Trotz anhaltender wirtschaftlicher Belastungen blickt das Gastgewerbe in Baden-Württemberg verhalten zuversichtlich auf das neue Jahr. Schließlich wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie dauerhaft von 19 auf 7 Prozent gesenkt. „Die Lage bleibt herausfordernd, aber ich bin optimistischer als noch vor einem Jahr und sehe jetzt eine realistische Chance, dass wir den Negativtrend bei der Umsatzentwicklung stoppen können“, sagte der Landeschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Hans-Ulrich Kauderer. Auch die Kreisvorsitzende, Susanne Weißkopf vom Hotel Ochsen in Uhingen, begrüßt die Steuersenkung: „Viele haben darauf hingefiebert.“
„Wir können es ja nicht schönreden, wir können höchstens darauf hinwirken, dass die Kunden Verständnis zeigen.“
Susanne Weißkopf, Dehoga Kreisvorsitzende
Der niedrigere Mehrwertsteuer-Satz löst aus Sicht des Dehoga nicht alle Probleme – verschafft den Betrieben aber dringend benötigten wirtschaftlichen Spielraum. Seit 2022 hätten sich Personal-, Energie- und Warenkosten um rund 30 Prozent verteuert. „Die Steuersenkung schafft Luft, etwa für Investitionen“, sagte Hans-Ulrich Kauderer.
Susanne Weißkopf meint gar: „Das dient auch der Existenzsicherung.“ Deshalb macht sie der Kundschaft auch keine Hoffnung, dass die Preise in der Gastronomie jetzt spürbar sinken werden. „Wir können es ja nicht schönreden“, meint die Unternehmerin, „wir können höchstens darauf hinwirken, dass die Kunden Verständnis zeigen.“
Im Restaurant bedienen ist schwere körperliche Arbeit
Sie erzählt von einem Gespräch, das sie unlängst mit einem Handwerker geführt habe. Der berechne pro Stunde 75 Euro. „Ich kann aber beispielsweise bei einer Veranstaltung im Uditorium für eine Servicekraft nicht 75 Euro berechnen“, sagt Weißkopf. Darauf habe der Handwerker erwidert: „Aber das ist ja auch nur eine Bedienung.“ Solche Aussagen ärgern die Ochsen-Wirtin, schließlich hätten eine Fachfrau oder ein Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie auch drei Jahre gelernt. „Und es ist schwere körperliche Arbeit.“ Immer wieder müssten sich Gastronomen für alles Mögliche rechtfertigen, klagt sie. So heiße es zum Beispiel: „Jetzt kostet das Bier schon wieder vier Euro, im Supermarkt ist es viel billiger.“ Dass es im Restaurant aber Service, Geschirr und Gläser, Heizung, Sitzgelegenheiten und Personal gebe, werde dabei vergessen. Weißkopf bedauert: „Das Verständnis für die Gastronomie ist nicht da.“
Dabei sei die Situation sehr ernst. Auf der Dehoga-Weihnachtsfeier habe sie sogar Tränen in den Augen gehabt, „als mir manche ihre Situation geschildert haben“. Einige hätten es nicht geschafft: „Ich weiß definitiv von vier Dehoga-Betrieben im Kreis, die zum Jahresende zugemacht haben, teilweise ganz alteingesessene Betriebe.“ Und das seien nur die Gaststätten, von denen sie es mitbekommen habe. „Die offiziellen Meldungen habe ich noch gar nicht, die gibt es erst auf der nächsten Vorstandssitzung.“
Doch nicht zuletzt die Steuersenkung lässt die Kreisvorsitzende des Dehoga optimistisch nach vorn blicken: „Aber jetzt wird alles besser. Ich hoffe es, ich bin ja ein positiv denkender Mensch.“
Entlastung kostet den Staat jedes Jahr Milliarden
Speisen
Seit dem 1. Januar gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Der Bundesrat hatte kurz vor Weihnachten den Weg für die Regelung freigemacht. An der Entscheidung gab es in Zeiten angespannter Haushalte aber auch Kritik. Für den Staat bedeutet die Maßnahme Mindereinnahmen von geschätzt rund 3,6 Milliarden Euro pro Jahr. Während der Coronapandemie war eine derartige Senkung als Hilfe für die Branche bereits einmal in Kraft, sie lief aber Ende 2023 aus.
Kritik
Bemängelt wird, dass gezielt nur eine Branche entlastet wird, obwohl auch andere Bereiche wie Einzelhandel oder Handwerk unter hohem Kostendruck stehen.
Foodwatch
Zudem wird darauf verwiesen, dass nicht nur klassische Restaurants von der Änderung profitieren, sondern auch große Fast-Food-Ketten. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert, dass die Entlastung kaum bei den Gästen ankomme.