin hat insbesondere die mit der Bauleitung betraute Planungs-AG viel zu tun. Aber auch die anderen sind gefragt: die Garten-AG muss zum Beispiel entscheiden, wo auf dem Gelände welche Baumsorte gepflanzt wird. „Ein Thema ist auch, welche Dienstleistungen man vergibt und was die Bewohner selbst machen wollen“, erzählt Michael Mathes – Stichwort Kehrwoche und Räumdienst. Mathes ist der Hauptansprechpartner für das Thema Gemeinschaftsraum. Bei regelmäßigen Treffen holen die Arbeitsgruppen dann die Meinungen der anderen Bewohner oder deren Okay für Entscheidungen ein.

Glücksgriff für den Nachzügler

Auf das Inserat für eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Mehrgenerationenhaus Woge 2 ist Michael Mathes zufällig gestoßen. „Das war im Mai vergangenen Jahres, als der Rohbau schon stand. Eine Person war abgesprungen.“ Mathes, den das Thema Wohnen schon einige Zeit beschäftigt hatte, stieg spontan als Nachzügler ein. „Das war ein Glücksgriff“, sagt er heute – eine Chance, die sich unverhofft auftat. „Ich will sozialen Umgang haben und finde es gut, dass man im Mehrgenerationenhaus Sachen teilt und sich gegenseitig hilft.“

Das funktioniert schon jetzt bestens, das zeigt sich beim Vororttermin auf der Baustelle, der beinahe buchstäblich ins Wasser fällt, weil es gleich zu Beginn des Gesprächs heftig zu regnen beginnt. Doch eine Bewohnerin des benachbarten Woge-Hauses stellt die Bank vor der eigenen überdachten Haustür zur Verfügung und serviert obendrein gleich noch Kaffee durchs Küchenfenster.

Werkstatt im Haus, Garten vor der Tür

Drei Treffen der künftigen Hausgemeinschaft hat Michael Mathes in seiner Bewerbungsphase besucht: „Man erzählt dort, wer man ist und wie man denkt – es geht darum, sich kennenzulernen.“ Die Chemie stimmte, erzählt der 41-Jährige. Und so hat er sich also für den Kauf der Zwei-Zimmer-Wohnung entschieden, obgleich er ganz gerne einige Quadratmeter mehr gehabt hätte. Sein kleiner Trost: im Haus wird es einen Werkstattraum geben, den der begeisterte Schrauber nutzen kann. Zudem gehört ein rund 30 Quadratmeter großes Gartenstück zur Wohnung. Der Projektmanager für Bankensoftware weiß schon, was er damit anstellen will: „Kleingemüse anbauen“.

Bunt gemischte Bewohnerschaft

Auch auf die „bunt gemischte Bewohnerschaft“ freut sich Michael Mathes, der aus dem Landkreis Sigmaringen stammt und momentan noch in Weinstadt lebt: Familien und Singles, Junge und Ältere, Einheimische und Zugereiste. „Manche engagieren sich mehr, manche weniger“, sagt Mathes, der betont: „Im Mehrgenerationenhaus leben, heißt nicht, dass man ständig zusammen ist. Jeder hat sein Leben, aber es gibt eben einen gemeinsamen Grundgedanken.“

Dass jeder im Haus seine Pflichten haben wird, findet der 41-Jährige in Ordnung. Festgelegt sei da noch nichts, sagt Mathes, versichert aber: „Ich bringe mich auf jeden Fall ein.“ So könnte er, der im Weinstädter Repair-Café engagiert ist, sich beispielsweise vorstellen, für die Hausbewohner eine Fahrradwerkstatt anzubieten: „Werkzeug habe ich ohne Ende.“




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