Mein 2012 Heimweh nach Bangladesch

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Die elfjährige Neela Kafi hat ihre Verwandten in Bangladesch besucht und das von ihren Eltern mitaufgebaute Kinderschutzzentrum Shishu Neer besichtigt. In Südasien machte sie viele schöne Erfahrungen, sie musste aber auch sehen, was Armut ist.

Neela hat sich viele Souvenirs aus Bangladesch mitgebracht. Foto: Alexandra Kratz
Neela hat sich viele Souvenirs aus Bangladesch mitgebracht. Foto: Alexandra Kratz

Rohr - Es war Neelas eigener Wunsch. Die Elfjährige wollte wissen, wo ihre Wurzeln liegen, wie die Heimat ihres Vaters aussieht und wie ihre Familie in Bangladesch lebt. Neela nervte ihre Eltern, bis diese endlich nachgaben. In den Faschingsferien flog sie gemeinsam mit ihrer Mutter Pamela Metschar-Kafi für drei Wochen nach Südasien.

Neela weiß noch genau, was sie fühlte, als sie das Flughafengebäude verließ. „Ich habe mich gefreut, endlich dort zu sein. Aber ich war auch überrascht. Alles sah ganz anders aus als hier“, sagt die Elfjährige. Viele der Häuser seien verfallen gewesen, auf den Straßen sei laut gehupt worden und überall sei sie mit Armut konfrontiert worden. „Die Kinder haben gebettelt. Das war ein schlimmer Anblick.“

Wirklich wohl gefühlt habe sie sich am Anfang nicht. „Ich habe mich mit niemandem unterhalten können.“ Die Landessprache Bengali sei ihr zwar nicht unbekannt. „Aber ich verstehe nur ein paar Brocken und ich kann sie nicht sprechen“, sagt das Mädchen. Also musste sie sich mit Englisch durchkämpfen, was zunächst eine Herausforderung gewesen sei.

Was ihr half, sich in Bangladesch zurechtzufinden, war vor allem die Herzlichkeit ihrer Familie. „Ich habe dort viele Tanten und Onkels und etliche Cousins und Cousinen“, sagt Neela. Ein Großteil der Familie wohne im Haus der Großmutter. Der Standard dort sei freilich nicht mit dem hier vergleichbar. So gebe es beispielsweise kein fließendes warmes Wasser. „Und überall waren riesige Kakerlaken, die auch noch fliegen können“, sagt Neela, und die Abscheu ist ihr anzumerken.

Der Verein Shishu Neer

Doch die Elfjährige wusste vorher, worauf sie sich einließ. Sie kannte das Land aus den Erzählungen ihrer Eltern. Diese haben vor gut fünf Jahren den Verein Shishu Neer gegründet. Er betreibt ein Kinderschutz- und Lernzentrum für mittlerweile mehr als 80 Mädchen und Jungen. Dieses befindet sich in der Nähe der bengalischen Hauptstadt Dakar. Dort lernen die Kinder nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie erfahren auch Zuneigung, haben die Möglichkeit, sich und ihre Kleider zu waschen, und sie bekommen ein warmes Mittagessen.

Noch am ersten Tag ihrer Reise, habe sie die Schule sehen wollen, berichtet Neela. Dort sei sie bereits freudig erwartet und mit kleinen Geschenken überhäuft worden. „Ich war überrascht, dass die Mädchen und Jungen so fröhlich sind, obwohl es Straßenkinder sind, die so gut wie nichts haben“, sagt die Elfjährige.

Doch sie machte auch unangenehme Erfahrungen. Beispielsweise an dem Tag, an dem sie sich ins Slum wagte, das gar nicht weit weg vom Haus ihrer Großmutter ist. „Ich bin richtig erschrocken“, erinnert sich Neela. Besonders, als genau in dem Moment die Polizei kam und wahllos einige der Hütten einriss. „Das war die reine Schikane“, sagt Neela, und ihre Mutter nickt.

Doch die schönen Momente hätten überwogen, sagt das Mädchen. So sei sie in dem Heimatdorf ihres Vaters gewesen, wo das Leben noch sehr einfach sei. Und sie habe mit dem Speedboot einen Abstecher in den Dschungel gemacht und die Mangrovenwälder gesehen.

„Am Ende wollte ich gar nicht mehr nach Hause“, sagt Neela. Auch ihre Verwandten hätten beim Abschied geweint. Doch für Neela steht fest, dass es nicht ihr letzter Besuch war. „Ich habe richtig Heimweh nach Bangladesch.“.

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