Meisterpflicht im Handwerk Qualität entscheidet

Von Sabine Marquard 

Die Rufe des Handwerks nach einer Rückkehr der Meisterpflicht sind nicht neu, doch sie werden lauter. Die Verbände sollten ihre Energie auf Wichtigeres lenken, wenn sie den Handwerksbetrieben helfen wollen, meint Redakteurin Sabine Marquard.

Ein Goldschmied arbeitet an einem Ohrring. Die Meisterpflicht in diesem Handwerk gibt es nicht mehr. Foto: dpa
Ein Goldschmied arbeitet an einem Ohrring. Die Meisterpflicht in diesem Handwerk gibt es nicht mehr. Foto: dpa

Stuttgart - Wer einen Handwerker braucht, muss mitunter lange warten. Der Bauboom hat dem Handwerk einen Aufschwung beschert, und ein Ende ist nicht absehbar. Doch nicht nur Bauhandwerker sind gefragt. Weil die Wirtschaft insgesamt rund läuft, ist auch die Nachfrage nach anderen Gewerken hoch. Die gute Lage im Handwerk löst gleichwohl nicht alle Probleme. Glaubt man den Äußerungen der Handwerksverbände, wäre viel geholfen, wenn es in sämtlichen Handwerksberufen die Meisterpflicht wieder gäbe. Nur derjenige soll sich selbstständig machen dürfen, so das Credo hierzulande, der den Meisterbrief als Qualifikationsnachweis vorlegen kann. Doch der Versuch, alte Schutzzäune zu errichten, hilft nicht weiter.

Qualifikation ist wichtig und sie ist zweifellos ein wichtiger Vorteil im Wettbewerb. Auf einen einmal erworbenen Titel darf man sich aber nicht ausruhen. Fortbildungen sind erforderlich, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, damit man zumal im Zuge der Digitalisierung nicht vom Markt gefegt wird. Das Augenmerk der Verbände sollte demzufolge nicht auf dem Meistertitel, sondern auf Qualifikation insgesamt liegen – samt Fortbildung. Dafür sollten sie in erster Linie werben – und zwar bei ihren Handwerkern.

Anstrengung zahlt sich aus

Der Wegfall der Meisterpflichtin vielen Handwerksberufen vor 15 Jahren hat zu mehr Wettbewerb geführt. Auch über den Preis. Doch wer schlechte Arbeit abliefert, wird sich nicht lange am Markt halten. Und wer qualifiziert ist, kann dank besserer Leistung auch höhere Preise erzielen. Das Können muss freilich ins Schaufenster gestellt werden – genauer gesagt sollte es auf der Homepage den Kunden ins Auge springen. Heute ist es wichtiger denn je, als Handwerker mit seinem Angebot im Internet präsent zu sein. Das ist anstrengend, aber es zahlt sich aus.

Übrigens auch bei der Nachwuchsgewinnung. Dass sich Handwerksbetriebe in industriestarken Regionen schwer tun, Auszubildende und Facharbeiter zu gewinnen, wird sich auch mit einer Meisterpflicht nicht ändern. Hier müssen sich die Betriebe mehr einfallen lassen.